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Dieser Designer erschuf das legendäre Set von "Friends"

John Shaffner ist die Tine Wittler unserer Lieblingsserien

von Maxime Delcourt
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27 November 2018, 7:55am

Wie schnell die Zeit tatsächlich an dir vorüberzieht, wird dir häufig erst klar, wenn du dir die Serien deiner Kindheit und Jugend ansiehst. Sie sind wie ein sicherer Hafen: Auch wenn wir zum zwanzigsten Mal zu ihnen zurückkommen, bleiben sie unverändert und geben uns ein wohliges Gefühl von beruhigendem Stillstand. Friends ist eine dieser Serien, deren Charaktere – inklusive ihrer Probleme – uns nach zwei Jahrzehnten so vertraut geworden sind, dass sie Teil unseres eigenen Lebens werden. Die lila Wände in Monicas Wohnung, die Tassen und Sessel im Central Perk oder der Kicker-Tisch von Chandler und Joey. Diese legendäre Szenerie hat der heute 66-jährige John Shaffner erschaffen. Mit uns hat er nun einige interessante Geheimnisse geteilt ...

Was hast du eigentlich gemacht, bevor du Inneneinrichter wurdest?
Ich bin einen sehr klassischen Weg gegangen, habe Design und Bühnenwerk an der University of Pittsburgh studiert, danach habe ich in der Theatherszene von Seattle und später auch in Manhattan gearbeitet. Das Glück war definitiv auf meiner Seite: Mir wurde die Möglichkeit gegeben, das Setdesign von David Copperfields Shows mitzugestalten und habe meine Fähigkeiten bei The Golden Girls verfeinert – das Sofa war eine meiner Ideen. Dann zog ich nach Los Angeles, weil es dort leichter war, Arbeit zu finden. Es war die Blütezeit der Talk Shows, Musicals, Award Shows und Sitcoms – diese Programme wurden damals unglaublich populär. Auch wenn ich New York eigentlich nicht verlassen wollte, war mir klar, dass ich tief in meinem Herzen nach Hollywood gehöre.


Auch auf i-D: Warum "Friends" eigentlich so problematisch ist ...


Was macht einen guten Designer aus?
Ich bin der Typ, der sich glücklich schätzen kann, die Skripte zu lesen, bevor es irgendjemand anderes tut – manchmal sogar noch vor dem Regisseur! Aber natürlich gehört noch sehr viel mehr dazu. Es ist echtes Teamwork, vor allem wenn es um Fernsehserien oder Filme geht sind wir in ständigem Austausch mit der kompletten Crew. Bei Friends habe ich mir alles genau ausgemalt: Monicas und Rachels Wohnung, die passende Etage, welche Fenster sie haben sollten und auch die Wandfarbe. Um sich all' das ausdenken zu können, muss man wirklich mit der Tonalität der Serie, ihrem Humor und der Vision des Regisseurs vertraut sein. Um es einfach auszudrücken, könnte man sagen, dass ich dem Projekt das Leben einhauche. Ich kreiere das Gerüst und die Umgebung. Das mache ich aber nicht alleine: Ich habe ein ganzes Team um mich herum, das meinen Ideen Form gibt.

Ist Friends dein Meisterwerk?
Ich liebe alle meine Projekte, aber Friends hat mir ohne Frage die größte Anerkennung verschafft, besonders weil ich schon dabei war, als die Pilotfolge noch unter dem Namen Friends Like Us ausgestrahlt wurde. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich Matt LeBlanc getroffen habe und dachte: "Dieser junge Mann hat keine Ahnung, dass sich sein Leben für immer verändern wird!" – eine richtige Vermutung. Allerdings muss ich sagen, dass meine Zeit in New York wohl die größte Inspiration war – die Wohnung von Monica und Rachel ähnelte stark meinem damaligen Appartement in Manhattan.

Wolltest du, dass das Set auch die Ära widerspiegelt?
Natürlich! Die Regisseure David Crane und Marta Saufman lebten beide in den späten Siebzigern in New York und wir alle teilten eine ähnliche Vision, wie wir die Stadt darstellen wollten. Deswegen überlegten wir uns ein paar Tricks, wie wir New York cool und authentisch präsentieren konnten. Da alles in einem recht günstigen Appartement stattfinden musste, sollte die Wohnung im sechsten Stock sein – ohne Aufzug. Und weil in jeder Folge sechs Personen erschienen, brauchten sie natürlich auch einen Ort, an dem sie sich treffen konnten. So ist die Idee für Monicas Wohnzimmer und das Central Perk entstanden, die ausschlaggebend wurden für die gesamte Bildsprache von Friends.

Aber auch andere Orte, wie zum Beispiel der Flur zwischen den Wohnungen, spielen eine wichtige Rolle.
Genau, der kleine Flur ist ein gutes Beispiel für solch einen Ort. Zuerst hatten die Regisseure gar nicht darüber nachgedacht, diesen Zwischenraum auch als Teil der Handlung zu integrieren. Ich meinte zu ihnen, dass sie doch mal darüber nachdenken sollten. Das ist das Schöne an meinem Job: Ich muss abschätzen können, was den Regisseuren und Drehbuchautoren nützlich sein könnte. Bei The Big Bang Theory wollte ich beispielsweise nicht, dass das Haus von Sheldon und Leonard einen Aufzug hat, so waren die Schauspieler gezwungen immer die Treppe zu nehmen, um nach oben zu gelangen. Allerdings bestand ich darauf, dass trotzdem ein Aufzug vorhanden sein müsste, zum einen wegen der Ergonomie des Sets, zum anderen weil es der Situation ein skurriles Element verpasste. Die Tatsache, dass der Aufzug während der gesamten zwölf Staffeln nicht funktioniert, ist wie eine Art Parallelgeschichte.

Wie lange hat es gedauert, bis du dir das ganze Set ausgedacht hast?
Wir hatten sechs Wochen, um alles fertig und genehmigt zu bekommen. Normalerweise haben wir um die zwei Monate für ein solches Projekt, hier mussten wir also sehr schnell arbeiten. Um es überhaupt zu schaffen, fuhren wir regelmäßig zur Upper East Side und sammelten die Möbel ein, die sie auf die Straße gestellt haben. Das Set musste unbedingt authentisch und einmalig sein – deswegen auch die lilafarbenen Wände in Monicas Wohnung. Auch heute noch, wenn du den Fernseher einschaltest, weißt du direkt, ob du Friends schaust oder nicht.

Unterschieden sich deine Erfahrungen bei The Big Bang Theory und Roseanne zu deiner Zeit bei Friends?
Jede Sitcom ist anders. Man muss sich jedes Mal eine reale Umgebung ausdenken, in der fiktive Charaktere leben und sich einen Kontext überlegen, in dem sie sich entwickeln können. Bei Two and a Half Men zum Beispiel, kam die Idee recht schnell, dass all' diese netten Menschen am Meer in Malibu leben sollten. Das gab mir die Möglichkeit, eine friedliche Fantasie zu erschaffen, in der das Leben schön ist und der kleine Bruder von Charlie Harper ohne Probleme aufkreuzen kann, um zusammen mit seinem 10-jährigen Sohn Unterschlupf zu suchen. Bei Roseanne war es wieder etwas ganz anderes: Die Show pausierte mehr als zwanzig Jahre! Deswegen mussten wir ein Set kreieren, das noch zur Ästhetik der Serie passte und trotzdem zeitgemäß war. Deswegen mussten wir uns auch von der Tapete und dem Sofa verabschieden.

Viele Zuschauer hätten gerne in der Wohnung von Monica und Rachel gelebt ...
Ja, und das ist auch genau das Schöne an meinem Beruf. Trotzdem sollte man nie vergessen, dass die vielen Kameras einen sehr guten Job gemacht haben, um eine gewisse Nähe und Vertrautheit zu schaffen. So ist eine sehr intime Atmosphäre entstanden, die uns ein Gefühl von Heimat gibt.

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der französischen Redaktion.

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