ryan lo, faustine steinmetz und fashion east auf der london fashion week

Die London Fashion Week ist im vollen Gang. In den Fashionshows für Herbst/Winter 2017 dominierten kräftige Farben, mutige Schnitte und vor allem viel Kreativität.

|
Feb. 20 2017, 12:20pm

Ryan Lo
Wer kennt nicht Ru Paul's Drag Race? Und erinnert sich besonders gerne an die elfte Folge der siebten Staffel, in der die Kandidatinnen maßgeschneiderte Hello-Kitty-Outfits als Hommage an die japanische Kultikone entwerfen mussten. Wenn der britische Designer Ryan Lo teilgenommen hätte, hätte er diese Challenge mit Sicherheit gewonnen. Der Modedesigner hat die modische Katze in Camouflage-Look, Magenta und Orange auf die Röcke und Kleider seiner Herbst-/Winterkollektion 2017 gebracht. Für seine neuesten Kawaii-Kreationen hat er sich außerdem von seiner Kindheit in Hongkong und vom eingestellten Magazin FRUiTS inspirieren lassen. Ergänzt wurden die Looks mit mehrfarbigen, langen Zöpfen (verantwortlicher Figaro Sam McKnight), und starken Make-up von Isamaya Ffrench. Die Models wirkten, als ob sie geradewegs von den Straßen Shibuyas genommen wurden.

Matty Bovan 

Fashion East
Designer Matty Bovan beschreibt die zweite Kollektion für Lulu Kennedys Fashion East als „dystopische, mittelalterliche Science-Fiction-Zukunft". Eine Zukunftsvision, „aber nicht auf die Art und Weise, wie sich das die Menschen immer vorstellen, also sehr weiß und clean, sondern düsterer", so der Designer. Die Stoffe seien so behandelt worden, dass sie fast eine heilige Qualität bekommen. Den ersten Look hat die bezaubernde Chantelle Winnie präsentiert, gefolgt von einem beeindruckenden Model-Line-up mit den i-D Coverstars Grace BolAdwoa Aboah und Dilone, die Bovans Entwürfe einem stauenden Publikum präsentiert haben.

Sein Layering-Look bestand aus asymmetrischer, patchworkähnlicher Knitwear, Oberteilen und Röcken, bedruckt mit Hexen- und Teufelszenen aus dem 15. Jahrhundert, sowie orangefarbenen Denim-Fetzen und Tomboy-Hosen mit „Bovan Corporation"-Aufnähern. Letztere sind eine Hommage an Science-Fiction-Filme wie Alien und Blade Runner; Filme, in denen große Unternehmen die Bösen sind. Ergänzt wurden die Looks mit Schmuck, den der Designer zusammen mit seiner Mutter Plum Bovana herstellt. Die Ledertaschen stammen von Coach, die vom Fashion-East-Designer angepasst wurden.

Mimi Wade

Das war die erste Catwalk-Show für Mimi Wade, nachdem sie für Fashion East bereits mehrere Kollektionen ohne Show präsentiert hat. Neben ihren Seidenkleidern und asymmetrischen Röcken präsentierte sie Cord und natürlich Seide, für die sie bekannt ist. Angepriesen wurde dieser Look als Neuinterpretation ihrer Schuluniform. Dass sich die Designerin gerne von Filmplakaten inspirieren lässt, war in dieser Kollektion erneut zu sehen. Der Spruch „Dial M for Mimi" ist eine Referenz an Den rosaroten Panther. Die Macher der Zeichentrickserie haben es wiederum als eine Hommage an „Dial M for Murder" von Hitchcock gemeint. Meta as fuck. Eigene Filmplakat-Designs hat sie auf die mit Spitze versehenen Röcke aufdrucken lassen.

ASAI

Die Newcomerin ASAI ließ sich von Jane Norman, Disco-Gürteln im Boho-Style und der Einstellung „Ich habe Geld und möchte wohlhabend, aber nicht chic aussehen" inspirieren. Herausgekommen ist eine texturale Kollektion: ein Mix aus bunten Knitwear-Pieces, kombiniert mit Satin, der an den Füßen zusammengerafft wurde, und dekonstruierten Jacken. Die Kollektion, die dieses Jahr ohne Runway-Show präsentiert wurde, stammt von der RCA-Absolventin Supriya Lee. Das war eine Meditation über Weiblichkeit und „den Dialog zwischen ihrer indischen und britischen Identität". Übersetzt hat die junge Designerin das in eine romantisch gehaltene Farbauswahl aus Pink, Rot und Navy. Glänzende Hosen aus Vinylon, hautenge Tops und Satin-Kleider, die ein Hauch von Dekadenz versprühten. Ergänzt wurde der Look mit indischem Kostümschmuck.

Faustine Steinmetz
Nur wenige können jede Saison aufs Neue so geschickt mit Denim umgehen wie Faustine Steinmetz. Sie schafft es, aus einem Stoff, der wegen seiner Widerstandsfähigkeit vor allem für die handwerklich Tätigen vorgesehen war, etwas Magisches herauszuholen. Denim ist nicht nur universell einsetzbar, sondern auch sehr weitverbreitet, schließlich besitzt jeder Mensch mindestens ein Paar Jeans. Für ihre Show hat uns die Designerin mit auf eine Entdeckungsreise quer durch die Welt genommen, vom Seattle des Jahres 1992 über kanadische Denim-Anzüge bis zu diamantenbesetzten Denim-Kreationen aus Kolumbien. Danach hat sie ihre eigenen dekonstruierten, modernisierten Entwürfe für Jeans, Jacken und Hemden präsentiert. Das definitive Highlight der Show war der Look aus zwei Pieces, die jeweils mit Tausenden funkelnden Kristallen besetzt waren. 

Credits


Text: Lynette Nylander, Charlotte Gush und Felix Petty
Fotos: Mitchell Sams