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Das war das Berlin Atonal 2018

Sphärische Klänge, verschwitze Körper und ganz viel experimentelle elektronische Musik: Wir waren auf dem Festival unterwegs, um zu erfahren, was es so einzigartig macht.

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Aug. 31 2018, 12:39pm
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"Die Musik hier hört sich so an, als käme sie von dem Ort selbst. Es erzeugt schon fast eine religiöse Stimmung", erklärt uns Besucherin Mariana Berezovska über das Kraftwerk, einem der drei Clubs, in dem das Berlin Atonal stattfindet. Fünf Tage lang haben wir sphärischen Klängen gelauscht, getanzt und uns in den Visuals der Sound-Artists verloren. Vergangene Woche war viel los auf dem Festival für experimentelle, elektronische Musik, das in den drei bekannten Berliner Clubs stattfand – im Kraftwerk, Tresor und OHM. Hunderte von Ravern, Musik-Nerds und Neugierigen haben dort die Nacht zum Tag gemacht.


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Es ist nicht nur das ehemalige Heizkraftwerk, das sich in diesen Tagen zu einem Sound-Labyrinth verwandelt, sondern auch die genreübergreifende Musik, die hier seinen Platz findet. Große Acts wie Helena Hauff und Actress trafen auf Underground-Künstler wie Giant Swan und Machine Woman, um ein musikalisches Erlebnis außerhalb der eigenen Komfortzone zu schaffen. Und das meinen wir wörtlich: Oft musstest du zweimal hinhören, um Gefallen an den schrägen Sound-Installationen zu finden. Wir haben uns mit einigen der Festivalbesucher getroffen, um herauszufinden, was gerade in Berlin passiert, wovon du wissen solltest.

Tiago, 26, Grafikdesigner und Mariana, 29, Autorin

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Woher kommt ihr? Tiago: Portugal. Mariana: Ukraine. Was machst du? Tiago: Ich bin freiberuflicher Grafikdesigner und mache zusammen mit Marianna das BORSHCH Magazin über elektronische Musik. Mariana: Ich bin Autorin und schreibe hauptsächlich über musikbezogene Themen. Wir wollen mit dem Magazin die Musik von einem künstlerischen Standpunkt aus betrachten. Was ist das Besondere am Atonal für euch? Mariana: Die Musik hört sich so an, als käme sie von dem Ort selbst. Es erzeugt schon fast eine religiöse Stimmung. Tiago: Einige der Künstler präsentieren hier Dinge, die man von ihnen normalerweise nicht gewohnt ist. Was passiert gerade in Berlin, wovon wir wissen sollten? Mariana: Die "Mala Junta"-Party kann ich nur empfehlen. Sie ist Teil der neuen Techno-Welle in Berlin. Diese ist Retro und inspiriert von den 90ern. Der Sound ist ein ganz anderer als der etablierte Berliner Sound aus dem Jahr 2017. Die neuen Partys verbinden Mode, junge Leute und DIY. Was ist das Beste daran, heutzutage jung zu sein? Tiago: Das Beste, was du als junger Mensch haben kannst, ist Energie. Vor allem in einer Stadt wie Berlin, weil du so viele Dinge erleben kannst. Wir können hier tun, was wir wollen und die Person sein, die wir sein wollen. Mariana: Während du jung bist, kannst du noch experimentieren.

@borshchmagazine

ishi vu, 25, Musiker

Woher kommst du? Göteborg, Schweden. Was machst du? Ich mache Musik. Es ist eine Mischung aus spacigen 80er-Sound und New Wave, spielt aber in der Zukunft. Ich versuche damit, mein eigenes Universum zu erschaffen. Was ist das Besondere am Atonal für dich? Die Lust auf Klänge. Auf welchen Act freust du dich am meisten? Lanark Artefax. Er ist im Moment einer der interessantesten elektronischen Künstler. Wenn du einen Tag alleine im Kraftwerk verbringen könntest, was würdest du machen? Herumklettern. Wer oder was ist dein Spirit Animal? Ein langbeiniges, prähistorisches Krokodil. Wie würdest du die Berliner Musikszene beschreiben? Berlin hat einen ziemlich bekannten Sound, aber die Szene ist offen für alle Arten von Unterschieden. Unabhängig davon, was du suchst, wirst du einen Ort dafür finden.

@ishi____vu

Marieke, 27, Freiberufliche Journalistin

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Woher kommst du? Ich komme aus einer kleinen Stadt in der Nähe der niederländischen Grenze. Was machst du? Ich bin freie Journalistin und mache Produktion und Konzepte für Events, Video- und Fotoprojekte. Auf welche) Act freust du dich am meisten? Helena Hauff, weil ich ihre Präsenz so gerne mag. Wenn du einen Tag alleine im Kraftwerk verbringen könntest, was würdest du machen? Ich würde Holly Herndon und ihren Chor holen und meine engsten Freunde dazu einladen. Was passiert gerade in Berlin, wovon wir wissen sollten? Das Bild von Berlin als Paradies wird immer restriktiver und konservativer. Es gibt immer weniger bezahlbaren Wohnraum und wenn man sich umschaut, sieht man immer mehr Polizei. Was ist das Beste daran, heutzutage jung zu sein? Wir erhalten alle Informationen über jedes Nischenthema in dieser Welt. Alles ist nur einen Klick entfernt. So lernen wir viele Dinge außerhalb unserer eigenen Bubble kennen. Wenn die Musik aus und die Lichter angehen, ... gehe ich an die Bar und versuche auf charmante Weise noch einen letzten Drink zu bekommen.

@mariekefischer_

Lucy, 20, Tänzerin

Woher kommst du? Berlin. Was machst du? Ich bin Tänzerin und habe Modedesign studiert. Wenn du einen Tag alleine im Kraftwerk verbringen könntest, was würdest du machen? Ich würde ein Video zu einer Voguing-Performance drehen. Was passiert gerade in Berlin, wovon wir wissen sollten? Das weibliche / nicht-binäre DJ-Kollektiv No Shade, das Partys und Workshops veranstaltet. Das Atonal vereint Musik und Kunst Welche zwei anderen Dinge sollten viel öfter miteinander kombiniert werden? Denken und sprechen. Was ist das Beste daran, heutzutage jung zu sein? Es ist immer gut, jung zu sein. Vor allem LGBTQ-Menschen können sich in der westlichen Welt frei entfalten. Mit welchem Song würdest du gerne eine Revolution starten? Gwen Stefani - Hollaback Girl. Wenn du der Welt eine Frage stellen könntest, welche wäre es? Warum sind die Kardashians berühmt?

@_lucidlucy

Enyo, 27, Booking Assistant

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Woher kommst du? Ich bin aus Brooklyn hierhergezogen, bin aber in New Jersey und Ghana aufgewachsen. Was ist das Besondere am Atonal für dich? Es zeigt Künstler, die die elektronische Musik revolutionieren, indem sie Genregrenzen überwinden und für neue Perspektiven sorgen. Und natürlich der Ort selbst, das ehemalige Kraftwerk. Wenn du der Welt eine Frage stellen könntest, welche wäre das? Warum bist du gerade so beschissen? Mit welchem Song würdest du gerne eine Revolution starten? Das gesamte Album "ALL-AMERIKKKAN BADA$$" von Joey Bada$$. Wenn die Musik aus und das Licht angeht, ... lächle ich und groove weiter.

@enyo_face

Maximilian, 25, Grafikdesigner und Art Director

Woher kommst du? Österreich, aber ich bin letztes Jahr nach Berlin gezogen. Was ist das Besondere am Atonal für dich? Ich mag die Auswahl von Künstlern. Sie bekommen hier einen Platz, den sie sonst nirgendwo anders bekommen. Das Zusammenspiel aus Musik und Visuals an diesem Ort ist einzigartig. Wie würdest du die Berliner Musikszene beschreiben? Offen, vielfältig und genreübergreifend. Wenn du einen Tag alleine im Kraftwerk verbringen könntest, was würdest du machen? Ich würde mein Lieblingsessen und meine Sound-Boxen mitnehmen und mich einfach in der Mitte legen und nichts tun. Mit welchem Song würdest du gerne eine Revolution starten? Robyn – Indestructible.

@mxmlnmrchr

Koske, 29, Architekt

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Woher kommst du? Tokio. Was machst du? Ich habe in Tokio als Architekt gearbeitet, bin aber letztes Jahr nach Berlin gezogen und interessiere mich nun mehr für Stage- und Setdesign. Wie würdest du die Berliner Musikszene beschreiben? Ich finde sie interessant. Die Technoszene in Tokio ist sehr klein und Mainstream. In Berlin verwischen die Grenzen immer mehr. Hier findest du zum Beispiel HipHop mit Techno-Elementen – die Szene ist viel offener. Das Atonal verbindet Musik und Kunst Welche zwei Dinge sollten viel öfter miteinander kombiniert werden? Ich liebe Avocado und Shoyu Sauce, diese Kombination ist in Deutschland nicht wirklich üblich. Mit welchem Song würdest du gerne eine Revolution starten? The Prodigy – No Good. Wenn die Musik aus und die Lichter angehen, ... gehe ich dahin, wo es noch Musik gibt.

@eksco

Credits


Fotos: Roberto Brundo

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