ganz schön (?) schlank – guccis aktuelle cruise-kampagne wurde in großbritannien verboten

Aus aktuellem Anlass gehen wir der Frage nach, wie subjektiv Schönheit sein kann.

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Apr. 7 2016, 2:45pm

Pünktlich zum Zeitpunkt, als der Winter gerade richtig angefangen hat zu nerven, bereicherte uns Ende letzten Jahres everybody's Italian darling Gucci mit einem Kampagnenvideo zur Cruise-Kollektion 2016. In dem von Wes Anderson inspirierten Film von Glen Luchford, das tagelang nicht aus diversen Feeds wegzudenken war, sahen wir eine perfekt gestylte Gucci-Bande in einer pompösen italienischen Villa in Slo-Mo von A nach B laufen und abfeiern. Jung, ausgelassen, unbeschwert, munter und gesund. STOP.

Genau an dieser Stelle ist nun die britische Werbeaufsicht Advertising Standards Authority (ASA), die zuletzt eine Kampagne von Prada wegen der sexualisierten Darstellung einer Minderjährigen sowie die Frühjahr/Sommer-Kampagne von YSL verboten hatte, eingeschritten. 

Eines der Models sei zweifellos zu dünn, das sei nicht mehr schlank, das sei ungesund. Und von Seiten des italienischen Modegiganten verantwortungslos. Hinzu käme das dunkle Augen-Make-Up und der matte Gesichtsausdruck, der den Look auch noch unterstreichen würde. Auch die Londoner Times, die im Dezember das Video ausstrahlte, konnte die ASA auf ihre Seite ziehen.

Die Konsequenz? In Großbritannien wurde die Kampagne nun komplett verboten und Gucci mit dem Hinweis, in Zukunft bitte auf eine verantwortungsvollere Auswahl an Models zu setzen, verwarnt.

Das italienische Luxushaus zeigt dafür wenig Verständnis. Ob besagtes Mädchen zu dünn sei, sei rein subjektiv. Es wurde sogar bewusst beim Styling und Make-Up darauf geachtet, keine spitzen Knochen oder unvorteilhafte Schatten zu zeigen. Eben diese Kampagne ziele auf ein „älteres, anspruchsvolles Publikum" an.

Anspruchsvoll? Die Frage, in welchem Kontext dieses Wort hier zu verstehen ist, drängt sich auf, bevor es noch zu Ende ausgesprochen ist.

Während der Begriff Plus-Size zum Glück kein absolutes Fremdwort mehr ist, wächst die Zahl an Kampagnen und Editorials (wie beispielsweise die „Take Time"-Modestrecke im Coeval Magazine), die den einzelnen vielleicht schockieren, in den Medien aber kaum thematisiert werden.

Doch was ist die Lösung? Wer hat das Recht, zu entscheiden, was eine rein subjektive Definition von Schönheit ist und was schlicht falsch ist?

Den BMI der Models in den Fotocredits anzugeben? Frankreich hat vergangenes Jahr mit einem neuen Gesetz den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht und Großbritannien diskutiert nun ein ähnliches.

Wir finden: Gut so. Denn jeder von uns sollte sich fragen, ob man nicht vielleicht das besagte „Take Time"-Editorial, das wirklich für Gänsehaut im negativen Sinn gesorgt hat, bei Facebook als schlechtes Beispiel hätte teilen sollen—und nicht ein weiteres Actually-not-so-perfect-Editorial. 

Hier kannst du dir das komplette Kampagnenvideo von Gucci anschauen:

Credits


Text: Zsuzsanna Toth
Fotos: Screenshots von YouTube aus dem Video „Gucci Cruise 2016 - The Director's Cut" von Glen Luchford