Ram Han, Cracked, 2017. 

Ram Han bekämpft mit ihren sexuellen Fantasien den Male Gaze

Von zerlegten Furbies bis voyeuristischen Bettszenen: Willkommen in der bizarren Welt der koreanischen Künstlerin.

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20 Dezember 2018, 10:40am

Ram Han, Cracked, 2017. 

Die digitalen Zeichnungen von Ram Han sind surreal und verführerisch. In ihrer Arbeit Flowers schaut ein gigantisches Mädchen dabei zu, wie zwei Frauen im Bett herumtollen. Aus ihren Körpern wachsen Lilien und von der Zimmerdecke regnet es Lollipops und Regenbogen. Die traumhafte Atmosphäre der in Seoul lebenden Künstlerin ist auf Fragmente einzelner Erinnerungen zurückzuführen. Die Farben und Strukturen sind inspiriert von Cartoons und Werbungen aus den 90ern, die Sexualität ihrer Arbeiten dagegen eine Spiegelung der Male Gaze.

Han nimmt sich einer männlichen Perspektive an, um ihre eigenen Erfahrungen als Frau zu zeigen. "Seit ich klein bin, sind meine sexuellen Fantasien männlich konnotiert, weil ich männlich orientierter Medien ausgesetzt war wie Filmen, Anime und TV-Spots", sagt die 29-jährige Künstlerin. Neben ihren Begierden fangen ihre Arbeiten komplexe Gefühle wie Nostalgie und Selbstzweifel ein, die sich in den provokativen Charakteren und üppigen Bett-Szenen widerspiegeln. "Meine Malereien ähneln einem Tagebuch", erzählt Han weiter, "doch anstatt Sätze mit dem Wort 'Ich' zu beginnen, erfahre ich meine Gefühle durch die Kunst." Was die Koreanerin damit genau meint, erklärt sie im Interview.


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Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Mein Stil stammt aus Fragmenten meiner Erinnerungen. Aus den Farben und Strukturen, die ich in Cartoons und TV-Werbungen aufgeschnappt habe. Ich lasse mich auch gerne von Illustrationsbüchern aus den 80ern und 90ern inspirieren. Als ich klein war, ging ich oft zu meiner Tante nach Hause. Sie war Grafik-Designerin und ich erinnere mich noch gut daran, wie ich durch all ihre Airbrush-Bücher geblättert und mich gefragt habe, wie diese Malereien so realistisch aussehen konnten. Meine Arbeiten stecken voller Nostalgie.

Warum zeichnest du vor allem Frauen und Katzen?
Der weibliche Körper und Katzen fühlen sich so natürlich für mich an, wie zu atmen. Ich verbringe die meiste Zeit im Alltag mit Katzen und bin eine Frau – ein kompliziertes, empfindliches Wesen. Meine frühen Arbeiten haben sich viel mit Emotionen beschäftigt (die meisten der weiblichen Figuren standen für eines meiner Gefühle), aber nun – mit einer feministischeren Perspektive – möchte ich zeigen, wie sich Frauen tief im Inneren fühlen.

Flowers, 2017. The Handmaiden is a piece featured in PRISMOf, a movie magazine dedicated to a single film per issue based in Seoul.
Flowers, 2017

Wenn wir gerade über Feminismus sprechen, wann hat sich diese Bewegung denn erstmalig in Korea bemerkbar gemacht?
Zumindest im Bereich der Kunst kann man es an einem bestimmten Ereignis festmachen. Vor ungefähr zwei Jahren begann eine Bewegung, die sich für die Vorwürfe sexueller Übergriffe in Universitäten stark machte. Ich war eine der Klägerinnen, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt schon meinen Abschluss hatte. Aber schon vor den Vorwürfen wussten alle Frauen, welche Professoren und Männer sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatten. Als Ergebnis wurden einige der Fakultätsmitglieder bestraft oder suspendiert und einige der Studenten der Uni verwiesen. Je mehr diese Bewegung publik wurde, desto mehr ähnliche Fälle kamen ans Licht. Heute hat sich bereits einiges verändert und Frauen sprechen sich oft in Gruppen gegen jegliche Art von Diskriminierung aus.

Welche sind die größten Probleme, mit denen Frauen in Korea gerade zu kämpfen haben?
Digitale Sexverbrechen sind neuerdings ein großes Problem. In Korea begehen viele Frauen Selbstmord oder leiden an dauerhaften psychologischen Erkrankungen, weil sie illegal in Hotels, öffentlichen Toiletten, Schulen oder U-Bahn-Stationen gefilmt werden. Koreanische Frauen sind besorgt wegen all der versteckten Kameras. Auch wenn sich das Land schnell verändert, ist es immer noch sehr konservativ. Noch vor einer Generation haben Frauen ihre Mädchen abgetrieben, weil sie nur Söhne wollten. Und wenn wir schonmal beim Thema sind: Abtreibung ist hier immer noch illegal. Falls es doch dazu kommen sollte, werden nur die Krankenhäuser und die Frauen bestraft, aber nie die Männer. Die männliche Wahrnehmung gegenüber weiblichem Aktivismus ist extrem negativ und die Mehrheit der koreanischen Männer glaubt, dass es bei Feminismus nur darum geht, Männer zu hassen.

Manchmal wirken deine Arbeiten, als zeichnest du sie aus einer Male Gaze heraus.
Die Art, wie ich mich Bildern annähre, wird durch die Medien beeinflusst. Stell dir die Medien als einen Spiegel vor: Was passiert, wenn ich, eine Frau, meine Spiegelung sehe und mein Gesicht male? Ich werde es durch die Augen männlich orientierter Medien zeichnen. Ich glaube, dass meine Arbeit zumindest teilweise so erklärt werden kann.

@ram__han

Ram Han
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Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.