die jungdesignerin sia arnika erklärt dir, warum marken zur ersatzreligion wurden

... und wie sie das in ihrer Mode umsetzt.

von Alexandra Bondi de Antoni
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15 Dezember 2015, 4:30pm

Sia Arnika kommt eigentlich aus Dänemark und ist vor ein paar Jahren zum Modestudium nach Berlin gekommen. Ihre Mode beschreibt sie selbst als „Premium Casual Wear mit einem Sportwear-Fokus". Aber eigentlich kommt es einem so vor, als würde sich Sia um solche Beschreibungen keine wirklichen Gedanken machen. Sie macht das, was sie will, und das, was dabei herauskommt, ist großartig. 

Ihre Kollektion ist in zarten Farben wie Weiß, Rosa und Hellblau gehalten. Sie legt geschickt einen Layer Stoff über den nächsten und setzt hier und da Cutouts, die die unteren Schichten oder auch Haut sichtbar machen. Übergroße Jacken zu weiten Baggypants, ein bodenlanger Mantel, der aussieht, als ob schwarzer Stoff aus einer Trainingsjacke wächst - und in dem wir gerne den Frühling verbringen würden - und Aufdrucke wie Insert your slogan here machen die Kollektion in sich stimmig und spannend. Die Pieces sind unisex und sowohl für Männer als auch Frauen leicht tragbar. All das lässt an die Kreationen von Hood by Air denken. 

Da wir von ihre Abschlusskollektion und den dazugehörenden Modefilm, den sie zusammen mit Timothy Schaumburg gedreht hat, für wirklich gelungen halten, haben wir der jungen Designerin ein paar Fragen gestellt. 

Wie bist du zur Mode gekommen?
Ich habe kein gefaktes Märchen zu erzählen, irgendwie bin ich halt da gelandet.

Wie würdest du die deutsche Modeszene beschreiben?
Es gibt sie nicht wirklich. Berlin hat nie wirklich Fuß fassen können auf dem internationalen Modeparkett. Das liegt aber nicht daran, dass es hier keine Basis dafür geben würde, sondern an anderen Faktoren. Einer davon ist die fehlende Unterstützung junger Talente, wie es das mit Fashion East in London zum Beispiel gibt.

Was bedeutet Mode für dich?
Persönlichkeit.

Wo steht die Mode heutzutage?
Es kommt darauf an, aus welchem Blickwinkel man sie betrachtet. Wenn wir allgemein über Mode sprechen, dann verschiebt sich der Fokus gerade von einem Übermaß zu einem bewussteren Umgang damit. Es findet gerade eine Gegenreaktion auf die Fehler aus den letzten Jahren statt.

In deiner Kollektionsbeschreibung heißt es: Marken wurden zu unseren Ersatzreligionen und Designer sind unsere Priester und wir die fanatischen Anhänger. Was meinst du damit? Wer ist dein Priester und deine Kirche?
Das ist meine Reaktion auf dem Umstand, dass wir als Konsumenten zunehmend Marken anstatt Produkte kaufen. Wir identifizieren uns mit ihren Werten , stellen sie auf einen Sockel und idealisieren sie - Modemarken werden zu unserer Ersatzreligion, in der die Designer die Priester sind. Ich habe mich mit Phänomen der Kult-Marken auseinandergesetzt. Wenn die Gegenstände ihre identitätsstiftenden Symbole verlieren, wird dann aus der produzierten Realität plötzlich Realität?

Deine Kollektion ist ziemlich unisex. Wieso?
Ich finde es interessant, mit Widersprüchen zu arbeiten. Also zum Beispiel eine Silhouette zu entwerfen, die die körperlichen Attribute versteckt und dennoch durch das transparente Material eine Ahnung davon vermittelt wird, wer darunter steckt. Ich entwerfe nach einem Konzept anstatt nach dem Muster Mann / Frau. Wie das dann interpretiert wird, ist jedem selbst überlassen.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Momentan möchte ich das, was ich gerade mache, solange wie möglich weiterführen.

siaarnika.com

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni
Fotos: Timothy Schaumburg

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