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Foto: Collage via i-D UK / Screenshots von Instagram

Warum diese Teenagerin ihre Muttermale mit Glitzer bemalt

Tish Weinstock

"Das ist mein Schutzmechanismus. Ich lasse mir mein Selbstbewusstsein nicht durch andere kaputt machen", sagt die junge Dänin Olivia Holm Poulsen.

Foto: Collage via i-D UK / Screenshots von Instagram

Die 18-jährige Schülerin Olivia Holm Poulsen sorgte für Schlagzeilen, als sie auf Instagram ein Selfie mit einem großen Fleck Glitzer auf ihrem Hals veröffentlicht hatte. Wie sich herausstellte, bedeckte das Glitzer ihr Muttermal. Es ging aber nicht darum, es zu kaschieren. Die Teenagerin aus Dänemark hatte einen schlechten Tag. Einer dieser Tage, an denen ihre Mitmenschen mit dem Finger auf sie gezeigt und sie ausgelacht haben. Warum? Weil sie ein großes Muttermal auf ihrem Hals hat. Menschen können zum Kopfschütteln sein. Doch anstatt frustriert und aufgebracht zu bleiben, wehrt sich Olivia lieber. Indem sie ihr Muttermal mit Glitzer bemalt, will sie zeigen, dass auch in vermeintlichen Makeln etwas Schönes steckt. Mit uns hat sie ihre Gedanken über Schönheit geteilt.


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"Ich wurde mit einem großen Muttermal auf meinem Hals geboren. Ich hatte deswegen früher wenig Selbstbewusstsein, aber mit der Zeit habe ich es lieben gelernt. Es ist Teil von mir und macht mich zu dem Menschen, der ich bin. Neben meinem Muttermal wurde ich auch mit einer Hüftdysplasie geboren und musste viele Operationen durchstehen. Vor fünf Jahren bekam ich dann endlich eine neue Hüfte. Weil ich anfangs so schlecht damit laufen konnte, wurde ich gehänselt. Zu akzeptieren, dass ich anders bin als die anderen, war für mich die größte Herausforderung.

Als Kind fühlte ich mich nie schön und hatte nur einen Wunsch: so auszusehen wie die anderen Kinder. Meine Familie und meine Freunde haben mich immer unterstützt und mir gesagt, dass ich durch das Muttermal und die künstliche Hüfte einzigartig bin. Sie haben mir dabei geholfen, zu akzeptieren, wer ich wirklich bin. Dadurch habe ich gelernt, selbstbewusst zu sein und mich von der Masse abzuheben.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich meiner Mutter dabei zugesehen habe, wie sie sich schminkt. Ich weiß noch, wie sehr ich mir damals gewünscht habe, mich selbst zu schminken. Früher war Make-up nie eine Möglichkeit für mich, meine Persönlichkeit auszudrücken, sondern lediglich ein Mittel, um meine vermeintlichen Makel zu verstecken. Ich hatte das Gefühl, dass ich nur schön bin, wenn ich Make-up trage. Jetzt benutze ich es, um vermeintliche Makel wie mein Muttermal in den Vordergrund zu stellen.

Mit 13 hat sich durch Instagram viel für mich verändert. Durch die Plattform konnte ich Menschen entdecken, die auch so sind wie ich. Irgendwann kam der Tag, an dem ich mal wieder angestarrt wurde, also beschloss ich, mein Muttermal mit Glitzer zu bemalen. Das war mein Weg, mit meiner Frustration umzugehen. Das ist mein Schutzmechanismus. Ich lasse mir mein Selbstbewusstsein nicht durch andere kaputt machen.Ich möchte andere Menschen inspirieren, die sich aufgrund ihrer vermeintlichen Makel unsicher fühlen. Akzeptiert sie und lasst euch nicht runtermachen. Kein Mensch ist perfekt.

Mich haben die positiven Reaktionen auf das Foto zunächst überrascht und dann sehr glücklich gemacht. Zwar bekomme ich auch heute noch negative Kommentare, aber sie stören mich nicht mehr so wie damals. Natürlich gibt es Tage, an denen ich mir wünsche, dass ich normal aussehe und kein riesiges Muttermal habe, aber ich bin auch nur ein Mensch. Manche zeigen sogar mit dem Finger auf mich – das stört mich nach wie vor.

Wir leiden alle unter dem Druck, einem bestimmten Schönheitsideal gerecht zu werden. Ich bin da keine Ausnahme. In den sozialen Netzwerken gibt es aber ganz unterschiedliche Meinungen darüber, was Schönheit bedeutet. Durch Instagram habe ich tolle Menschen kennengelernt, die anders sind. Menschen, die ihre eigene Definition von Schönheit leben. Das hat mich dazu animiert, es ihnen gleich zu tun. Ich verstehe die Beauty-Industrie nicht und werde es wahrscheinlich auch nie. Aber ich kann dazu beitragen, dass die Menschen darüber nachdenken, was sie als schön empfinden – und was nicht.

Schönheit kommt von innen. Es gibt nichts Schöneres als einen Menschen, der zu 100 Prozent zu sich selbst steht und sich in seinem Körper wohlfühlt. Statt nur dazugehören zu wollen, solltest du lieber anfangen, du selbst zu sein."

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.