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designer nhu duong über diversity casting und mode als form der rebellion

„Für mich ist die Mode eine Sache, bei der man gleichzeitig dazugehören und sich von ihr abgrenzen kann.“

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März 15 2017, 11:45am

Kurz nach dem Launch von i-D hier in Deutschland haben wir uns mit der in Berlin lebenden Designerin Nhu Duong zusammengetan und die erste i-D Party in der deutschen Hauptstadt gefeiert. Das war vor zwei Jahren. In der Zwischenzeit ist viel passiert im Leben der Tochter eines Kung-Fu-Meisters und einer Schneiderin. Wie sich diese Veränderungen auf ihre neue Kollektion ausgewirkt haben, warum sie sich entschlossen hat, ihre Kreationen in Form einer Modenschau in New York zu präsentieren, und welche Rolle Schuhe im Stylingprozess spielen, hat sie uns im Gespräch verraten. 

Es sind zwei Jahre vergangen, seit wir das letzte Mal gesprochen haben. Was hat sich in der Zeit alles verändert?
Vor zwei Jahren habe ich noch sehr projektbezogen gearbeitet, im Fashion-Kontext hatte ich kaum Präsentationen. Ich habe mich dann entschieden, meine Kollektionen saisonal zu präsentieren und letzten Sommer habe ich meine Frühjahr-/Sommerkollektion 2017 im Rahmen der Berlin Biennale gezeigt. Für die Kollektion habe ich mit dem Künstler Karl Holmqvist zusammengearbeitet. Das hat dann zu einer Installation während der New York Fashion Week in der Galerie Gavin Brown's Enterprise mit Performances von Karl selbst sowie von Rirkrit Tiravanija geführt. Ich hatte vor Kurzem meine erste richtige Runway-Show in New York bei Artists Space, wo ich meine neueste Kollektion für die Saison Herbst/Winter 2017 vorgestellt habe.

Wie würdest du mit eigenen Worten den Unterschied zwischen dieser Kollektion und den vorherigen beschreiben?
Ich spiele in meinen Entwürfen gerne mit der Frage der Funktionalität: Was symbolisiert ein Kleidungsstück? Wie verändert es den Träger? Was soll es tun? Die Frühjahr-/Sommerkollektion 2017 ist von Arbeitskleidung und Hobby-Uniformen inspiriert. Es geht um die Frage, was genau eigentlich der Begriff „to work it" bedeutet und um das Verwischen der Grenzen zwischen Arbeit, Freizeit und Selbstdarstellung. Als ich begonnen habe, an der Kollektion zu arbeiten, habe ich mir Superhelden-Kostüme vorgestellt, die einerseits maskieren und andererseits zu viel über die Person preisgeben, die es trägt. Dieses Zusammenspiel zwischen Verletzlichkeit und Plakativität verleiht der Kollektion etwas Komisches, aber auch Romantisches.

Was für eine Rolle spielt die Wahl der Schuhe, wenn du einen Look kreierst?
Manchmal unterstützen Schuhe die Stärke eines Looks, aber manchmal setzen sie auch einen unerwarteten Kontrast dazu. Sie wirken in jedem Fall immer wie ein Akzent.

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Dein Casting war schon immer von hoher Vielfalt geprägt. Warum ist die Mode immer noch so langsam beim Thema Diversity Casting?
Ich denke, dass Schönheitsvorstellungen davon beeinflusst werden, was die Menschen wissen und was sie gewöhnt sind. Mein kultureller Background und die Leute in meiner Umgebung könnte man wohl als vielfältig bezeichnen, deshalb ist es ganz natürlich, dass sich dies in meiner Arbeit widerspiegelt. Generell ist die Modeindustrie und die Menschen, die in der Mode arbeiten, weniger divers als gerne zugegeben wird. Diese Branche beruht auf dem Prinzip der Exklusivität. Das führt zu einem relativ statischen Schönheitsideal, dass nicht nur diskriminierend sondern auch langweilig sein kann.

Deine Models haben Tränen in den Augen. Warum?
Mit einer Träne kann man sehr plakativ Emotionen zeigen. Ähnlich wie die Prints in der Kollektion — „Trauma", „Vengeance" oder „Guilt" — zeigen Tränen den Unterschied zwischen der Verletzlichkeit eines Gefühls und der symbolischen und grafischen Geste, sie nach außen zu zeigen. Eine Träne kann sowohl kraftvoll wie auch peinlich sein. Sie kann als eine Metapher für die Kollektion an sich gesehen werden.

Warum hast du deine neue Kollektion in New York gezeigt und dafür mit Nike zusammengearbeitet?
In New York sind Mode, Musik und Kunst sehr miteinander verbunden, was zu einer größeren Bereitschaft führt, Mode auf unkonventionelle Art und Weise anzugehen. Nach meiner Präsentation der SS-17-Kollektion in der Galerie Gavin Brown's Enterprise war es ein logischer Schritt, wirklich in New York zu zeigen. Nike hat mich immer unterstützt und wir haben an verschiedenen Projekten gearbeitet, wie zum Beispiel die Kollaboration mit Sean Raspet und Soylent für Frieze New York. Das hat sich dann einfach nur natürlich angefühlt, sich dieses Mal wieder zusammenzutun und den Vapor Max zu featuren.

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Kann Mode eine Form der Rebellion und des Widerstands sein?
Für mich ist die Mode eine Sache, bei der man gleichzeitig dazugehören und sich von ihr abgrenzen kann. Mit der Art und Weise, wie man sich kleidet, kann man mit den Erwartungen anderer spielen und sie verändern. Ich glaube daran, dass die Grenzen zwischen Kulturen, Geschlechtern, Körpertypen, sozialer Herkunft fließend sind, und mit meinen Kollektionen versuche ich, das zu zeigen. Wenn sie auch keine direkte Form des Widerstands ist, kann die Mode wenigstens ein Seismograph für gesellschaftliche Veränderungen sein und dabei helfen, Entwicklungen in einer Gesellschaft zu verstärken.

nhuduong.com

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni
Fotos: Dillon Sachs

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