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Diese Weisheiten von Chvrches sind inspirierender als dein Lieblings-Tumblr

Wir haben die schottische Synth-Pop Band in Berlin getroffen, um über ihr neues Album "Love is Dead" zu sprechen – und haben unter anderem herausgefunden, dass das Leben eine gigantische Hüpfburg sein sollte.

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Mai 17 2018, 1:32pm

Foto: Danny Clinch / Universal Music

"Es fühlt sich so an, als wäre alles anders und doch irgendwie auch nicht", erklärt Bandmitglied Martin Doherty über ihr neues Album Love Is Dead, das am 25. Mai erscheint. Aber keine Sorge, der großartige Pop-Sound, für den wir Chvrches so lieben, bleibt uns erhalten.

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Der Albumtitel lässt vermuten, dass es vor allem um eines geht: gebrochene Herzen, gescheiterte Beziehungen und ein Meer an Tränen – doch gibt es so viel mehr als die romantische Liebe. "Nur weil eine Frau über etwas Emotionales singt, heißt das noch lange nicht, dass es um Jungs geht", so Chvrches-Frontfrau Lauren Mayberry. Auch wenn einige der Songs von der schönsten Sache der Welt handeln, dreht sich Love Is Dead in erster Linie darum, wie wir miteinander umgehen. "Ich habe versucht, herauszufinden, warum ich mich gleichzeitig so frustriert und verwirrt gefühlt habe", erklärt Lauren weiter. Ein Gefühl, mit dem wir uns alle identifizieren können, vor allem dann, wenn du als Millennial in einer Welt voller emotionaler Achterbahnfahrten aufwächst. Der beste Ratschlag, mit diesem Gefühlschaos umzugehen, kommt von Lauren selbst: "Du musst diese Emotionen hinterfragen und erforschen – und genau das haben wir auf unserem Album gemacht."

Wir haben uns mit Chvrches zusammengesetzt und ein Wortspiel aus den Songtiteln von Love Is Dead zusammengebastelt. Zurückbekommen haben wir einige wichtige Lebensweisheiten, noch besser als dein Lieblings-Tumblr-Quote.


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"Get out": Wie kommt ihr aus einem kreativen Loch?
Iain: Wenn du das Gefühl hast, dass nichts voran geht, solltest du dir eine Pause gönnen. Hör dir entweder gar keine oder extrem viel Musik an.
Martin: Du solltest ein kreatives Loch feiern. Dein Körper will dir damit sagen, dass er so gerade nicht mehr weiter funktionieren kann. Versuch, von dem Ganzen für eine Weile Abstand zu gewinnen, auch wenn es nur eine Stunde ist.

"Graffiti": In dem Song geht es um all die Dinge, die anders gelaufen sind als erwartet. Was ist euer Ratschlag, wenn so etwas passiert?
Martin: Wenn es dir wichtig ist, versuche es zu ändern. Wenn nicht, gib es auf.
Iain: Deine Erwartungen sollten immer realistisch sein. Die Leute denken immer, dass alles großartig im Leben sein muss und genau das führt zu psychischen Erkrankungen. Sie denken, dass es einen Punkt in ihrem Leben gibt, an dem sie verheiratet sein sollten, einen Haufen Geld verdienen und ein tolles Auto und ein riesiges Haus haben. Viele fragen sich dann, was nicht mit ihnen stimmt und sehen sich selbst als Versager – und genau das ist so toxisch daran.
Lauren: Du solltest nicht versuchen, etwas aus einer Sache zu machen, die sie nicht ist. Akzeptanz ist der Schlüssel.

Foto: Danny Clinch / Universal Music

"My Enemy": David Lynch hat mal gesagt, dass Negativität der Feind der Kreativität sei. Würdet ihr dem zustimmen?
Martin. Ich glaube, dass Negativität genauso wichtig für den Schaffensprozess ist. Es geht darum, einen Weg zu finden, was du machst zu verbessern oder zu verändern. Zu verstehen, woher die Leute kommen, anstatt etwas gleich abzulehnen.
Lauren: Ich habe Catching the Big Fish von David Lynch gelesen, in dem es viel um Meditation und die Idee der Selbstkritik geht. Was ich daraus gelernt habe: Extrem perfektionistisch und selbstkritisch zu sein, ist nicht gerade hilfreich.
Iain: Meiner Meinung nach ist Angst der Feind der Kreativität. Viele denken, dass Wut ein negatives Gefühl ist, aber es kann auch zu etwas Positivem gebündelt werden. Schau dir nur mal die ganze Punk- und Grungeszene und vor allem Nirvana an.

"Forever": Glaubt ihr an das Konzept von "für immer"?
Martin: Ich glaube ehrlich gesagt nicht daran.
Iain: Alles ist vergänglich. Aus wissenschaftlicher Sicht verschwindet die ganze Energie des Menschen nicht einfach so, sondern verändert nur seine Form.
Lauren: So viel von dem, was wir tun, ist von der Angst vor dem Tod motiviert – das ist doch letzten Endes auch der Grund, warum wir Kunst machen, um all diese verwirrenden Gefühle zu begreifen.

"Never Say Die": Stellt euch vor, ihr seid unsterblich, was würdest ihr euch öfter trauen?
Martin: Ich würde alle Regeln brechen und jeden Tag viel mehr Risiken eingehen, weil du genau weißt, dass es keine Folgen hat. Erst dann wird einem klar, dass wir 99 Prozent der Dinge nur machen, um am Leben zu bleiben, und dann stirbst du.
Lauren: All' die Dinge, die dich umbringen könnten wie Bungee Jumping zum Beispiel.
Iain: Oder aus einem fahrenden Auto springen. Das ist dann wohl das, was alle immer meinen mit 'Lebe jeden Tag so, als gäbe es kein Morgen", aber in der Realität wäre man wahrscheinlich einfach nur ein Arschloch.

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"Graves": Wer sollte auf eurer Beerdigung spielen?
Martin: Ich würde mich für "Famous Blue Raincoat" von Leonard Cohen entscheiden, schließlich will ich nicht, dass die Leute meinen Tod feiern.
Lauren: Bei mir wäre es ein Ghettoblaster mit Shakespeares System und jeder kann ein paar Sandwiches haben. Ich will nicht, dass jemand auf meiner Beerdigung arbeiten muss und für die Musik verantwortlich ist. Sie sollen sich lieber darauf konzentrieren, um mich zu trauern [Lacht].

"Miracle": In dem Song fragt ihr euch, wo all das Gute hinverschwindet. Wohin?
Lauren: Ich weiß nicht, ob es mit der Zeit einfach ein bisschen verloren geht, aufgesaugt von Ängstlichkeit und Selbstsucht. Ich glaube aber nicht, dass es für immer verschwindet, es wird nur einfach schwieriger, es zurückzubekommen.

"Heaven In Hell": Erzählt uns ein bisschen mehr über den Himmel in der Hölle.
Lauren: Der Song ist aus der Frustration heraus entstanden, dass Frauen immer das eine oder das andere sein sollen. Du musst in die eine oder die andere Schublade passen, um die Leute glücklich zu machen. Ich habe das Gefühl, dass gerade viele positive Gespräche darüber geführt werden und mehr und mehr Menschen nach vorne treten und das Konzept von Gleichheit feiern. Je mehr dieses Thema in den Mainstream gelangt, desto größer sind die Chancen, dass sich langfristig gesehen etwas verändern wird.

"Wonderland": Wie sieht euer persönliches Wunderland aus?
Martin: Wie eine gigantische Hüpfburg.
Lauren: Meine wäre ziemlich simpel: Auf dem Sofa bleiben, unter einer Decke fernsehschauen und vielleicht gäbe es noch ein Haustier.
Iain: Wie ein riesiges IMAX-Kino mit einer Hand voll Sitzen und einem Weltklasse-Koch, der ununterbrochen Pizza und Cocktails serviert.

@chvrches

"Love Is Dead" erscheint am 25. Mai auf Glassnote Records.

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