Foto: via i-D UK

Was steckt hinter der neuen Trendfarbe "Gen Z Yellow"?

Das neue "Millennial Pink", aber in schlecht.

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18 April 2018, 9:27am

Foto: via i-D UK

Falls die Farbe Gen Z Yellow wirklich zum Trend wird – die Menschen, die im Hintergrund die Fäden in der Modewelt in der Hand halten, haben nun mal so entschieden –, braucht sie einen anderen Namen. Millennial Pink hat funktioniert. Gen Z Yellow geht dagegen schwer über die Lippen. Wie eine uninspirierte Fortsetzung eines 08/15-Hollywood-Blockbusters. Ein Trend, der auf der Erfolgswelle eines anderen Trends schwimmt. Der Name muss widerspiegeln, wofür diese Farbe steht: Sie ist ein Statement, ein Lebensgefühl und ein Symbol dafür, wie wir im Jahr 2018 leben.


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Doch einen anderen Namen zu finden, ist gar kein so einfaches Unterfangen. Wie wäre es mit Wolk Yolk? Next-Gen-Citrus? Nu Daffodil? Gen-Zedder-Cheddar? Yung Banana? Wir ersparen uns weitere Vorschläge. Im Marketing zu arbeiten, ist härter als gedacht. Und auch härter als ein Branded-Lifestyle-Experte oder Trendforscher zu sein. Es ist wirklich nicht einfach, Menschen in eine Gruppe zu packen und das auch noch mit einer Farbe aus dem Pantone-System zu kombinieren. Aber jemand muss den Job ja machen. Gen Z Yellow scheint an Fahrt aufzunehmen und ist jetzt – Überraschung – in: Sie wurde auf den Laufstegen für Frühjahr/Sommer 2018 und für Herbst/Winter 2018 gesichtet. In Pressemitteilungen wird sie uns als das neue Ding angepriesen. Gelb sorgt für höhere Umsätze, liebe Manager (von was auch immer)!

Das Problem an Gen Z Yellow ist, dass sich die Farbe aufgezwungen anfühlt. Millennial Pink hat von selbst funktioniert. Die Farbe war das Symbol einer Generation, die von einfachen visuellen Symbolen besessen war. Millennial Pink ist die asexuelle Befreiung. Die Farbe war der einfachste Weg, um der gegenderten Mode im Mainstream den Mittelfinger zu zeigen. Sie war unangestrengt und bequem. Ein revolutionärer Akt, der einen nicht festnagelt. Sie war süß und ungefährlich.

Millennial Pink war perfekt für die Welt im Jahr 2016 – eine Zeit vor Trump und Brexit. Wir haben uns alle die Achselhaare wachsen lassen und waren glücklich darüber, #FreeTheNipple existierte und Instagram machte aus talentlosen Menschen zwischen 19 und 29 plötzlich Stars. Doch heutzutage ist das Politische wieder politisch. Wir werden alle in einem schrecklichen Atomkrieg sterben. Der dritte Weltkrieg steht in Korea vor der Tür. Und die passende Farbe für diese Endzeit-Stimmung ist Gen Z Yellow. Sexuelle Befreiung wurde durch gefährliche Agitation, nervöse Angstzustände und apokalyptische Schönheit ersetzt. Wo bleibst du Armageddon?

Der Untergang ist nicht sanft, er ist Gelb! Die Farbe ist nicht willkommen: Sie steht für das Böse und die Monster. Gelb wird in der christlichen Mythologie mit Judas Iscariot assoziiert. Der gilt dort als Bad Boy. Im mittelalterlichen Spanien wurden Nicht-Christen gezwungen, Gelb zu tragen. In Italien werden Krimi-Geschichten als giallo bezeichnet, italienisch für Gelb. Doch Gelb hatte in der Kunst auch seine Hochzeiten. Gaugin, Miro und van Gogh haben aus der wenig geliebten Farbe etwas Schönes geschaffen.

Doch die Farbe Gelb ist nicht nett. Sie sieht krank und bleich aus. Nicht umsonst heißt eine Krankheit Gelbfieber. In Gelb umwerfend auszusehen ist schwer. Es sei denn, du heißt Beyoncé und schlägst wie sie im Video zu "Lemonade" eine Autoscheibe in einem gelben Kleid ein. Doch Beyoncé würde auch in Schwarz und mit einem Basecap dabei gut aussehen. Fashion-Momente, in denen Menschen in Gelb gut aussehen sind rar. Da wäre zum Beispiel Emma Watson in dem gelben Kleid im Film Die Schöne und das Biest oder Emma Stone in La La Land. Beide Farbtöne sind aber zu grell und schnulzig. Ein persönliches Highlight ist Linda Evangelisa für die italienische Vogue in einem sehr großen, gelben Valentino-Mantel. Gelb war nie groß in Mode, weil die Farbe nicht gerade schmeichelhaft ist. Beyoncé, Kirsten Dunst und Linda sehen gut in Gelb aus, weil sie auch sonst gut aussehen. Aber bei uns Normalos? Eher nicht.

Und doch ist die Zeit für die Farbe im Mainstream gekommen. Die Trend-Diktatoren prügeln es bereits in uns ein. Deswegen gibt es auch so viele Artikel wie "Was ist Gen Z Yellow?" oder "Hilfe! Ich sehe aus, als ob ich in einen Eimer Senf gefallen bin. Wie trage ich Gen Z Yellow richtig?"

Alles berechtigte Fragen, die wir jetzt beantworten. Bald ist Sommer. Wenn man Gelb tragen kann, dann im Sommer. Einige zufällige Tipps aus dem Internet, um Gelb zu tragen: Kombiniere die Farbe mit anderen Farben. Trage ein gelbes Accessoire. Trage nicht zu viel Gelb. Mach aus dem Gelb ein Muster. Und so weiter und so fort. Die Wahrheit ist so einfach wie banal: Keiner weiß, wie man Gelb trägt. Oder die Person will es auch gar nicht wissen. Denn alle Tipps haben eins gemeinsam – so wenig Gelb wie möglich zu tragen. Das ist schon sehr Gen Z. Geht es der Generation doch darum, mit Absicht schlecht auszusehen, das aber sehr stylisch. Deshalb ist es kein Wunder, dass Balenciaga – die Meister, wenn es darum geht, Grausames gut aussehen zu lassen – gerade so viel Gelb verwendet.

Es gibt zwei Arten von Gen Z Yellow: das aufdringliche Balenciaga-Gelb und eine softere Variante. Gen Z Yellow ist amorph, wenig stabil und verändert sich, eben wie die Kids selbst. Neben Balenciaga tut Prada alles, um Gen Z Yellow so grell und aggressiv wie möglich aussehen zu lassen. Bei den Italienern ist die Farbe eine Warnung, ein Signal der Verteidigung. Die Herbst-/Winterkollektion 2018 war übersäht mit grellen Farben. Die Farbe ist ein visuelles Statement. Sehr Gen Z.