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jungdesignerin gesine försterling darüber, was nach dem modedesign-studium kommt

Abschluss in der Tasche und jetzt? Wir haben die Chloé-Preisträgerin während des Berliner Modesalons zum Interview getroffen, um zu erfahren, was sich seit Hyères für sie verändert hat und welchen Tipp sie jedem angehenden Designer ans Herz legen würde...

von i-D Staff
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20 Juli 2017, 10:45am

"Ich weiß noch, dass ich schon in der Grundschule in alle Poesiealben bei der Frage, was ich mal werden will, 'Modedesignerin', geschrieben habe", verrät uns Gesine Försterling, als wir sie auf der Berlin Fashion Week treffen. Spätestens als die UdK-Absolventin Ende April den renommierten Chloé-Preis in Hyéres mit nach Hause nehmen durfte, hat sich die harte Arbeit ihres Studiums ausgezahlt. Die arbeitsintensiven Nächte in der Uni, die vielen Neins, mit denen sie ihre Freunde immer wieder schweren Herzens abspeisen musste — und nicht zu vergessen die viele Zeit und das Geld, das sie in ihr Modedesign-Studium gesteckt hat. "Natürlich gibt es Momente, in denen man denkt 'Ich kann jetzt nicht mehr', aber Aufhören stand nie zur Debatte."

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Wenn ihr das Modedesign-Studium eines gelehrt hat, dann sich so oft und so viel wie möglich auszuprobieren. Es geht darum, sich etwas zu trauen, mit klassischen Konventionen zu brechen und auch Wege außerhalb der eigenen Komfortzone zu beschreiten. Aber das ist nicht alles. Die wichtigste Eigenschaft, die ein Designer heutzutage mitbringen muss, ist noch eine andere: "Du musst lernen, deine Ideen und Visionen auch kommunizieren zu können und dabei authentisch zu bleiben, sowohl was deine Ästhetik betrifft als auch als Mensch."

Diesem Grundsatz ist Gesine auch mit der Interpretation des typischen Chloé-Mädchens in Hyères treu geblieben — und hat es in eine Latzhose gesteckt. Das Spiel zwischen Maskulinität und Femininität ist das, was ihre Arbeiten so spannend macht: "Es sollte sich so entwickeln, dass du einfach anziehen kannst, worauf du Lust hast und dich gar nicht mehr damit beschäftigen musst, was als zu feminin und was als zu maskulin gilt." Dass maskulin aufgeladene Workwear mit Stickereien, Webelementen und durch die Dekonstruktion klassischer Silhouetten aufgebrochen werden kann, hat sie uns mit ihrer Masterkollektion WORK bereits letztes Jahr bewiesen. Von dem Konzept Unisex hält die Wahlberlinerin dafür weniger: "Ich tue mich ganz schwer mit diesem Begriff, weil ich finde, dass es in der Praxis nicht funktioniert." Sie selbst geht gerne in die Männerabteilung. Was in der Theorie gefällt, heißt aber noch lange nicht, dass es auch passt.

In unserem Interview letztes Jahr hat uns die Hyères-Gewinnerin außerdem erklärt, dass man seinen Platz finden wird, wenn man weiß, was man kann. Auf die Frage, ob sie mittlerweile ihren Platz in der Modewelt gefunden hat, beginnt sie zu schmunzeln: "Schon irgendwie. Ich stecke gerade in einer Phase, in der sich noch viel entscheiden wird, aber ich denke, dass sich alles so fügt, wie es sich fügen soll."

@gesinefoersterling

Credits


Text: Juule Kay
Foto: Screenshot von Instagram