dieses zine zeigt den alltag von kindern in berliner flüchtlingsheimen

Jugendliche aus einem Berliner Flüchtlingsheim zeigen in Zusammenarbeit mit Schülern der Berlin Bilingual School, wie ihr Alltag in deutschen Flüchtlingsheimen wirklich aussieht.

von Alexandra Bondi de Antoni
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12 Juli 2016, 10:25am

Die Flüchtlingssituation ist ein Thema, das uns alle immer noch beschäftigt beziehungsweise beschäftigen sollte. Immer noch sitzen tausende Flüchtlinge in Heimen in ganz Berlin fest, ohne zu wissen, wie ihre Zukunft aussehen wird. Was man bei dem ganzen Gerede leicht vergisst, ist, dass diese Menschen, die zu uns kommen und Hilfe suchen, ganz normale Menschen sind—so wie du und ich.

Um das Leben der Flüchtlinge und deren Alltag für die junge Generation etwas durchsichtiger zu machen, wurde ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem Schüler der Berlin Bilingual School gemeinsam mit Jugendlichen aus einem Flüchtlingsheim ein Zine entwickeln, das das Leben der Kids in den Heimen zeigt, so wie es wirklich ist. Sie erarbeiten zusammen die Konzepte, schreiben Kurzgeschichten, interviewen sich gegenseitig, erzählen ihre ganz persönliche Geschichte und lassen uns in ihren Alltag blicken—aus ihrer Sicht und nicht durch den medialen Filter. 

Wir haben der regelmäßigen i-D Fotografin Britta Burger, die das Projekt betreut hat, ein paar Fragen zu der Zusammenarbeit mit den Jugendlichen gestellt und zeigen dir vorab Seiten aus dem Zine. 

Wie bist du dazu gekommen, mit den Kids zu arbeiten? Wie hat die Zusammenarbeit ausgesehen?
Es war ein Projekt mit der Berlin Bilingual School (BBS). Schülerinnen der 7. bis 9. Klassen sollten mit gleichaltrigen Jugendlichen aus einem Berliner Flüchtlingsheim ein Zine produzieren und mehr über den Alltag von Flüchtlingen herausfinden. Es ging auch darum, sich als Normalbürger, Flüchtling, Jugendlicher jenseits der Mainstreammedien Gehör verschaffen zu können. Die Kids aus dem Flüchtlingsheim sind letzte Woche zur BBS gekommen und haben dann gleich angefangen, mit den Berliner Kindern ein Zine-Konzept zu entwickeln. Es sollte um ihre Ankunft in Berlin gehen, um ihr Zuhause und um ihre Identität. Am zweiten Tag haben die BBS-Schüler das Flüchtlingsheim besucht, am dritten Tag haben wir die Storys fertiggeschrieben, -fotografiert, -getippt, -geklebt. Alles ist sehr schnell gegangen und war sehr DIY. Wir haben mit Polaroidkameras, 35mm-Film und Schreibmaschinen gearbeitet... Am letzten Tag sind Linoldruckcover entstanden, die in einer limitierten Auflage verkauft werden.

Wie haben sie auf das Projekt reagiert?
Zuerst waren sie etwas schüchtern, da ihre Deutsch- und Englischkenntnisse eher minimal sind, aber dann lief es bestens. Am meisten hat es ihnen gefallen, Zeit mit den Berliner Schülern zu verbringen, Fußball zu spielen, Snapchat-Fotos zu machen (eines davon schaffte es auch ins Zine). Bei der Zine-Präsentation am Ende der Projektwoche hat man auch gemerkt, dass sie sich schon über ihren Status als Stars eines Minimagazins gefreut haben.

Hast du mehr über die Geschichten der Jugendlichen erfahren können? 
Sie kommen aus Moldawien, Afghanistan, dem Irak und Albanien. Teilweise sind sie alleine geflüchtet, weil ihre Eltern nicht mehr leben, teilweise kamen sie mit Familie. Manche besuchten zu Hause noch bis vor Kurzem die Schule, manche schon seit 10 Jahren nicht mehr, weil die Infrastruktur in ihren Heimatländern zerstört wurde. Eines der Mädchen will Journalistin werden, um die Wahrheit sagen zu können, andere schauen lieber nur Fußball.

Irgendwelche besondere Geschichten, die passiert sind, die du teilen möchtest?
Als wir im Flüchtlingsheim ankamen, meinten die Berliner Kinder, das sei eine der Hallen, in der sie früher Sportunterricht hatten und die jetzt etwas anders aussah.

Wie sieht der Alltag der Jugendlichen in der Flüchtlingslagern aus?
Das ist auch ein Thema in dem Zine. Ein paar Jugendliche haben das das Alltagsleben im Camp dokumentiert und eine Art Stundenplan erstellt. Außer den Hauptmahlzeiten und Fußball im TV am Abend gibt es aber nicht viele Fixpunkte. Einer der Jungs im Projekt hatte Deutschstunden, die anderen Kids haben alle noch keinen Schulplatz, obwohl die meisten schon mindestens sechs Monate hier sind.

Wie seid ihr auf die Namen für das Zine gekommen?
Da es nur eine Ausgabe des Zines gibt und sich nicht an den kommerziellen Zwang eines einprägsamen Titel halten muss, haben wir einfach alle Titel verwendet, die den Kids eingefallen sind.

Wo wird es das Zine zu kaufen geben und was passiert mit dem Geld?
Der Erlös geht ans Flüchtlingsheim. Die erste Runde an gedruckten Exemplaren ging gleich am Tag der Fertigstellung weg, an der zweiten arbeiten wir gerade, die gibt's dann hoffentlich auch online.

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni
Fotos: Britta Burger

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