Anzeige

„ich habe keine angst davor, nein zu sagen” – little simz lässt sich nicht verbiegen

Wir haben uns mit G-Star Raw zusammengetan, um herauszufinden, warum Little Simz von London nach L.A. ziehen will und warum sie sich als Musikerin immer noch ein bisschen missverstanden fühlt.

von i-D | Anzeige
|
09 Mai 2016, 1:20pm

Es ist eine aufregende Zeit für britischen Rap und Grime. Als Höhepunkt dieser globalen Entwicklung erobern Künstler wie Stormzy und Skepta die amerikanische Musiklandschaft mit Performances beim SXSW und ausverkauften Tourneen. Während viel über die Erfolge der männlichen MCs in den USA berichtet wurde, hat auch Little Simz in den letzten drei Jahren still und heimlich dort Fuß gefasst. Drei Mal ist sie bereits beim SXSW aufgetreten und hat während ihrer zwei Tourneen die Clubs gefüllt—und das alles als unabhängige Künstlerin ohne Label. Simz ist eine der talentiertesten Texterinnen ihrer Generation. Hier geht es nicht nur um Reime—sie erzählt Geschichten. Mit ihren kreativen Kompositionen erschafft die 22-Jährige lebendige Bilder. Bestes Beispiel dafür ist ihr ebenso brillantes wie abenteuerliches Debüt A Curious Tale of Trials + Persons, das 2015 erschienen ist. Simbi Ajikawo weigert sich, ihrem Sound oder ihrer Identität untreu zu werden. Wir haben uns mit G-Star Raw zusammengetan, um herauszufinden, warum Little Simz von London nach L.A. ziehen will und warum sie sich als Musikerin immer noch ein bisschen missverstanden fühlt.

Du bist zurück! Wie war die Tour?
Es war der Wahnsinn! Ich hatte eine tolle Zeit.

Was ist Little Simz auf Tour wichtig?
1. Der Soundtrack auf dieser Tour war Haitus Kaiyotes Choose Your Weapon—bei jedem Flug, an jedem Gate. Auf dem Weg zum Flughafen, am Flughafen—immer dieses Album. Definitiv mein Soundtrack dieser Zeit.
2. In einsamen Nächten im Hotel habe ich How To Get Away With Murder geschaut. Ich liebe Viola Davis!
3. Was ich immer dabeihaben muss, ist eine Flasche heißes Wasser. Ich hasse es einfach, wenn ich friere!
4. Die erste Tourhälfte habe ich immer im gleichen Outfit performt. Es war eine Art Uniform, die ein Mix aus G-Star und Zara war—im Grunde genommen ein schwarzer Anzug. Ich liebe es, wie die Teile von G-Star sitzen, aber auch wie sie ausschauen. Mir gefällt, wofür sie stehen. Klar ist es eine Marke, aber es geht darum, Dinge so zu tragen, wie man sie tragen will, und darum, dass man sich wohlfühlt. Das gefällt mir. Manchmal arbeite ich mit Marken zusammen, die zu sehr versuchen, dich in ihre Welt zu locken. Beim Style sollte es letztlich um Identität gehen—du musst dich gut fühlen.

Little Simz hat den Look aus diesem Video auch für ihre Tour ausgewählt. Sie trägt Kleidung von G-Star RAW und Zara. 

Warum ist Identität für eine Musikerin so wichtig?
Identität ist die eine Sache, die wirklich dir gehört. Niemand kann sie dir wegnehmen—du kannst jemandem nicht einfach die Identität klauen. Das bist du. Du kannst die Musik kopieren, du kannst dir Flow abschauen, aber du wirst einer Person nie ihre Identität nehmen können. Ich glaube, dass das nicht möglich ist. Darum ist sie wichtig. Es ist die eine Sache, die deine ist.

Du trittst schon seit drei Jahren in den USA auf. Warum schon so früh in deiner Karriere? Hast du, seit du dort auftrittst, Veränderungen bemerkt?
Die Veränderungen mitzuverfolgen, war total interessant. Mein erstes Konzert in den Staaten war 2014—entweder in L.A. oder beim SXSW, ich weiß es nicht mehr so genau. Es ist auf jeden Fall passiert, weil ich schon 2013 eine Bookingagentur, ICM, in Los Angeles gefunden habe. Die haben mir dann 2014 den Gig beim SXSW verschafft. Damals wusste niemand, wer ich bin. Das war auch beim zweiten Mal so. Dieses Jahr sind tatsächlich Menschen gekommen, um mich zu sehen. Über einen Zeitraum von drei Jahren habe ich also die Entwicklung von „Kein Mensch kennt mich" zu „Menschen kommen, weil ich eben zufälligerweise da bin" und schließlich dieses Jahr zu „Menschen kommen, um mich zu sehen" durchgemacht. 

Wie ist das passiert?
Ich bin einfach immer konsequent gewesen. Dadurch, dass ich—ich will nicht zu tiefsinnig werden—es raus ins Universum geschrien und mich nicht unterkriegen gelassen habe. Ich wusste, dass es passieren wird. Ich erinnere mich [an etwas, was du mir kürzlich auf einem Event gesagt hast], dass die besten Dinge manchmal am längsten brauchen. Ich wusste, dass ich an diesen Punkt kommen würde. Ich bin nicht komplett zufrieden—ich weiß, wo ich hin will, aber ich weiß auch, dass es einige Zeit braucht, bis ich ankommen werde. Das ist OK so.

Würdest du sagen, dass du spirituell bist?
Ja, aber ich bin kein indigo child! Aber ich weiß, dass ich ein spiritueller Mensch bin. Ich fühle mich sehr mit dem Universum verbunden und ich glaube an diese Dinge. Aber das ist nichs, worüber ich die ganze Zeit offen reden muss. Ich fühle es einfach. Ich glaube, dass es das ist, was mich spirituell macht. Es ist in mir und ich rede in meinen Songs darüber—nicht mehr und nicht weniger. 

Warum hast du die USA als Teil deines Weges gesehen? Die meisten fokussieren sich zuerst darauf, England zu erobern. Dann konzentrieren sie sich auf andere Länder. Gab es eine Strategie dahinter?
Nein, überhaupt nicht. Ich glaube, dass das einfach meine Bestimmung gewesen ist. Ich habe mich niemals nur auf London beschränkt oder gedacht, dass ist es jetzt. Ich habe immer gewusst, dass ich drüben auch mal durchstarten und mir etwas aufbauen will—und ich bin noch lange nicht am Ziel. Ich überlege, ob ich in die Staaten ziehen soll, weil ich mir vorstellen könnte, dass es gerade gut funktionieren würde. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass ich hier noch eine Menge Arbeit vor mir habe. Ich versuche einfach, es herauszufinden. Natürlich ist es einfacher, davon zu sprechen, als es tatsächlich zu tun, aber ich habe ein tolles Umfeld—meine Familie, meine Freunde, die mich ermutigen und mir immer sagen, dass alles möglich ist. Wenn die Menschen, die ich liebe und die mir am meisten bedeuten, mir sagen, dass etwas gut für mich sein könnte, habe ich nichts zu verlieren. Wenn es nicht funktioniert, komme ich eben wieder zurück nach Hause—das Zuhause wird ja immer da sein.

Hast du das Gefühl, dass Amerika dich als Künstlerin besser versteht?
Ja, definitiv. Das hat sich wirklich verändert. Ich kann nicht genau sagen, wann der Zeitpunkt war, an dem ich das Gefühl hatte, dass ich dort ein bisschen besser verstanden werde. Ich fühle mich nach wie vor ein wenig missverstanden, aber die Menschen sind aufmerksamer und versuchen, mich mehr zu verstehen. Besonders in den Staaten jedenfalls.

Inwiefern fühlst du dich missverstanden?
Ich glaube, dass die Menschen verwirrt sind. Auch darüber, wie ich das alles ohne Label mache.

Aber wir haben 2016. Es sollte keine Neuigkeit sein, dass Künstler es auch so schaffen können.
Es wäre OK, wenn ein junges Mädchen kommt, ihr Ding macht und kein Label hätte, weil sie Simz gesehen hat, die das durchgezogen hat. Man versteht nicht, dass ich eben mein Ding mache und die Tatsache, dass ich sehr selektiv vorgehe. Das schafft vielleicht Verwirrung. Ich denke einfach über meine Schritte nach. Es ist ähnlich wie beim Schach. Ich denke logisch und agiere nicht impulsiv. Ich sage nicht schnell ja zu Dingen und ich habe auch keine Angst davor, nein zu sagen. 

Wie würdest du dich selbst als Künstlerin beschreiben?
Ich bin verletzlich, ich bin sensibel. Ich bin ehrlich und ich bin nicht perfekt. Ich bin mir meiner selbst bewusst. Aber es ist mir auch irgendwie egal. Ich ordne mich irgendwo zwischen „I care" und „I don't care" ein.

Wird Grime die USA erobern? Ist das wichtig? Brauchen wir diese Bestätigung?
Wir haben jetzt die Chance, es wirklich durchzuziehen. Warum nicht? Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns, aber möglich wäre es. Besonders durch das SXSW dieses Jahr und dem SBTV Showcase.

Der super war, obwohl es schön gewesen wäre, eine Frau im Line-up zu sehen.
Ja!

Es wird für dich aber nicht einfach werden. Ich werde jetzt nicht über Rapperinnen sprechen, denn das fühlt sich als Rückschritt an. Aber als Rapperin Amerika zu erobern, wird hart seinmöglich, aber hart. 
Ich mag einfach keine Labels. Ich bin einfach kein Label-Mensch. Auch wenn ich einen Typen date und er fragt „Was ist das zwischen uns?", dann antworte ich: „Es ist, was es ist." Labels, das ist was für die anderen. Was ist, wenn ich in einem Jahr ein Album machen will, dass starke Rock'n'Roll-Einflüsse hat? 

Du bist Musikerin.
So ist es. Ich will einfach nur das sein. Die Musik, die ich so höre, ist ziemlich breit gefächert. Es ist Rap, was ich hauptsächlich mache, worin ich mich wohlfühle und wo ich zu Hause bin. Aber wenn es um meine Musik geht, bin ich ein Mensch, der lernen und wachsen will. Ich möchte wie ein Schwamm sein. Ich mag es, in Sessions zu sitzen, einfach nicht zu reden, dem Tontechniker zuzusehen und zu lernen. In der Musik habe ich keine Angst, Risiken einzugehen und neue Dinge auszuprobieren. Das mag ich sehr. 

Du willst also nicht gelabelt werden und du willst kein Label.
Ich habe es lieber, nicht in eine Schublade gesteckt zu werden, aber ich verstehe, wenn Menschen das tun. Und ich habe auch nichts gegen Musiklabel, aber zur Zeit bin ich einfach entspannt. Wenn ich mir Chance The Rapper ansehe, der hat das ganze Spiel einfach verstanden. Du siehst dir an, was die Leute machen und dann schaust du, wie das alles auf deine Situation passt. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt gerade einfach nichts zu verlieren habe. 

Wie wird es bei dir weitergehen?
Ich bin eben gerade von der Tour zurückgekommen. Außerdem war ich auch in Israel für die 30 Under 30-Liste von Forbes, was eine tolle und unglaubliche Erfahrung war. Ich habe meine Mutter mitgenommen. Dass sie sehen konnte, was ich mache, und an welche Orte mich meine Arbeit führt, hat das Ganze für mich echt bedeutsam gemacht. Ich bin glücklich und traurig, dass die Tour vorbei ist. Aber jetzt geht's direkt ins Studio, wo ich an neuer Musik arbeiten möchte. Ich war jetzt so lange unterwegs und habe das Studio schon vermisst. Ich wollte es vermissen, weil ich wusste, dass—sobald ich dort bin—es mal für eine Weile nichts anderes geben wird. In den letzten Monaten habe ich eine Menge gesehen und viele Menschen kennengelernt. Das ist eine gute Grundlage. Ich habe viel erlebt, worüber ich sprechen möchte. Ich stecke voller Worte und Ideen.

@LittleSimz

Credits


Text: Hattie Collins 
Little Simz trägt G-Star RAW, auch die G-Star 5620 Elwood. Die Kultjeans feiert ihren 20. Geburtstag. 

Tagged:
Interview
Grime
Musik
sxsw
Little Simz
g-star raw