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Das hat uns "Skins" über psychische Erkrankungen gelehrt

Mit Geschichten über Essstörungen, Depressionen und Drogensucht hat die britische Jugendserie damals die Fernsehlandschaft revolutioniert.

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Aug. 28 2018, 2:10pm

Foto: Channel 4 über i-D US

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Auch zehn Jahre nach der ersten Ausstrahlung von Skins hat die TV-Serie nicht an Relevanz verloren. In sieben Staffeln haben die Macher, Jamie Brittain und Bryan Elsley, den ungezügelten Hedonismus der britischen Jugend geschildert. Bekannt wurde die Serie für ihre ungezügelten Sex-, Drogen- und Party-Szenen und wurde dafür sofort von den Medien kritisiert – die Serie würde Zuschauer zum Nachahmen animieren.

Skins hat den Morgen nach dem Exzess gezeigt und war für ihre jungen Zuschauer da: Seine Hauptcharaktere waren menschlich und kämpften selbst mit Problemen wie Essstörungen, Depressionen und Drogenabhängigkeiten.


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Die Cool Kids aus der Serie waren alles andere als perfekt. Trotz der Melodramatik waren sie immer in der Lage, aus dem Bett am Morgen zu kommen. In einer der ersten Szenen beobachten wir Sid dabei, wie er am Morgen lieber masturbiert, als pünktlich in die Schule zu kommen. Die Macher von Skins hatten keine Angst, die schwierigeren Phasen des Erwachsenwerdens zu zeigen: wenn sich das Leben für Jugendliche manchmal zu viel anfühlt oder die Tatsache, dass unsere Freunde uns mitreißen, aber auch niederschmettern können.

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Alle zwei Jahre wurde der Cast ausgetauscht, um den jungen Darstellern die Chance zu geben, abseits der Kameras erwachsen zu werden. Sie wurden durch neue, jüngere Kollegen ersetzt. Skins hat nie Problemlösungen angeboten. Die Drehbuchautoren haben dieser Versuchung vehement widerstanden – Schlüsselszenen wurden nie aufgelöst. Die Essstörung von Cassie ist das beste Beispiel dafür. Trotz mehrfachen Aufenthalten in Hilfseinrichtungen kann sie nichts Falsches an ihrer psychischen Erkrankung erkennen. Am Tag ihrer Entlassung täuscht sie das nötige Gewicht vor, um gehen zu können.

Skins hat dort angefangen, wo andere Teenie-Serien aufgehört haben: Manchmal wollen Menschen mit einer psychischen Erkrankung ihr Verhalten aus Selbsthass nicht stoppen. Dieses Verhalten ist Teil ihrer Erkrankung. Der Handlungsstrang einer nachhaltigen Besserung von Cassies Zustand fehlt, was ergreifend und leider realistisch zugleich ist. In anderen Serien, in denen Jugendliche an einer Essstörung litten, wurde diese in der nächsten Folge angesprochen und gelöst – der Mensch galt daraufhin als geheilt. Die letzte Folge von Cassie endet damit, dass sie auf einen Burger starrt. Wir erfahren nie, ob sie ihn jemals auch nur angerührt hat.

Die Darstellung von psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen wird im Verlauf der Serie immer düsterer. Bis zur vierten Staffel ist Effie einer der verführerischsten, coolsten und ruhigsten Charaktere in der Fernsehgeschichte. Doch was folgt, ist ein kompletter Zusammenbruch. Nach der Trennung ihrer Eltern, verschlechtert sich Effies Depression drastisch. Soweit, dass sie apathisch wird und schließlich einen Suizidversuch begeht. Viele Zuschauer kritisierten die Darstellung von Effies Abwärtsspirale als scheinbar zufällig. Doch diese Figur hat drei Staffeln über gefeiert, um sich abzulenken, jeden manipuliert und mitangesehen, wie ihr Bruder von einem Bus überfahren wird. Ihr Zusammenbruch war unvermeidlich.

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In der siebenten Staffel kehrt Effie zurück. Sie lebt als mittlerweile Zwanzigjährige in London, arbeitet bei einem Börsenmakler und ist ein anderer Mensch. Ihre Dr. Martens hat sie gegen Highheels getauscht. Effie war nie eine Figur, die halbe Sachen gemacht hat. Und ihr geregelter Tagesablauf hat den Zuschauern gezeigt, wie viel Arbeit dahinter steckt, auf die wiedergewonne psychische Gesundheit zu achten.

Auch wenn Skins 2013 zu Ende ging, hat die Kultserie bleibende Spuren hinterlassen. Sie hat zum ersten Mal im Fernsehen gezeigt, dass die Therapie einer psychischen Erkrankung nicht immer einfach und nach Plan verläuft – und auch, dass dieser Umstand völlig OK ist.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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