Diese Webserien bringen mehr Diversity in die Popkultur

Wer nach authentischen Produktionen mit People of Colour und LGBTQ-Darstellern sucht, ist bei diesen Serien am besten aufgehoben.

|
Dez. 28 2017, 8:32am

Foto: Screenshot von Insecure 2x08 Promo "Hella Perspective" (HD) Season Finale" von TV Promos

Es ist kein Geheimnis, dass die Film- und TV-Branche ein Männerclub mit einem Faible für heteronormative Stories der weißen Mittelschicht ist. Trotz des Oscars für Moonlight sind preisgekrönte Filme und Serien, in denen die Protagonisten People of Colour sind, immer noch eine Seltenheit – speziell wenn es um queere Stories geht. Zwar liegt Diversität im Trend; die Geschichten, die es in die Kinos und ins Fernsehen schaffen, werden jedoch zum größten Teil von Autoren erzählt, die keinen authentischen Bezug zur Lebenswelt ihrer Protagonisten haben.

Laut einer Forschungsstudie von Darnell Hunt, Dekan für Sozialwissenschaft an der UCLA, sind in Hollywood gerade mal 20% der Showrunner Frauen, 5.1% schwarz und 3.9% gehören anderen Minderheiten an. Auch was die Repräsentation von LGBTQ-Rollen betrifft, steht den großen Filmstudios noch ein langer Weg bevor: Laut des 2017 Studio Responsibility Index von GLAAD beinhalten nur 23 von 125 Filmen LGBTQ-Schauspieler und die wenigen trans-Rollen werden immer noch viel zu häufig an cis-Schauspieler vergeben. Hinzu kommt, dass diese größtenteils in Comedys eingesetzt werden, in denen sie für schlechte, auf Stereotypen basierte Scherze herhalten müssen. Insgesamt eine ziemlich ernüchternde Bilanz.


Auch auf i-D: Mykki Blanco nimmt uns mit in Johannesburgs queere Kreativszene


Anstatt darauf zu warten, dass Film und TV die dringend notwendige Aufholarbeit hinsichtlich der Repräsentation von Minderheiten leisten, machen Webserien schon lange ihr eigenes Ding. Insecure ist das beste Beispiel dafür, welche Türen sich öffnen können, wenn ein großes Netzwerk wie HBO die Webserie einer Newcomerin adaptiert. Executive Producerin Issa Rae setzte damit neue Maßstäbe, was die Beleuchtung schwarzer Schauspieler betrifft und erleichtert mit ihren eigenen Plattformen, Colour Creative und Issa Rae presents, Frauen und Minderheiten den Sprung in die Professionalität. Neben Insecures dritter Staffel schreibt sie gerade an dem Script für den von einem Tumblr-Meme inspirierten Netflix-Film mit Rihanna. Issa Rae hat nicht nur dazu beigetragen, dass die authentische Repräsentation der Lebenswelt junger, schwarzer Frauen den Sprung von der Online-Nische in den Mainstream geschafft hat, sondern auch die Popkultur mit ihrer Arbeit maßgeblich geprägt.

Auch Open TV ist eine Plattform, die seit zwei Jahren dafür sorgt, dass Diversität in all ihren Facetten und ohne Limitationen dargestellt wird. Der Gründer, Aymar Jean Christian, taucht selbst in einigen Produktionen auf und legt bei der Auswahl der Serien besonderen Fokus auf Geschichten von queeren und trans-Künstlern, cis-Frauen und People of Color. Neben zahlreichen Open TV Originals wie Two Queens In A Kitchen, Been T/Here und Nupita Obama Creats Vogua wurde auch Brown Girls von Sam Bailey und Fatimah Asghar zum ersten Mal auf der Plattform ausgestrahlt. Letztere besteht ausschließlich aus Women of Colour und ihrem queeren Freundeskreis in Chicago. Als HBO kurz nach dem erfolgreichen Launch bekannt gab, die Webserie fürs TV adaptieren zu wollen, wurde von einer Revolution gesprochen. Brown Girls wird oft als das genaue Gegenteil von Girls bezeichnet, da die Webserie auf realistische Weise zeigt, wie prekär das Leben junger, einer Minderheit angehörenden Künstlerinnen sein kann. In einem Interview erwähnte Fatimah Asghar, dass sie es Issa Rae zu verdanken hätten, von HBO ernst genommen worden zu sein – und fügte hinzu, dass die beiden nun das gleiche für andere Frauen tun wollen.

Aber auch deutsche Produktionen wie Mixed Messages von Kanchi Wichmann und Berliner Farben von Poliana Baumgarten setzen auf authentische Repräsentation und erzählen komplexe Geschichten abseits des Mainstreams. Mixed Messages dreht sich um Berlins queere Szene und das verwirrende Liebesleben von Ren, der lesbischen Protagonistin. Die Serie ist voll mit absurden Szenen und Dialogen, die allen bekannt vorkommen werden, die schon mal eines dieser wirklich schrägen Dates hatten.

Bei Berliner Farben stehen Geschichten und Projekte von People of Colour und Vertretern der LGBT-Community im Mittelpunkt, die in Form von Interviews erzählt werden."Ich habe schon als Jugendliche vergeblich versucht, mich mit der deutschen Medienlandschaft zu identifizieren. Oft sucht man vergeblich nach Menschen, die nicht weiß sind, während People of Color meist stereotypisch dargestellt werden. Ich möchte eine Plattform für marginalisierte Stimmen unserer Gesellschaft sein”, antwortet Poliana auf die Frage, warum sie sich dazu entschieden hat, eine Webserie zu starten. Es bleibt zu hoffen, dass auf diese beiden Webserien noch viele weitere aus Deutschland folgen werden, die Geschichten von Minderheiten und Subkulturen abseits von Klischees und in all ihrer Vielfalt erzählen.