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Der i-D Guide für Kiffer-Filme aus den 90ern

Alles, was du über die Filme mit zugekifften Typen, die dummen Scheiß machen, wissen musst.

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Jan. 27 2017, 4:55pm

Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video "Half Baked Official Trailer #1 - Dave Chappelle Movie (1998) HD" von Movieclips Classic Trailers

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Kifferfilme, oder auch Stoner-Movies genannt, sind keine Erfindung der 90er. Es gab sie auch schon lange davor. In den 60ern sind Teenager mit glasigen Augen aus den Mitternachtsvorstellungen von Kubricks 2001 getaumelt, das psychedelische Spektakel hat sie wie das Licht die Motten angezogen. Sie sind in Filmen der Counterculture wie The Trip 1967 gegangen und später zu Science-Fiction-Filmen wie Die Höllentrip aus den 80ern. Diese Filme haben nicht immer von Kiffern gehandelt, sondern es waren Filme für Kiffer oder genauer gesagt für Kiffer, die sich ihren (nicht vorhandenen) Bart kraulen und darüber sinnieren, wie unbedeutend die Menschheit doch eigentlich ist.


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Doch in den 90ern erlebte der Kifferfilm sein goldenes Zeitalter – die Stoner beherrschten den Bildschirm und standen im Zentrum der Handlung, auch wenn es nur für ein paar LOLs reichte. Die 90er waren das Jahrzehnt der Hänger im Kino. Kifferfilme haben sich dadurch ausgezeichnet, dass zugedröhnte Typen irgendeinen dummen Scheiß machen. Die Geschichte war eigentlich egal, was zählte, war der Trip. Einer dieser Filme feierte in diesen Tagen sein 20. Jubiläum, Bongwater mit Stars wie Luke Wilson und Brittany Murphy und einem verrückten Trip, exemplarisch für diese Filmgattung.

Bongwater
Bongwater ist Slacker, Kifferfilm und Romantic Comedy in einem. Es gibt zugedröhnte Gespräche über das Grundlegende im Leben: Satan, Engel und Teufel. Ein Typ spielt grauenhaft Gitarre, auf dem Tisch stehen Bongs, leere Bierflaschen und die Aschenbecher quellen über. Und sogar eine fliegende Untertasse ist mit dabei. Luke Wilson spielt einen Potdealer und angehenden Künstler, dessen Leben sich verändert als er Serena trifft, gespielt von Alicia Witt. Sein Leben ist eintönig, wie das Leben vieler Dealer nun eben ist: "Ich gehe meistens nicht raus, die Leute kommen zu mir." Er jagt gemeinsam mit Brittany Murphy Magic Mushrooms hinterher und singt am Lagerfeuer mit Jack Blacks zugekiffter Band. Irgendwie alles komisch. Doch erinnert man sich daran, dass es ein Kifferfilm ist, kann irgendwie komisch fast als eine Auszeichnung gelten. Das Beste an dem Film, neben der fliegenden Untertasse natürlich: die bekannten 90er-Gesichter wie Elton aus Clueless und der Ladeninhaber aus Scream.

Half Baked
Die Typen in Half Baked geben sich kaum Mühe, die Klischees über Kiffer zu entkräften. Sie sind unmotiviert, ihnen fehlen ein paar Gehirnzellen und sie reden wie 12-jährige Jungs in der letzten Reihe im Schulbus. Und seien wir doch ehrlich, viele dieser Klischees treffen auch einfach zu. Die Handlung des Films ist einfach erklärt: Freunde verkaufen Weed, um das Kautionsgeld für ihren Kumpel aufzutreiben, der im Knast sitzt, weil er aus Versehen ein Pferd mit Diabetes umgebracht hat. Sie rauchen Weed und sie reden darüber, wie es ist, Weed zu rauchen. Wenn sie einen Zug von ihrer "Billy Bong Thornton" nehmen, sehen sie riesige Schokoriegel und Limoflaschen und ihre Gespräche drehen sich darum, wie man seinen Heißhunger im Griff behält. Dave Chapelle ist zwar nicht schlecht in diesem New Yorker Abenteuer, aber zwei Kifferlegenden stehlen ihm dann doch die Show: Willie Nelson und Snoop Dogg, die nur wenige Sekunden zu sehen sind, aber das ist ja nichts Neues.

The Big Lebowski
"Mind If I do a J?" – Kein Wunder, dass der Dude zur Ikone der Kiffer geworden ist. Der Bowling besessene Dude ist so chillig drauf, dass er nicht weiß, ob es ein Werktag oder doch Wochenende ist. Alles woran er denkt, ist das nächste Bowlingspiel. Und vielleicht die White Russians. Er ist der liebenswürdige Penner in der Geschichte der Coen-Brüder. Der Film fängt damit an, dass jemand auf den Teppich pinkelt, wie sollte es auch anders sein. Die Charaktere wirken als wären sie aus einem Fellini-Film gefallen: ein Vietnam-Veteran, eine feministische Malerin, ein Pornomagnat und eine billige Kraftwerk-Bandkopie. Man nehme dazu noch ein paar psychedelische Traumsequenzen mit Saddam Hussein im Bowlingcenter, fliegende Teppiche und fertig ist der Lieblingsfilm der Kiffer.

Chicks
Das Filmposter für Chicks hat – aus welchem Grund auch immer – die Zeile "Besser als 'Dazed and Confused'". Wer auch immer das geschrieben hat, muss etwas Anderes genommen haben als Weed. Der Film ist nicht besser als der Film von Regisseur Linklater. Beide spielen in den 70ern, in beiden cruisen langhaarige Dudes nachts durch die Stadt, hören Black Sabbath und sind auf der verzweifelten Suche nach Chicks und dem nächsten Kick. Das war im Grunde genommen auch schon die Handlung des Films: die Protagonisten fahren in einem schrottigen Auto durch die Vororte von L.A. und streiten sich darüber, ob Blue Öyster Cult Pussy-Musik ist oder nicht. Das ist der ultimative American Dream der jugendlichen Kiffer. Für viele Momente, in denen man mit den Augen rollen kann, ist gesorgt. Der Film ist lustig, ja, aber kein Dazed and Confused.

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Die Killerhand
In der Killerhand fallen die üblichen Kiffer-Sprüche und der Pot rauchende Protagonist trägt rosa Latschen. Sein Traum ist es, sein Leben lang nur "rumzuliegen und fernzusehen, während mir eine heiße Tussi mein Essen serviert." Es gibt jedoch eine versteckte Wendung in der Geschichte: Der Film ist eigentlich eine blutige Teen-Horrorkomödie, die sich zu einem total verkorksten Albtraum entwickelt, oder besser gesagt, zum schrecklichsten Trip, auf dem ihr je gewesen seid. Im Film geht es um den Kiffer Anton (Devon Sawa aus dem Video zu Eminems Song "Stan"), der in einem langweiligen Vorort wohnt und dessen rechte Hand aus unerklärlichen Gründen plötzlich ein Eigenleben beginnt und Leute um die Ecke bringt. Vielleicht liegt es am Gras? Die Hand schafft es zumindest, Antons zwei beste Freunde zu töten und versucht auch, Antons Schwarm (Jessica Alba) umzubringen. Gegen Ende des Films skalpiert die Hand während einer Halloweenparty in der Schule mitten im Lied noch den Frontsänger von The Offspring. Ja, dieser Film zählt sicher zu denjenigen, die man sich nicht unbedingt ansehen sollte, wenn man gerade high ist.

Zwei Chaoten auf dem Campus
In dem Film beginnt der naive Tom gerade sein Studium an der konservativen Port Chester University. Doch alles, was er dort kennen lernt, sind Kiffer, Skater und merkwürdige Vereinigungen wie die Womynists (eine radikale feministische Gruppe, die sich über das neue Video von Madonna aufregt und eine "Penis-Party" auf dem Campus startet). Der Neuling versinkt im Chaos und erfährt schließlich die Wahrheit über das Leben an der Uni: drei Jahre durchgehend Party – was ihr natürlich schon längst wusstet. Das Beste am Film ist wohl der junge Jon Favreau mit Dreadlocks, der auf einer Party ins ultimative Fettnäpfchen tritt, weil er ein Band-T-Shirt von derjenigen Band trägt, die gerade spielt. Seine Freunde sagen ihm, was wir alle darüber denken: "Don't be that guy."

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