Anzeige

i-DJ: grischa lichtenberger

Wochenende: Zeit für einen neuen Mix. Treue Raster-Noton-Anhänger kennen ihn bereits, für alle anderen gilt: Ihr solltet ihn kennenlernen. Willkommen in der i-DJ Familie, Grischa Lichtenberger.

|
Mai 27 2016, 12:50pm

Das Elektroniklabel Raster Noton ist dafür bekannt, seine Künstler nicht nur nach musikalischen Kriterien auszuwählen, sondern auch danach, ob ein Künstler menschlich ins Team passt. Ein junger Musiker des Labels ist der Bielefelder Grischa Lichtenberger, der als Musikproduzent und bildender Künstler in Berlin lebt und arbeitet.

2009 hat er seine erste EP auf Raster Noton veröffentlicht. 2012 dann das erste Album. Mittlerweile spielt er audiovisuelle Live Sets auf internationalen Festivals und hat auch als Soundkünstler verschiedene Installationen sowohl in Deutschland, als auch im Ausland realisiert. Seine eigenen Sound Designs klingen oft aggressiv, aber doch sehr organisch und weich. Experimentelle Ambient-Techno-Tracks, die mal in ihrer Komplexität zu zerbrechen scheinen, mal eine klare Richtung angeben. Für seinen exklusiven i-D Mix hat er Musik von Raster Noton, unveröffentlichtes Material und eigene Tracks seiner nächsten EP gemischt und uns ein paar Fragen beantwortet—auf seine ganz eigene Art.

Mit welchem DJ oder Live Act würdest du gerne mal back-to-back spielen?
Back to back oder side by side, oder gar front to front? Nein, Tschuldigung. Mit meinem Bruder David.

Anzeige

Was ist das Ausschweifendste, was du auf dem Dancefloor gesehen hast?
Sex, Tränen, Schlägereien? Als ich in Bielefeld zur Schule gegangen bin, gab es in der Uni Bielefeld sogenannte Westend Partys. Man konnte von einer Galerie aus dann auf die tanzenden herunterschauen und in einem Moment hat der DJ so einen Walzer gespielt und tatsächlich sind alle feiernden Studenten dann dazu übergegangen, paarweise Walzer zu tanzen—das war sehr unheimlich und auch ein bisschen beängstigend, diese gleichgeschaltete Masse aufgehen zu sehen. Ich weiß allerdings nicht, ob das als Ausschweifung zählen kann...

Was ist dir wichtig, wenn du auflegst/spielst?
Das Wichtigste für mich ist, dass ich dahin finde, mir in dem Moment selbst zu glauben. Das geht manchmal auch gegen die Leute, aber sicherlich ist es am schönsten, wenn mir dieser Sprung durch gnädige andere geschenkt wird. Jedenfalls mache ich mir vor, dass es, damit es überhaupt die Möglichkeit dieser Zustimmung gibt, entscheidend ist, dass ich mich dahin stelle und nicht Drumherum darin stehe—was für mich schwieriger ist, als es sich anhört, weil das, woran ich gerade knabbere, vor allem auch mit so einer intimen Rückseite (von Tanzmusik, von Kunst überhaupt) zu tun hat, die zunächst erstmal gar nicht für das Ausstellen gedacht ist.

Was ist deine Lieblings-Partyhymne aller Zeiten?
Leonard Cohen, Famous Blue Raincoat.

Welche Produzenten werden es dieses Jahr deiner Meinung nach zu Großem bringen?
Da bin ich überfragt. Ich bewege mich gerade irgendwie nicht in so einem Erwartungsfeld was Musik angeht. Ich freue mich auf neue Sachen, aber ich warte nicht auf sie. Wenn mir danach ist, etwas Neues in der und der Art zu hören, dann setze ich mich hin und versuche es selbst. Für Einschätzungen der Musikszene bin ich definitiv unterqualifiziert. Bin gespannt auf die Neuen Alben von Jesse Osborne-Lanthier, Robert Lippok, Byetone und Ueno Masaaki.

Anzeige

Wohin gehst du, wenn die Musik aufhört und die Lichter angehen?
Es ist schön auf der Straße zu sein und die Stadt im Morgengrauen zu sehen. Still im blauen Licht, Vögel, Bäume, Wetter, dunkle Häuser. Vielleicht jemanden dabei, mit dem man heiser leise Töne tauschen kann.

Welchen Track würdest du spielen, wenn es eigentlich Zeit fürs Bett ist, aber alle noch wach sind?
In dem Sinn, dass man selbst ins Bett will oder die anderen oder niemand? Wenn es spät wird, werde ich oft sentimental, dann spiele ich gerne JJ Cale oder eben Leonard Cohen. Wenn das Gespräch sehr intensiv ist, führt es mich oft zu Kammermusik von Shostakovich. In wie weit das mit der Zeit fürs Bett zu tun hat, kommt sehr auf die Gesellschaft an.

Was ist dein Partytrick?
Was genau ist ein Partytrick? Einen Weg  zu finden, um loszulassen und in „Feierlaune" zu geraten? Oder ein Trick andere dazu zu bringen? Oder irgendein Kunststück, das man aufführt um die anderen zu beeindrucken? Oh, ich bin überfragt.

Führe den Satz zu Ende: Musik klingt besser mit …
dem Gefühl, jemanden dabei zuzuhören.

Tracklist:

Anzeige

grischa lichtenberger, 0516_11_lv_1_d (unreleased 2016)
coh, their new polka, enter tinnitus (raster noton 1998)
alva noto + ryuichi sakamoto, morning, insen (raster noton 2005)
grischa lichtenberger, 0211_23 st thomas + 0613_re0809_11_44 point drs_compl loop + 0405_16_ss_1 (unreleased, various)
zeni geva & steve albini, godflesch, all right you little bastards! (nipp guitar 1993)
byetone, plastic star (session), death of a typographer (raster noton 2008)
grischa lichtenberger, 0215_04_re_0812_05_vl_2_c_2_b_arrg_rm1 (unreleased 2015)
kong nay, my life, mekong delta blues (long tale recordings 2007)
grischa lichtenberger, 0913_25_pn_strings 2+3# (unreleased 2013)
ketev, aleph, cambiare (opal tapes 2014)
grischa lichtenberger, 0812_08 mx (unreleased 2012)
grischa lichtenberger, 1115_fn_2, allgegenwart (upcoming raster noton 2016) 

Credits


Text: Moritz Gaudlitz
Foto: Grischa Lichtenberger 

more from i-D