fjaak verraten uns, was sie gerne in virtual reality ausprobieren möchten

Das Techno-Trio hat sich an den ersten Virtual-Reality-Boiler-Room gewagt. Was es zu erleben gab und wie sich das Cluberlebnis dadurch verändert hat, verraten uns die Berliner DJs im Interview.

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Apr. 5 2017, 11:00am

Wir haben Felix, Aaron und Kevin, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen FJAAK, das letzte mal vor gut anderthalb Jahren getroffen. Damals haben sie uns den perfekten Mix zur Einstimmung auf die Panoramabar zusammengestellt. Seitdem hat sich viel getan: Sie touren um die Welt, arbeiten ununterbrochen an neuen Tracks und haben im Januar ihr Debütalbum FJAAK herausgebracht. Jetzt sitzen die drei Jungs aus Spandau vor mir im Arena Club, dabei habe ich sie vor gut zehn Minuten noch mit einer Google Daydream-VR-Brille vor meinen Augen spielen sehen. Doch wie muss sich erst das Trio gefühlt haben, als sie sich im Nachhinein selbst beobachten konnten? Und das nicht in einem der vielen Youtube-Videos, sondern in 3D, zum Anfassen nahe. Wir wollten mehr über ihr eigenes Google Pixel-VR-Erlebnis erfahren und haben FJAAK vor ihrem Secret-Gig letzte Woche zum Interview gebeten. Dass sich die Urberliner schon seit der Kindheit kennen, wird spätestens dann klar, als sie die Sätze der jeweils anderen weiterführen können und die Begeisterung für die gemeinsamen Auftritte ihrer Stimme spürbar anzuhören ist.

Was ist das Besondere an der Berliner Clubkultur? Und wie hat sich die Clubszene hier über die Jahre entwickelt?
Felix: Die Vielfältigkeit. Generell ist die Clubszene größer geworden und mehr Menschen sind in letzter Zeit für eine geile Art von nicht-kommerzieller Musik überzeugt worden. Deutschland hat mittlerweile aber auch mehr zu bieten — es gibt echt geile Clubs.
Aaron: Alles ist schon mega lange verankert hier. Nach der Wende war Berlin der perfekte Platz, um illegal Raves zu starten. Die Stadt hat die Clubkultur und die Technomusik einfach mitgeprägt. Ich glaube aber auch, dass es früher vielleicht noch mehr dieser Raves gegeben hat und noch öfter die Möglichkeit bestand, ein Haus zu besetzen — das macht mittlerweile kaum noch jemand.
Kevin: Du kannst fast nirgendwo auf der Welt so lange einen Club aufhaben. Trotzdem hat sich sehr viel verändert. Ich habe das Gefühl, dass es immer mehr Touristen hier gibt und plötzlich alle in den letzten paar Jahren nach Berlin gezogen sind, auch viele Freunde von uns. Hier bündelt sich die Szene — Berlin ist das Mekka für elektronische Musik, was es vor ein paar Jahren vielleicht noch gar nicht so war. Gerade hat Berlin so viel Potenzial, jetzt muss auch das Richtige passieren. 

Wie verändert sich das Cluberlebnis durch Virtual Reality?
Felix: Du kannst Leute anstarren und sie sehen dich nicht. Diese Tatsache wirft für mich aber auch die Frage auf, was für Hemmungen Menschen gegenüber einander in der Clubwelt haben — zum Beispiel, wenn sich jemand krass nackt oder freizügig anzieht und trotzdem nicht angestarrt werden will. 
Aaron: Ich habe die Google Daydream-VR-Brille aufgesetzt und mich sofort anonym gefühlt, so ein Gefühl hatte ich noch nie. Du kommst in eine Betrachterposition, weil du weißt, dass du eigentlich gar nicht wirklich da bist, es in dem Moment aber trotzdem irgendwie bist, und so viel mehr und freier entdecken kannst. Du achtest nicht so sehr auf dich, sondern viel mehr auf deine Umwelt. 

Kevin: Die richtige Cluberfahrung kannst du zwar nicht festhalten, mich in 50 Jahren mit so einer Brille ansehen zu können ist aber priceless!

Wie habt ihr euren gefilmten Auftritt wahrgenommen, anders als sonst?
Aaron: Absolut anders. Es war eher wie ein Filmdreh.
Felix: Wir jammen Sachen oft mehrere Male und machen es immer wieder anders, dadurch entsteht viel per Zufall. Deswegen war es auch OK, Sachen öfter zu spielen, weil wir es immer wieder unterschiedlich durchgezogen haben. Es ist trotzdem etwas anderes, wenn du weißt, dass der Typ neben dir die Kickdrum gerade krass feiert und das nicht zu seiner Rolle gehört. Die meisten Leute in dem Video kannten wir aber schon aus dem ganzen Umfeld und auch viele richtig gute Freunde von uns waren dabei.

Und was war allgemein das Spannendste für euch an der Kollaboration?
Alle: Sich selbst im Nachhinein anzuschauen.
Kevin: Wir haben jetzt auch angefangen, Musikvideos zu machen. Und wenn du dich zum Beispiel zum ersten Mal von oben mit einer Drohne siehst, dann merkst du erst, wie surreal das ist. Ansonsten hast du ja nur deinen Blickwinkel — und das ist auf eine gewisse Art und Weise fast schon ein bisschen langweilig, nur diesen einen zu haben.
Aaron: Auch wie sie das mit dem Controller gelöst haben, finde ich voll geil. Du bist wirklich wie in einem Game. Dinge, die wir räumlich wahrnehmen, sind einfach viel komplexer als einfach nur links und rechts. 
Felix: Du kannst auch in andere Räume wechseln. Krass wird es aber noch, wenn die Auflösung besser wird. 

Durch die Boiler-Room-Streams wird die Musik einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt. Wie seht ihr das im Gegensatz zu dieser doch sehr intimen Virtual-Reality-Erfahrung?
Kevin: Wenn du einen Boiler Room spielst, hast du eine Kamera und weißt, dass so und so viele Menschen gerade zusehen. Das ist schon etwas anderes, als wenn du weißt, dass du etwas spielst, das sich immer nur eine Person anschauen kann. 
Felix: Ich glaube, dass sich viele Leute Boiler-Room-Sets gar nicht wirklich anschauen, sondern nebenbei einen neuen Tab aufmachen und ihre Emails lesen. Der Unterschied liegt wirklich auf der Konsumseite.
Aaron: Bei Virtual Reality musst du dich einfach viel aktiver mit dem Video beschäftigen und kannst es nicht nur kurz anmachen und nebenbei etwas anderes machen.

Was würdet ihr gerne mal in Virtual Reality machen, was ihr im echten Leben nicht machen könnt?
Kevin: Leuten dabei zusehen, wie sie eklige Dinge machen, obwohl Astronaut zu sein auch krass wäre.
Felix: Ich würde gerne in einen Vulkan reinfliegen und wissen, dass mir dabei nichts passiert. 
Aaron: Generell Locations, an die man nicht so leicht rankommt. Oder andere Zeitalter und historische Momente wie Reden miterleben. 

@fjaak

Credits


Text: Juule Kay
Foto: Boiler Room / Google