5 bücher, die dich auf die pride einstimmen

Damit deine Vorfreude auf den CSD in Berlin noch größer wird, haben wir dir eine Liste mit Büchern zusammengestellt, die dich perfekt auf das Fest der Liebe und Gleichheit vorbereiten.

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Juli 20 2017, 8:25am

Am Samstag findet in Berlin der Christopher Street Day statt. Aus diesem Anlass steht diese Woche bei i-D ganz im Zeichen der Pride Week.

Das Ende von Eddy, Édouard Louis
Eddy Belleguele wächst in einem Dorf in Nordfrankreich auf. Hier herrscht Konsens darüber, was es bedeutet, ein Kerl zu sein: Trinkfest, breit gebaut und mit klarer Vorstellung davon, wo die Frau hingehört. Eddy jedoch entspricht so gar nicht dem Bild des vor Testosteron triefenden Landei-Stereotypen. Zart, mit schmaler Hüfte, piepsiger Stimme, keinem Interesse an Schlägereien, Saufgelagen und Fußball. Kurzum: Für seine Familie ist der feminine Eddy nichts als eine Enttäuschung und für die Dorfgemeinschaft ein gefundenes Fressen. Denn in einem Rudel von Alphatieren bedarf es eines (im wahrsten Sinne des Wortes) Bauernopfers. Über Jahre hinweg wird der heranwachsende Eddy gepiesackt, misshandelt und ausgegrenzt. Eddy kennt nichts außer dem Dorf und der familiären Einheit, die ihm zum Gefängnis wurden. Wird er eines Auswegs gewahr, um das scheinbar unabwendbare Ende abwenden zu können?

Der Ich-Erzähler berichtet im apathischen Ton, ohne Selbstmitleid oder nach Mitleid heischend. Wie einer, der sich seinem Schmerz ergeben hat. Der Autor Édouard Louis, geboren 1992, ist Eddy Belleguele.

Blau ist eine warme Farbe, Julie Maroh
Clementine ist 15 und geht in die 10. Klasse. Sie lernt einen netten Jungen kennen. Die beiden verabreden sich auf ein Date. Dann erscheint die blauhaarige Emma und nichts ist wie vorher. Was ist plötzlich los? Es ist, als würde eine Wahrheit aus Clementine herausbrechen, die nur auf ihr Stichwort gewartet hat. Aber mal langsam. Da ist doch dieser nette Junge. Und dann sind da wieder diese erotischen Fantasien. Nein, das kann nicht sein. Und doch ist es so. Das geheimnisvolle Mädchen mit den blauen Haaren will ihr nicht aus dem Kopf gehen. Clementine verlässt ihren Freund und versucht nach und nach zu verstehen, zu akzeptieren, zu der Person zu werden, die sie nunmal ist. Ihr schwuler Freund Valentin nimmt sie mit auf einen nächtlichen Streifzug durch die queeren Bars der Stadt und auf einmal ist sie wieder da: Das Mädchen mit den blauen Haaren. Und dieses Mal lässt Clementine sie nicht einfach so wieder gehen.

Dies ist keine fröhliche Geschichte und doch ist sie voller Schönheit. Julie Marohs Graphic Novel mit autobiografischen Zügen entführt in die verworrene Welt der jungen Clementine, in die Welt einer großen Liebe. Wundervoll melancholisch mit Illustrationen voller Poesie.

Queer Wars, Dennis Altmann & Jonathan Symons
Die LGBTQ-Bewegung konnte in den vergangenen Jahren viele Erfolge für sich verzeichnen. Zuletzt die Verabschiedung des Gesetzes zur Ehe für alle in Deutschland. Diese und andere Etappensiege gilt es zu feiern. Queer Wars zeigt die enormen Fortschritte auf, die man bei all den Missständen in vielen Ländern nicht außer Acht lassen sollte. Das macht Mut auf eine Zukunft sexueller und geschlechtlicher Freiheit und schafft Verständnis — die Wurzel jeden Fortschritts. Die australischen Wissenschaftler Dennis Altman und Jonathan Symons schildern nicht nur die Geschichte einer globalen Bewegung, sondern schlagen Brücken und erklären Zusammenhänge (beispielsweise zum Feminismus). Das Buch erscheint im September 2017.

Die Mitte der Welt, Andreas Steinhöfel
"Seid stark und wehrt euch. Wer euch verletzt, dem tut doppelt weh oder geht ihm aus dem Weg, aber lasst euch niemals vorschreiben, wie ihr zu leben habt." Zugegeben über zwei Punkte lässt sich streiten, aber diese Worte richtet die junge Mutter und von den kleinen Leuten als Hure verschriene Glass an ihre beiden Kinder Phill und Dianne. Ohne Vater wachsen die drei in einer Art verwunschenem Haus auf — Glass wechselt die Liebhaber wie Unterwäsche, Dianne lebt in sich selbst zurückgezogen und Phil, als aussetziges Hexenkind abgestempelt, sieht seiner Adoleszenz orientierungslos und ohne Freunde entgegen. Doch dann tritt Nicholas in Phils Leben. Die beiden kommen sich näher und er versteht zum ersten Mal, was es bedeutet, verliebt zu sein. 

Andreas Steinhöfels Roman ist ein Jugendbuch, keine Frage, doch eines, das von jeder Altersklasse gelesen werden kann und sollte. Eine verträumt-empathische Coming-of-Age-Geschichte, die vom Sich-selbst-verstehen und -kennenlernen handelt und dazu ermutigt, eine Tür zu einer Welt aufzustoßen, von der sie gar nicht wussten, dass sie da ist.

Das falsche Geschlecht, Chloé Cruchaudet
Der Soldat Paul kämpft im Ersten Weltkrieg und kann und will dem allumgreifenden Tod nicht mehr standhalten, flieht und wird zum Deserteur. Zurück in Paris hält ihn seine Frau Louise versteckt. Paul muss unsichtbar bleiben, doch die Isolation macht ihn verrückt und unausstehlich. Als Louise sich weigert, ihm neuen Wein zu holen, schlüpft Paul kurzerhand in die Kleidung seiner Frau. Was als Spiel beginnt, wird zum Weg in eine verloren geglaubte Freiheit. Paul wird zu Suzanne, der besten Freundin seiner Frau. Die Jahre vergehen und aus Pragmatismus wird Pauls Offenbarung. Er entdeckt völlig neue Verlangen in sich und schleicht nachts in die Parks, um sexuellen Abenteuern zu folgen. Eine Dekade nach Suzannes Geburt wird den Fahnenflüchtigen Amnestie gewährt und Suzanne könnte eigentlich wieder zu Paul werden. Eigentlich.

Chloé Cruchaudets Geschichte von Paul, Suzanne und Louise ist so düster wie anrührend, ohne dabei auf die kitschige Klischee-Drüse zu drücken. Pauls Verwandlung zu Suzanne wird begleitet von feiner Situationskomik, ohne dabei an Ernsthaftigkeit und Authentizität einzubüßen. Basierend auf einer wahren Geschichte hat Chloé Cruchaudet einen Traum von einer Graphic Novel geschaffen.

Credits


Text: Kai Hilbert
Foto: Alan Light | Flickr | CC BY 2.0