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Diese Fotografien sind für alle, die gerne Leute beobachten

Fotografin Robyn Daly ist von fremden Menschen fasziniert. Warum das so ist, hat sie uns im Interview verraten.

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Aug. 13 2018, 2:05pm

Fotos: Robyn Daly

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Es gibt Tage, an denen das Leben völlig Fremder viel interessanter erscheint als unser eigenes. Wer sind all diese Leute? Wohin gehen sie? Was haben sie eingekauft? Diese Faszination teilt auch Robyn Daly. Unter dem Titel I Want This Life And Another hat die australische Fotografin ihre Reise durch Europa dokumentiert. Wir wollten mehr über ihre Liebe zum Unbekannten erfahren und haben ihr ein paar Fragen gestellt.


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Wo entstehen die meisten deiner Bilder?
Aus dieser Serie habe ich viele in Polen und Frankreich geschossen. Aber auch in Paris sind einige davon entstanden, weil ich dort ein halbes Jahr gelebt habe und viel mit der Kamera durch mein Viertel gelaufen bin. Ein paar sind letzten Sommer an einem See in Krakau und in einer kleinen Stadt nördlich von Warschau entstanden.

Was interessiert dich an fremden Menschen?
Mich interessieren nicht alle. Die Zeit und der Ort müssen stimmen, damit ich etwas Magisches in einem Moment entdecken kann. Fremde sind als Motive so spannend, weil du offensichtlich nichts über sie weißt. Trotzdem brauchst du nur eine Sekunde, um eine Geste zu sehen und dir daraus etwas zusammenzureimen. Es macht einfach mehr Spaß, sich eine fremde Lebensgeschichte vorzustellen, als die Wahrheit zu kennen. Das Unbekannte beflügelt die eigene Fantasie: Was wäre, wenn du selbst einen anderen Weg gegangen wärst? Solche Fragen stelle ich mir beim Fotografieren.

Informierst du die Menschen im Nachhinein darüber, dass du sie fotografierst?
Das hängt davon ab, wie ich mich an dem Tag fühle. Manche Leute stört es, andere kümmert es wiederum überhaupt nicht – oder sie starren mich einfach nur an. Ich hasse es, nach einem Foto zu fragen, weil es das Bild ruiniert. Die Leute verhalten sich dann anders und sind nicht mehr in ihrer Sache vertieft. Das ist ja gerade das Spannende daran.

Was ist das besondere daran, auf Reisen zu fotografieren?
Die Anonymität und das Gefühl, ein Außenseiter zu sein. Zwischen dem Menschen und mir liegt die unausgesprochene Abmachung, dass ich nie Teil ihres Lebens sein werde und wir uns nie wiedersehen werden. Und das ist OK. Die Leute in fremden Städten dabei zu beobachten, wie sie ihren Alltag meistern, ist anders und gleichzeitig so befriedigend. Wann hast du schon mal die Gelegenheit, andere Lebensentwürfe zu beobachten?

Wie wichtig ist es, die Umgebung nicht zu kennen?
Ich habe schon früh erkannt, dass ich ein gewisses Level an unvertrautem Terrain brauche, um mich wirklich für die Fotografie zu begeistern. Es ist mein Weg, eine neue Umgebung kennenzulernen und mich mit ihrem einzigartigen Charakter vertraut zu machen. Das muss nicht notwendigerweise auf einem anderen Kontinent sein. Es geht mir nur darum, mich mit den Lebenswirklichkeiten jenseits meiner eigenen Routine zu konfrontieren.

@robyndaly_

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"I Want This Life And Another" von Robyn Daly kannst du dir ab dem 18. August in Melbourne in der Galerie Offsite anschauen. Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der australischen Redaktion.

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