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Ashley Armitage will, dass du deine Idee von Schönheit überdenkst

Dieses Foto der US-Fotografin hängt gerade am New Yorker Times Square. Wie du das schaffst, verrät sie hier.

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Juli 4 2018, 1:43pm
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Obwohl – zum Glück – viel darüber diskutiert wird, wie männerdominiert die Fotografie ist und wie sehr der Male Gaze die Branche dominiert, gibt es nach wie vor wenige Fotografinnen wie Ashley Armitage: junge Frauen, die Vollzeit arbeiten und von ihren Aufträgen leben können. "Mit 14 habe ich mich durch Tumblr gescrollt und auf einmal sah ich dieses Foto. Ein nacktes Mädchen, das einen Wolf hält, es war von Ryan McGinley", erzählt Ashley.


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"Ich fand es so cool, ein junges, nacktes Mädchen zu sehen, das zur Abwechslung nicht sexualisiert dargestellt wird. Sie war einfach nur eine Frau, die zufällig nackt war und gerne intensiv in die Kamera schaut. Das war anders als alles, das ich zuvor gesehen habe", so die junge Fotografin weiter. Heute hängen Ashley Armitages Bilder als Reklame für große Marken am Times Square in New York. Uns hat die junge Fotografin erklärt, was es dafür braucht.

Erzähle uns mehr über dich.
Ich komme aus Seattle. Meine Eltern waren Zeugen Jehovas. Meine Mutter wurde ausgestoßen, als ich fünf war. Ich musste zwar nicht in dieser sexistischen Sekte aufwachsen, aber es gab dadurch immer eine gewisse Distanz zu meinen Eltern. Als Zeugen Jehovas durften meine Eltern nicht aufs College gehen. Meine Mutter arbeitet deswegen als Reinigungskraft und mein Vater ist Schuhverkäufer.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Als ich 15 war, kaufte mir mein Vater meine erste Kamera. Er wollte immer selbst Fotograf werden und konnte es nicht – deswegen hat er es mir ermöglicht. Wir haben Ausflüge gemacht und alles fotografiert, das uns vor die Linse kam. In der Schule hatte ich meine Kamera immer dabei und habe meine Freunde während der Mittagspause, im Unterricht und nach der Schule dokumentiert. Vor zwei Jahren habe ich meinen Uni-Abschluss in Fotografie gemacht und arbeite seit sechs Monaten Vollzeit als professionelle Fotografin.

Heutzutage gibt es so viele verschiedene Bilder. Wie sorgst du dafür, dass sich deine Fotografien immer noch frisch und neu anfühlen?
Wir leben in einer visuell gesättigten Welt im ständigen Austausch mit anderen Künstlern. Oft erwische ich mich unbewusst dabei, wie ich mich von anderen Fotos oder Filmen für meine eigene Kunst inspirieren lasse: Im Moment bin ich zum Beispiel von Éric-Rohmer-Filmen begeistert. Seine Farbpalette ist so schön.

Wie erschaffst du etwas Neues, wo es doch eigentlich schon alles gibt?
Ich fotografiere etwas und denke in dem Moment, dass es völlig neu und originell ist, nur um später festzustellen, dass es das bereits gibt. Etwas neu zu interpretieren, finde ich absolut in Ordnung. Ich liebe die Modefotografie aus den 80ern und den 90ern, und stelle das Licht in meinen Shootings so nach.

Wie siehst du die Konkurrenz durch andere junge Fotografen?
Weil wir so viele sind, gibt es viel Konkurrenzdenken und einen starken Wettbewerb. Das interessiert mich aber nicht. Wir sollten uns lieber gegenseitig unterstützen. Jeder hat seine eigenen Stärken und einzigartigen Perspektiven, von denen wir alle noch etwas lernen können.

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Analog oder digital?
Ich arbeite hauptsächlich analog, aber für große Aufträge fotografiere ich in beiden Formaten. Zwar kostet Analog durch die Film- und Entwicklungskosten mehr, aber ich versuche, diese Kosten auf meine Gage draufzuschlagen. Das ist manchmal nicht möglich, gerade wenn ich für Magazine fotografiere. Trotzdem ist meine Ausrüstung einfach und noch dazu billig: Meine Kamera hat 20 Dollar gekostet. Den Großteil habe ich aus dem Secondhand-Laden, in dem ich früher gearbeitet habe.

Was ist die größte Herausforderung als Fotografin?
Dass wir fair bezahlt werden. Bei so vielen Shootings gibt es entweder gar kein Budget und wenn es doch eins gibt, ist es lächerlich niedrig. Wenn ich dann noch verhandeln will, verlieren die meisten Auftraggeber ganz schnell das Interesse und ghosten mich. Sie hoffen wohl, einen Newcomer-Fotografen mit meinem Stil zu finden, der es umsonst macht.

Ist die Fotografie eine elitäre Angelegenheit?
Absolut. Sie ist elitär, sexistisch und rassistisch. Es ändert sich langsam, aber es bleibt noch sehr viel zu tun.

Wie findest du eine Balance zwischen Kreativität und Kommerz?
Ich bestehe auf meinen eigenen kreativen Stil. Ich habe das Privileg, das ich erst gar keine Jobs angeboten bekomme, die nicht zu mir passen. Manchmal muss ich natürlich kompromissbereit sein und bei manchen Dingen flexibel, um einem Kunden zu gefallen. Aber am Ende bleibt meine kreative Handschrift erhalten.

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der Vollzeit als Fotograf arbeiten möchte?
Gerade für Menschen, die noch studieren und sich mit einem Job über Wasser halten müssen, ist das schwer, Mir ging es genauso. Ich habe in meiner Freizeit viel mit meinen Freunden geshootet. Weil ich am Anfang kein Geld hatte, um mein Portfolio aufzubauen, habe ich ihnen immer einen Print geschenkt. Fotografiere die ganze Zeit und teile deine Ergebnisse mit der Welt. Arbeite an deiner kreativen Handschrift und du wirst dein Publikum finden.

Wie wichtig sind soziale Netzwerke für deine Arbeit?
Instagram beeinflusst meine Kunst, sobald ich Akte fotografiere. Weil Instagram keine Nacktheit erlaubt, produziere ich immer auch eine instagramfreundliche Version einer Aufnahme. Ich habe bereits versucht, meine Aktfotografien selbst zu zensieren und bestimmte Stellen zu verdecken, aber selbst diese Aufnahmen hat Instagram von meinem Account gelöscht.

@ladyist

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

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