"Him" erkundet die radikale Softness schwarzer Männlichkeit

Mit ihrer lavendelfarbenen Fotoserie beweist uns Fotografin Camila Falquez, dass auch Männer soft sein können.

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Dez. 11 2017, 11:48am

Wie Moonlight eindrucksvoll gezeigt hat, können sich die Erwartungen, die an schwarze Männer gestellt werden, manchmal sehr erdrückend anfühlen. Das hat die in Brooklyn lebende Fotografin Camila Falquez selbst erlebt, als sie ihr Model LZ Granderson davon überzeugen musste, dass rosafarbener Tüll seine Karriere nicht negativ beeinflussen wird. "Ich habe zu ihm gesagt: 'Vertrau mir. Du willst als Mann gesehen werden, der die Narrative über Männer verändern möchte'", erinnert sich Camila. Die Fotografin hat ihr Model beim diesjährigen Afropunk Festival zum ersten Mal getroffen und sich sofort in seine Aura verliebt.


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Dass LZ anfangs so zögerlich war, verstärkt nur Camilas Botschaft ihrer neuen Fotoserie him. "Ich habe manchmal das Gefühl, dass Feministen die Männer vergessen, die alte Formen von Maskulinität hinterfragen", sagt Camila. Sie möchte das mit den intimen und in Lavendel getauchten Aktaufnahmen von LZ ändern. "Ich bin davon überzeugt, dass diese Bilder den Leuten dabei helfen werden, ein Bewusstsein zu schaffen."

Und damit behält sie Recht. Radikale Softness, eine im Internet entstandene Ästhetik aus Pastellfarben, mit viel nackter Haut und emotionalen Ehrlichkeit, hat dieses Jahr unzählige junge Frauen dazu ermutigt, ihre Verletzlichkeit offen zu zeigen. Elemente dieser queeren Femme-Ästhetik haben in diesem Jahr fast jeden Winkel der Popkultur erfasst: In den Versen der Poetin Rupi Kaur, in den Musikvideos von Solange und in den Ganz-Körper-Seiden-Looks, die gerade auf allen Laufstegen zu sehen sind. Doch im Gegensatz zu ihren weiblichen Kollegen haben nur wenige männliche Künstler die Ästhetik der radikalen Softness für sich genutzt. Camila hat es sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern.

"Ich möchte einfach nur Körper fotografieren", erzählt uns Camila. "Ich bin mir darüber bewusst, dass wir alle nur aus Fleisch und Blut bestehen. Und wenn die ganze Welt das begreifen würde, würden die vielen Spaltungen in der Gesellschaft weniger werden." Wir haben mir der jungen Fotografin über ihre radikale Softness und Ballett gesprochen.

Du konzentrierst dich auf bestimmte Körperteile und zeigst, dass auch Schultern und Fingerspitzen etwas Intimes an sich haben können. Was möchtest du damit kommunizieren?
Ich war früher einmal Balletttänzerin. Eine lange Zeit wusste ich gar nicht, dass ich daran interessiert sein könnte, wie wir uns durch unsere Körper und Bewegungen ausdrücken. Und dann, auf einmal, habe ich begriffen, dass es in meinen Arbeiten oft darum geht. Momentan verspüre ich daher einfach den Drang, Themen wie ethnische Herkunft, Gender und viele Dinge, die uns scheinbar voneinander trennen, zu erkunden.

Welche Inspiration steckt hinter deiner Fotoserie him?
Meine Fotografie soll abstrakt sein. Ich habe eines Tages festgestellt, dass ich fast nur Frauen fotografiere. Das ist aber nicht das, was ich eigentlich will. Ich möchte Körper zeigen. Ich bin mir darüber bewusst, dass wir alle nur aus Fleisch und Blut bestehen. Und wenn die Welt das begreifen würde, würden die vielen Spaltungen in der Gesellschaft weniger werden.

War es schwierig ein Model zu finden, das nichts dagegen hatte, nackt zu posieren?
LZ Granderson war einfach nur toll. Ich habe ihn während des Afropunk Festivals getroffen und mich sofort in seine Aura verliebt. Als ich ihn das erste Mal darum gebeten habe, für mich zu sitzen, hat er sich große Sorgen um seine Zukunft gemacht. Ich meinte dann zu ihm: 'Vertrau mir. Du willst als Mann gesehen werden, der die Narrative über Männer verändern möchte.'

Du verwendest viel Pastellfarben in deinen Fotografien. Was haben sie mit dem Thema Gender zu tun?
Ich bin immer völlig baff, wenn die Leute zu mir sagen, dass meine Ästhetik so feminin sei. Das ist in meinen Augen keine geeignete Kategorie. Was heißt das überhaupt? Das sind einfach nur Farben, die mich anziehen. Für mich braucht die Welt Männer, die keine Angst davor haben, etwas zu tun, das als typisch weiblich angesehen wird.

Wirst du jetzt mehr Männer fotografieren?
Nein. Bei diesem Projekt wollte ich Männer in meiner Serie über Körper miteinbeziehen. Ich habe das Gefühl, dass man Dinge verpasst, wenn sich langfristig einer Sache widmet. Ich bin offen gegenüber Menschen, egal wie alt sie sind oder welches Geschlecht sie haben. Ich möchte meine Motive nach ihren Eigenschaften auswählen, die mich inspirieren.

@camilafalquez

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.