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"Look At This Pussy" ist nicht unbedingt das, was du erwartest

Gründerin Eva Sealove erklärt dir, warum sie gerne alltägliche Dinge mit Vulven vergleicht.

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Aug. 8 2018, 12:59pm

Foto: Screenshot von Instagram / Collage via i-D US

Was haben Socken und roher Schinken gemeinsam? Nichts, wirklich. Außer der Tatsache, dass sie auf manchen Fotos beide wie Vulven aussehen. Genau deswegen sind sie auf dem Instagram-Account @look_at_this_pusssy gelandet. Dabei handelt es sich um ein feministisches Projekt, das zweideutige Bilder mit Ratgebertexten sammelt.

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Angefangen hat alles 2014 mit den beiden besten Freundinnen Eva Sealove und Chelsea Jones. "Wenn die Leute an weibliche Sexualität denken, kommen ihnen sofort Ärsche und Titten in den Sinn", sagt die 28-jährige Sealove. "Aber Look At This Pussy will dir vermitteln, dass es Dinge gibt, die keiner so wirklich anschauen will. Für mich ist das lustig, gleichzeitig aber auch ein Statement."


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Die meisten Fotos bekommen die beiden durch ihre Fans, andere stammen aus ihrem eigenen Archiv. Einige stehen dem Projekt kritisch gegenüber, weil ihnen der Fokus aus Vulven zu radikal sei. Doch für Sealove ist das Geschlechtsorgan ein Symbol für starke Weiblichkeit – und kein Kommentar darüber, was es bedeutet, eine Frau zu sein. Es geht vielmehr darum, die Aufmerksamkeit zurück auf Vulven zu lenken. Wir haben die Mitgründerin von Look At This Pussy getroffen, um zu erfahren, welche Botschaft hinter dem Projekt steckt.

Wie hat Look At This Pussy angefangen?
Mit meiner besten Freundin. Wir waren damals in unseren Zwanzigern und beide Single. Es ist kein Tag vergangen, an dem wir uns nicht geschrieben haben und irgendwann haben wir damit begonnen, uns gegenseitig Bilder von Dingen zu schicken, die wie Vulven aussehen. Ich glaube, das erste Foto war eine Blume.

Wann wurde eure persönliche Sammlung zu einem Instagram-Account?
Ich denke immer, dass dieses Zitat von Susan Sontag stammt, aber ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher: “Jedes Bild im Internet beeinflusst auf irgendeine Weise Pornos und umgekehrt.” Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Was bedeutet das für soziale Medien wie Instagram und die Pornoindustrie? Die meisten Fotos von dem weiblichen Körper werden schließlich von Männern gemacht und auch im Nachhinein von ihnen im Internet verbreitet.

Warum benutzt du oft Vergleiche, die nicht unbedingt als typisch schön gelten?
Das stimmt. Ich bin aber nicht daran interessiert, den weiblichen Körper zu entsexualisieren. Klar, er ist sexuell aufgeladen, aber das ist gerade das Spannende daran, ihn auch in einem anderen Licht zu betrachten.

Wie wählst du die Bilder aus?
Als ich mit Look At This Pussy angefangen habe, ist mir erst aufgefallen, wie unterschiedlich Männer und Frauen Plattformen wie Instagram nutzen. Ich suche gerne nach Bildern, die keinen Filter haben, sondern mich eher an das Gefühl von Punk Rock erinnern. Natürlich mag ich Blumen und schönes Obst, aber ich finde unerwartete Dinge viel spannender.

Sind deine Follower überwiegend Frauen?
Ich habe definitiv mehr weibliche Follower, aber auch viele Männer, die das Ganze lustig finden. Auch wenn einige der besten Feministen, die ich kenne, Männer sind. Ich glaube, dass viele Leute denken, dass der Account von einem 15-Jährigen Typen geführt wird, der gerade mitten in der Pubertät steckt, weil sie die Bildunterschriften nicht genau lesen.

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Hast du viele Hater?
Ich habe leider tatsächlich einen leichten Anstieg eines ganz bestimmten Typ Hater seit der Wahl von Trump feststellen müssen. In letzter Zeit melden sich immer mehr komische Leute bei mir, die eine sehr spezifische Art haben, wie sie über Feministen reden. Sie beschimpfen uns als dumm und verbittert, weil wir keinen Mann abkriegen würden. Ich bin der Meinung, dass diese hasserfüllten Menschen mehr Gefühl für Empathie brauchen. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Trollen im Internet und diesen Typen, weil sie wirklich daran glauben, was sie von sich geben.

Wie bist du auf die Idee gekommen, die Fotos mit einer Ratgeberkolumne zu verbinden?
Ich wollte das schon so lange machen, weil ich jeden Tag so viele private Nachrichten bekomme. Darunter sind Fragen wie “Mein Freund hat eine andere geküsst. Was soll ich machen?” oder “Ich bin 15 und habe mit Panikattacken zu kämpfen. Hast du einen Rat für mich?” Es hat sich einfach gut angefühlt, mit jungen Frauen über ihr Leben zu reden. Der Schritt hat also Sinn gemacht!

Warum glaubst du, dass die Leute angefangen haben, dir so persönliche Fragen zu stellen?
Was ich mit dem Account mache, ist in vielerlei Hinsicht sehr verletzlich. Auch wenn die Bilder oft sehr grafisch sind, regen sie zur Diskussion an. Wenn du dich in einer Freundschaft, oder jeglicher Art von Beziehung, verletzlich machst, wird sich die andere Person sicherer fühlen, dir gleich zu tun. Manchmal braucht es nur jemanden, der den ersten Schritt macht. Die Botschaft von Look At This Pussy war schon immer die gleiche: “Sei empathisch, verhalte dich verdammt nochmal wie ein Mensch und glaub an dich selbst!”

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