Ein Gespräch mit Julian Ungano - Timothée Chalamets Lieblingsfotograf

Julian geht es nicht um Perfektion, sondern um Gefühle und Momente, die er mit seinen Bildern konservieren möchte.

von Douglas Greenwood
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22 September 2021, 9:09am

Wer genau ist Julian Ungano? Julian ist ein zurückhaltender Typ, der sich oft hinter seiner Kamera versteckt und sonst nicht weiter auffällt. Im legendären Chateau Marmont lernte er 2019 Timothée Chalamet kennen, kurz bevor der über den roten Teppich der Golden Globe Awards lief, für die er in dieser Nacht nominiert war. Julian erinnert sich noch genau an den Abend, da es eigentlich seine letzte Auftragsarbeit werden sollte, bevor er der Fotografie den Rücken zukehren wollte.

„Ich kam ohne Assistenten“, erinnert er sich, „ich hatte zwei Kameras dabei. Das war alles." Timothée und Julian entschieden sich dafür, die Aufnehmen im Garten des Hotels zu machen, ohne große Inszenierung. Timothée setzte sich auf einen Stuhl, hinter ihm ein paar Palmen, keine weiteren Einstellungen. "Ich glaube, er hat damals gesehen, dass ich kein Psychopath bin. Ich habe ein paar Fotos von ihm geschossen und dann verschwand er in der Nacht.” Was Julian an dem Abend eingefangen hat, wirkt wie eine Fotografie des jungen Leonardo DiCaprios, gerade als sein Hollywood-Erfolg begonnen hat. “Die Bilder sind eine Mischung aus Glück und einer perfekten Gelegenheit, die sich nicht oft ergibt.”

Der Abend entwickelte sich nicht nur zu einem wichtigen Meilenstein in Timothées Karriere, auch bei Julian hat sich nach der Veröffentlichung der Bilder viel verändert. Er schreibt und inszeniert nicht nur Kurzfilme und arbeitet an Editorials für Magazine, mit Timothée reiste er kurz darauf zu den Filmfestspielen in Cannes und gerade waren sie gemeinsam bei der Met Gala. Aber auch andere Stars wie Lily Collins und Talia Ryder lassen sich gerne von Julian fotografieren, da es ihm wie wenigen sonst gelingt, ungestellte Momenten einzufangen.

„Ich nehme mich nicht zu wichtig oder muss im Vordergrund stehen“, erzählt Julian, „ich habe eine ziemlich ausgeprägte ADD und bin immer unter Strom. Wenn ich zu Hause an Fotos arbeite und sie retuschiere, wird mir nach 25 Minuten so langweilig, dass ich anfange, an meinem Drehbuch weiterzuschreiben.

Die Liebe für Film und Fotografie (Julian war Filmstudent am Pratt Institute in Brooklyn, bevor er David Lachapelle assistierte) erkennt man in vielen von seinen Aufnahmen, denn für Julian geht es darum, nicht nur ein Portrait zu schießen, sondern mit seinen Bildern ganze Geschichten zu erzählen. Was war die längste Zeit, die er für ein Promi-Shooting gebraucht hat? Seine erstaunliche Antwort: „Wahrscheinlich 20 Minuten. Im Durchschnitt brauche ich vielleicht vier.“ In manchen Situationen hätte er aber nicht mal zwei Minuten, um die beste Aufnahme zu bekommen.

„Wenn Timmy und ich  zusammen Musik hören, mache ich mich oft über ihn lustig und sage: ‚Du warst noch nicht mal geboren, da habe ich schon zu diesem Album gejammt.‘ Bei 90 Prozent der Leute, mit denen ich arbeite, geht es mir so. Als ich aufgewachsen bin, hatte meine Schwester Bilder von jugendlichen Herzensbrechern wie DiCaprio und Corey Feldman in ihrem Zimmer… Jetzt sind das Schauspieler Ende 40. Aber die Bilder von ihnen als Jungstars gibt es noch immer. Das interessante an Leuten wie Timmy ist, dass ich angefangen habe mit ihnen zu arbeiten, noch bevor sie richtig berühmt geworden sind. Ganz cool zu wissen, in 25 Jahren werden diese Fotografien von mir immer noch existieren.“

a portrait of timothee chalamet wearing prada slouching on a chair
A black and white portrait of Timothée Chalamet shot for Cartier
A black and white photo of Adesuwa Aighewi in New York
A black and white portrait of Hannah Ferguson in Milan

Bildrecht: Julian Ungano

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