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warum upcyling gerade eine revolution in der modewelt erfährt

Ist die Wiederverwertung von Altem möglicherweise das Heilmittel gegen die Auswirkungen unseres globalen Konsumwahns?

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Mai 23 2017, 10:41am

Quietschbunte Plateau-Sandalen mit dicken Schnallen und rotem Nike-Logo. Spitze Stiefeletten mit Reptil-Muster und Adidas-Symbol. Gemacht aus alten Schuhen und Sneakern, die früher oder später im Müll gelandet wären. Dass dies nun zunehmend seltener geschieht, liegt an der Künstlerin Magdalena Woodmann. Sie schenkt gebrauchten Schuhen ein neues Leben. Mal in Form todschicker Treter, mal als Gürtel umfunktioniert. 

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Fast alle ihrer Stücke sind Unikate, hergestellt aus gebrauchten Materialien. Was die einen als Müll bezeichnen würden, weckt die Kreativität der Künstlerin. "Ich war schon immer fasziniert davon, mit Hilfe von etwas Altem Neues zu erschaffen", verrät Magdalena. "Ich kaufe nichts, was neu ist. Ich sammle die Schuhe in den Städten, in denen ich gerade lebe. Ich wasche und zerschneide sie, verändere ihre Farbe und Form", erklärt sie weiter. Ihre extravaganten und witzigen Kreationen sind vergleichbar mit angewandter Kunst, die sie bald in einer Ausstellung in Mailand zeigen wird. 

Auch auf i-D: Wenn eine Revolution in der Mode kann, dann Punk-Ikone Vivienne Westwood.

Auch die junge Polin Marta Horovitz setzt seit 2013 auf Wiederverwertung. Die 30-Jährige kreiert für ihr gleichnamiges Label Kleidungsstücke aus gebrauchten Fellen sowie aus Second-Hand-Leder. "Es gibt eine große Menge an alten Pelzen, die vergeudet werden. Sie hängen im Schrank oder werden weggeworfen", sagt Marta. In Second-Hand-Boutiquen findet sie ihre Schätze, die sie recycelt und zu neuen Stücken verarbeitet. Da Marta keine Pelze oder anderen Stoffe produziert, schadet sie so auch nicht der Umwelt. 

Dass der Trend vom Upcycling auch im Luxussegment angekommen ist, beweist das Pariser Label Balenciaga. Der Chefdesigner des Traditionshauses, Demna Gvasalia, ist so etwas wie der Messias der High Fashion und verwandelt alt in neu. Levi's-Jeans landen nun nicht mehr im Müll — neu zusammengenäht und für über 1.000 Euro verkauft, entstehen Designerteile. Die Produktionskosten sind verschwindend gering, der Gewinn dafür umso höher. Denn trotz der hohen Preise sind die Hosen ständig ausverkauft.

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Auch große Modeketten schließen sich diesem Trend an. So kauft die amerikanische Firma Urban Outfitters für ihre Linie Urban Renewal alte Kleidung auf, um repariert oder umgenäht im Laden zwischen neuer Ware verkauft zu werden. Auch der Mode-Gigant H&M hat mittlerweile in fast allen Filialen der Welt Container aufgestellt: Wer alte Kleidung abgibt, bekommt Rabatt auf einen neuen Artikel. Im Sustainability Report verspricht das schwedische Unternehmen außerdem, bis 2030 zu 100 Prozent auf recycelte oder nachhaltige Textilien zu setzen.

Altes umzuwerten ist kein neuer Einfall. Der Begriff Upcycling ist bereits in den 1990er Jahren aufgetaucht. Die Schweizer Brüder Markus und Daniel Freitag gehören hierbei zu den Pionieren der Bewegung: Vor 24 Jahren vernähten sie ihre erste Kuriertaschen aus einer Lastwagenplane und lösten damit eine neue Welle aus: Robuste und wasserabweisende Taschen, dazu ein positiver Beitrag für die Umwelt. Zu der ersten Messenger-Bag sind heute über 40 verschiedene Modelle hinzugekommen und das kleine Wohnzimmer-Label Freitag wurde zu einem millionenschweren Geschäft.

Was die einen für simple PR halten, ist für andere die Zukunft. Denn in der Mode wird seit Jahren zu viel produziert. Ausbeutung, Kinderarbeit, Umweltverschmutzung — Upycling könnte tatsächlich so etwas wie das Heilmittel gegen die Auswirkungen unseres globalen Konsumwahns sein. Die Produktion ist nicht nur umwelt- und ressourcenschonend, nein, schlaues Upcyling beweist sogar wahren Stil, denn tolle Kleider aus vorhandenen Stücken zu kreieren, ist wesentlich anspruchsvoller. Sicher ist zumindest eines: Es war längst überfällig, überschüssige Materialien zu neuen Stücken wiederzuverwerten!

Credits


Text: Alexandra Kutek 
Foto: Screenshot von Instagram / George Nebieridze

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