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Fecal Matter sind die Alien-Schönheiten, die wir jetzt brauchen

Hannah Rose Dalton und Steven Raj Bhaskaran sind Modedesigner, Musiker, Kuratoren, Künstler – und nicht von dieser Welt.

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Juli 23 2018, 2:05pm

Hannah Rose Dalton und Steven Raj Bhaskaran haben sich auf einer Berufsschule für Schneiderei in Montreal kennengelernt. Beide verbindet ihre gemeinsame Abneigung gegen alles Gewöhnliche, deswegen haben sie zusammen den Instagram-Account Fecal Matter geschaffen. Hier findest du Kleidung, Musik und jede Menge surreale Fotostrecken.


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Ja, der Name bezieht sich auf Fäkalien – und das aus gutem Grund: "Wir wollen Instagram und seinen Konformismus damit provozieren und unsere Follower herausfordern. Wir wollen ihnen zeigen, dass sie nicht nach den Regeln der Mainstream-Gesellschaft leben müssen. Sie können ihren eigenen Lebensstil kreieren und frei sein. Als wir jünger waren, gab es so etwas wie uns noch nicht. Hoffentlich können wir andere Menschen dazu inspirieren, dass sie sich ihre eigene Freiheit finden." Uns haben die beiden ihre Geschichte erzählt und erklärt, was Schönheit wirklich für sie bedeutet.

Steven Raj Bhaskaran
"Mir wurde zum ersten Mal bewusst, welche Bedeutung das Thema Schönheit hat, als in meiner Nachbarschaft ein Ehemann seiner Frau Säure ins Gesicht gekippt hat, weil sie ihn betrogen hat. Sie zog sich nach dem Angriff aus der Öffentlichkeit zurück. Da habe ich erst begriffen, dass wir die gängigen Schönheits-Standards herausfordern müssen, gerade auch für die Menschen, die nie diese Standards erfüllen können. In meiner frühen Jugend war ich übergewichtig. Ich habe meinen Körper so sehr gehasst und jeden Spiegel gemieden. Ich habe bei emotionalen Stress gegessen und versucht, die Angst vor meiner eigenen Homosexualität wegzufuttern. Ich komme aus einer konservativen Familie. Ich habe zwar immer noch schlechte Essgewohnheiten und bin immer noch besessen von meinem Körper, aber ich habe Frieden mit meinem Aussehen geschlossen.

Gerade entdecke ich meine geschlechtliche Identität neu, weil ich mich mit meinem biologischen Geschlecht nie wohl gefühlt habe. Als ich jünger war, habe ich versucht, wie ein Cis-Mann auszusehen. Bis ich angefangen habe, in meinem Zimmer mit Make-up zu experimentieren – auch wenn ich nie den Mut hatte, es außerhalb meiner vier Wände zu tragen. Erst als ich Hannah kennengelernt habe, konnte ich mit verschmierten roten Augen und meinen überzeichneten schwarzen Lippen auf die Straße. Sie hat mir sehr geholfen, weil sie mich liebt, egal wie ich aussehe.

Foto über i-D UK

Wir bekommen viel Hass ab – sowohl online als auch auf der Straße. Weil die Leute nicht verstehen, worum es uns geht. Für die sind wir das weiße, privilegierte Künstler-Duo. Die Wahrheit sieht aber anders aus: Ich bin halb sri-lankisch und halb guyanisch und nach wie Opfer extremer Gewalt aufgrund meiner Hautfarbe und meines Geschlechts. Wenn wir verletzt werden, fliehen wir in unsere eigene Welt und kämpfen mit neuen Looks gegen den Hass.

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Hannah Rose Dalton
Früher musste ich eine Schuluniform tragen. Ich hatte keine andere Wahl, aber um ehrlich zu sein, war ich dankbar dafür, weil sich niemand wegen meiner Kleidung lustig machen konnte. Nach der Schulzeit hatte ich dadurch keine Vorstellung davon, wie ich meine Identität nach außen tragen sollte. In meinem Zimmer nähte ich und suchte nach Dingen, die ich damals nie getragen hätte. Ich hatte Angst davor, verurteilt und ausgegrenzt zu werden.

Make-up habe ich erst mit 18 für mich entdeckt. In meiner Jugend habe ich es immer nur für eine Maske gehalten, um mein wahres Ich zu verbergen. Die Medien präsentierten jungen Mädchen Make-up als etwas, um "begehrenswert" auszusehen und Männern zu gefallen. Ich habe das gehasst und wollte nichts mit den Produkten zu tun haben. Erst durch Steven habe ich entdeckt, dass Make-up auch Spaß machen kann und eine weitere Möglichkeit ist, seine Persönlichkeit auszudrücken.

Schönheit ist eine Frage der Wahrnehmung und hat nichts mit der äußeren Erscheinung zu tun. Ein schöner Geist ist wichtiger als ein schöner Körper. Wir haben unsere Freiheit abseits der Ideale gefunden, die im Mainstream als schön und attraktiv gelten. Wir meinen damit keine physischen Orte, sondern emotionale Zustände. Es hilft uns dabei, unsere negativen Erfahrungen in etwas Positives zu verwandeln.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

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