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aus den tiefen des dschungels auf die straße: die spektakuläre reise der veja-sneaker

Wir waren in Brasilien und haben uns erklären lassen, wie die zur Zeit angesagtesten Sneaker ihren Weg von den Naturkautschukzapfern im Urwald an die Füße von Emma Watson finden.

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Nov. 4 2016, 10:10am

Vor circa genau einem Monat hat Emma Watson ein Foto auf ihrem Instagram-Account gepostet, auf dem sie lässig an eine Wand gelehnt dasteht und in die Kamera grinst. Eigentlich nichts Außergewöhnliches für die Schauspielerin. An ihren Füßen finden sich Schuhe, auf denen ein großes V zu sehen ist. „Schau, sie trägt unsere Schuhe", sagt Sébastien Kopp grinsend, Gründer der nachhaltigen Sneaker-Marke Veja, als wir beim Essen in einem kleinen Lokal in Porto Alegre, das ganz im Süden des brasilianischen Bundesstaates Rio Grande do Sul liegt, sitzen und kann seine Freude kaum verbergen.

Veja ist eine nachhaltige Schuhmarke aus Frankreich, die vor zwölf Jahren von Sébastien zusammen mit seinem alten Schulfreund François-Ghislain Morillion gegründet wurde. Sie hatten die gängigen Arbeits- und Produktionsbedingungen, unter denen die Sneaker dieser Welt hergestellt werden, satt und gründeten, ohne wirklich zu wissen, was sie genau machen, das Label, das sich neben hundertprozentiger Transparenz und Nachhaltigkeit vor allem eines zur Aufgabe gemacht hat: stylisch zu sein und zu zeigen, dass fair nicht gleichzeitig öko und langweilig bedeuten muss. Heute sind neben Emma Watson auch Schaupielerinnen wie Marion Cotillard bekennende Fans der Marke; zu kaufen gibt es sie weltweit in den coolsten Läden, wie Colette und Centre Commercial in Paris, sowie online. 

Aber wieder zurück in das kleine Lokal im tiefsten Brasilien. Wir sind hier, um zu sehen, wie die Schuhe dieser Marke, die in letzter Zeit immer mehr in unseren Feeds auftauchen und für die bisher aber vollkommen auf typische Werbung verzichtet wurde, hergestellt werden. Zehn Tage, um zu sehen, wie viel Liebe in jedem Veja-Sneaker steckt, und um zu verstehen, dass es hier um mehr, als nur das Produkt geht, sondern um die Menschen dahinter, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, nicht nur gute Schuhe herzustellen, sondern auch etwas für unseren Planten zu tun, die gegen die Abholzung des Regenwalds kämpfen und es mit großen Konzernen, die nur an Profit denken, aufnehmen—Stück für Stück, Sneaker für Sneaker. Aber davon später mehr. 

Die Schuhe werden—von der Gewinnung der Rohstoffe bis hin zum Endprodukt—ausschließlich in Brasilien hergestellt, auch wenn es fünf- bis siebenmal teurer ist, hier zu produzieren als zum Beispiel in Asien. Das Leder kommt aus São Paulo, die Bio-Baumwolle aus Taua, alte und upgecycelte Plastikflaschen aus André werden zum Mesh (in jedem Schuh werden sieben Flaschen verarbeitet), der Naturkautschuk für die Sohlen stammt aus dem Amazonas und die Produktion findet in einer Fabrik in Porto Alegre statt.

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400 Leute arbeiten in dieser Fabrik. Jeden Tag stellen sie 4000 Sneaker her. Die Arbeiter verdienen 1200 Real, was umgerechnet ungefähr 351 Euro sind und 20 Prozent mehr als der Durchschnittslohn für einen Fabrikarbeiter in Brasilien ist. Ein Schuh geht durch die Hände von 150 Leuten, bevor er in die ganze Welt verschickt wird. Das liegt vor allem daran, dass 90 Prozent der Arbeitsschritte manuell durchgeführt werden. 

In der Veja-Fabrik in Porto Alegre.

Ein Arbeitstag in der Veja-Schuhfarbrik beginnt um 7:30 und endet um 17 Uhr, dazwischen gibt es eine anderthalbstündige Pause. Neben dem ältesten Mitarbeiter, der über 60 Jahre alt ist, gibt es sechs Lehrlinge, von denen der jüngste 16 Jahre alt ist. 

Geht man einen Schritt in der Produktionskette zurück, kommt man bei der Herstellung der Rohmaterialien an, die in der Fabrik in Schuhe verwandelt werden. In Kautschukzapfer-Gemeinden in den Tiefen des Amazonas wird der Naturkautschuk, der sowohl für die Sohlen als auch für die Vs verwendet wird, gewonnen. Wir sind mittlerweile in einem anderen Teil Brasiliens und befinden uns auf einer sechsstündigen Autofahrt von Rio Brancho aus Richtung Urwald. Während der Fahrt auf der immer holpriger werdenden Straße kommen wir auf das Thema Fast Fashion und die Probleme der Modeproduktion zu sprechen. 

„Die allgemeine Blindheit und das kollektive Wegschauen ist das Hauptproblem der Mode", resümiert Sébastien aus den Erfahrungen, die er dank seiner jahrelangen Erfahrungen in der Modebranche machen konnte. „Sobald Mittelmänner eingeschaltet werden, hast du als Marke keine Ahnung mehr, was wohin outgesourct wird—und genau hier entstehen die Schwierigkeiten. Deshalb ist es uns so wichtig, dass wir jeden Schritt nachvollziehen können und eng mit den Fabriken aber auch den Communitys, die unsere Rohstoffe herstellen, zusammenarbeiten."

Nach einer weiteren Stunde auf einem Boot, bei der wir in einen warmen Regenschauer geraten, erreichen wir eine dieser Communitys, die von Dona Rita und Seu Antonio, einem über 70 Jahre altem Ehepaar, geleitet wird. Die Familienmitglieder und die Kinder begrüßen uns freundlich, überall laufen Hunde, Katzen, Kühe und Hühner herum. Bald gibt es Abendessen, das brasilianische Nationalgericht: schwarze Bohnen in einer dicken Soße mit Reis, dazu Huhn und ein kartoffelähnliches Gemüse, bevor wir unsere Hängematten aufhängen und erschöpft einschlafen. 

Auf der einstündigen Bootsfahrt. 

Angekommen im Dschungel. 

Dona Rita und Seu Antonio, die die Community leiten. 

Am nächsten Tag stehen wir mit dem Sonnenaufgang gegen fünf Uhr morgens auf, um mit Seu Antonio und seinem Sohn Pedro in den Wald zu gehen und um zu sehen, wie Naturkautschuk gewonnen wird. Jeden Tag arbeiten sie von 4:30 bis 13:30, zapfen auf einer Route 80 bis 140 Bäume an und sammeln am Nachmittag die weiße, klebrige Flüssigkeit wieder ein, die dann in weiteren Arbeitsschritten verfestigt wird und in die Fabrik nach Porto Alegre geschickt wird. Jede Woche produziert ein Gummizapfer um die zehn Kilogramm Rohkautschuk, den Veja für ungefähr 2,80 Euro pro Kilo einkauft, was um über einen Euro mehr ist als im Rest Brasiliens. 

Seu Antonio erklärt, wie die Bäume angezapft werden. 

Pedro im Wald. 

Seu Antonio

Der Tag vergeht schnell und die Gespräche werden—wohl aufgrund der Abgeschiedenheit und des fehlenden Handyempfangs—immer intensiver. Was auffällt, ist die Stellung der Frauen in der Gemeinde. Sie haben die Familien fest in der Hand und geben den Ton an. Sie dulden keine Widerrede. Bia, die uns auf unserer Reise begleitet und die als Vermittlerin zwischen der französischen Marke und der Gemeinschaft dient, erklärt: „Als die ersten Communitys gegründet wurden, haben nur Männer im Wald gelebt. Erst später kamen die Frauen dazu, und die hatten dann natürlich die Wahl, sich einen Mann auszusuchen, den sie heiraten. Sie hatten die ultimative Macht und das spürt man heute noch. Die Frauen geben hier den Ton an, wir haben in Acre [der Region, in der wir uns befinden, Anm. d. Red.] auch überdurchschnittlich viele Frauen in der Regierung. Das ist ziemlich einzigartig in Brasilien." Tabota, der auch ein wichtiges Mitglied der Gemeinde ist und für die Regierung von Acre arbeitet, beginnt zu grinsen und fügt hinzu: „Die Frauen leiten hier alles. Sie sind hübsch, aber gefährlich. Sie haben eine wahnsinnige Kraft. Wir respektieren und schätzen sie. Wir könnten nicht ohne sie."

Später an diesem Tag führt Bia ein Wasserritual durch, dass uns die Stärke des Urwalds und die Stärke von uns Frauen zeigen soll. Wir sitzen fast nackt auf dem Boden im Wald und sie schüttet uns Wasser, das aus einer Naturquelle stammt, über den Kopf, während sie uns über den Kopf streicht und uns sagt, dass wir an unsere Weiblichkeit denken sollen. Plötzlich spüren auch wir die Kraft, von der Tabota zuvor gesprochen hat.

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Der letzte Abend bricht an und ein Gewitter braut sich zusammen. Während der Regen uns zeigt, dass der Regenwald nicht ohne Grund Regenwald heißt—eine unfassbar große Wassermasse ergießt sich über unsere Köpfe—schlafen wir tief und fest in unseren Hängematten. 

Nach dem Frühstück wird uns der letzte Arbeitsschritt in der Naturkautschukproduktion gezeigt. Durch die Zugabe von Flüssigrauch und ohne Chemikalien wird das Material gehärtet. Das fertige Produkt wird FDL oder auch Liquid Smoked Sheet genannt und in dieser Form dann an die Fabrik geliefert. Diesen Produktionsschritt führt Pedro gemeinsam mit seiner Frau durch, die gerade ihr zweites Kind erwartet. Nachdem der gehärtete Gummi durch eine Presse gedrückt wird, wird er zum Trocknen aufgehängt. 

Pedro zeigt uns den Naturkautschuk bevor er in die Fabrik geschickt wird. 

Pedro und seine Frau arbeiten gemeinsam am letzten Produktionsschritt. 

Neben seiner Arbeit als Kautschukzapfer kämpft Seu Antonio gemeinsam mit seiner Gemeinde, dem WWF und der Regierung von Acre gegen die Abholzung des Regenwalds. Die Communitys sind die ersten, die an den Schäden, die wir unserer Welt antun, leiden und sie sind sich diesem Problem auch ganz bewusst. Sie geben ihr Bestes, gegen die großen Konzerne anzugehen, und werden dabei von Marken wie Veja, die ein bewusstes Zeichen für eine nachhaltigere Lebensform setzen, unterstützt. 

Seu Antonio mit seinem Sohn Pedro, dessen zweiter Frau Iris und ihrer gemeinsamen Tochter. 

Von den Naturkautschukzapfern im Urwald über die 300 Hände der 150 Fabrikarbeiter bis an die Füße von Emma Watson: Es ist ein langer, langsamer und durchdachter Weg, der sich gegen die Geschwindigkeit der immer schneller werdenden Modewelt stemmt und der jeden Schuh von Veja zu einem Zeichen für eine sich verändernde, nachhaltigere Gesellschaft macht. Selbst aktiv zu werden, braucht nicht viel. Vielleicht auch nur so wenig, wie in das richtige Paar Sneaker zu investieren. 

Was auch du gegen die Abholzung des Regenwalds tun kannst, erfährst du auf der Webseite von Greenpeace und des WWFs.

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veja.fr

Credits


Text und Fotos: Alexandra Bondi de Antoni 

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