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Fotograf Daniel Obasi erkundet Genderfluidität in Nigeria

Der junge Nigerianer hat die unangepasste Jugend in seiner Heimatstadt Lagos in einem neuen Kurzfilm dokumentiert.

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Aug. 27 2018, 2:15pm
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Eine neue Generation junger Kreativer aus den unterschiedlichsten Regionen Afrikas fängt die Energie ihres Kontinents ein – und ist stolz auf die lokalen Gemeinschaften, ihre Rituale und die unterschiedlichen Stile der Stämme. Einer davon ist der 22-jährige Fotograf Daniel Obasi, der die Modeszene und Jugend der nigerianischen Metropole Lagos fotografiert und filmt. In seinem neuen Kurzfilm Illegal spricht spricht er ein wichtiges Thema an, das im heutigen Nigeria noch immer als Tabu gilt: Genderfluidität.


Auch auf i-D: Was ein Frisörsalon für die lokale Community haben wir uns erklären lassen


"Das war ein schwieriges Projekt", sagt der junge Fotograf. "Besonders als junger Kreativer in einem Land wie Nigeria ist es ziemlich riskant, diese Dinge anzusprechen. Ich habe mir die Worte von Nina Simone zu Herzen genommen: 'Wie kannst du ein Künstler sein und nicht die Zeiten widerspiegeln?' Also zeige ich meine Interpretation von Afrofuturismus. Zu einer Zeit, in der es keine Rolle mehr spielt, welche geschlechtliche Identität du hast." Wir haben uns mit Daniel Obasi über das neue Selbstbewusstsein von jungen Afrikanern unterhalten.

Wie kam es zu deinem Kurzfilm Illegal?
Ich hatte einen Auftrag, Inhalte über die blühende Kunst- und Modeszene in Lagos zu produzieren. Darunter war auch das Projekt Illegal. Es ging darum, Themen wie Sexualität und Geschlecht in Nigeria zu beleuchten. Als queere Person in Nigeria musst du deine Sexualität verstecken und um Teil sogar heiraten, nur weil es Religion, Politik oder die eigene Familie so verlangen. Die meisten queeren Menschen in dem Land haben Angst davor, als Ausgestoßene diskriminiert, zurückgewiesen, gemobbt, inhaftiert oder noch schlimmer getötet zu werden.


Das zentrale Thema im Film ist das Unangepasste. Inwiefern spiegeln das die Figuren wider?
Alle Charaktere im Film verwischen Geschlechtergrenzen, wollen aber auch gleichzeitig auffallen. Als Junge darfst du in Nigeria weder Make-up tragen noch deine Haare stylen, oder dich feminin anziehen. Jedem Geschlecht sind von Geburt an bestimmte Rollen und Verhaltensweisen zugeordnet – mit diesen Erwartungen wächst du auf und verinnerlichst sie. Die Figuren sind androgyn und nicht nur auf ein Geschlecht beschränkt. Das war mir besonders wichtig.

Erzähle uns mehr über die Modeszene in Nigeria.
Es ist schwierig, zu definieren was nigerianische und was davon westliche Mode ist. Das liegt nicht nur am westlichen Einfluss auf das Land, sondern hängt auch damit zusammen, dass wir eine reiche Kultur an unterschiedlichen Stilen haben. Die Mode n meinem Film sollte nicht typisch afrikanisch sein, sondern nigerianisch. Ich habe bestimmte Elemente einfließen lassen, die typisch für unsere Kultur sind, wie rote Perlen und das Hairstyling.


Was für eine Rolle spielen die Frisuren?
Die Frisur heißt Kiko in Yoruba und wird traditionell von Mädchen mit dünnen, schwarzen Gummifäden eingedreht. Das ist eine Frisur, die jedes nigerianische Mädchen aus ihrer Jugend kennt. Ich bin damals mit meiner Schwester und meinen Cousinen auf den Markt gegangen, wo ihnen die Haare so für die Schule gemacht wurden. Ich saß daneben und habe zugesehen. Diese Frisur stellt auch eine Geschlechtertradition dar, die nur den Mädchen vorbehalten ist. Ich habe Jungen mit Braids, Bantu oder Perücken gesehen, aber nie mit Kiko.

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Du zeigst mit deinen Arbeiten eine Seite von Afrika, die die meisten außerhalb des Landes nicht sehen.
Wenn du noch vor 20 Jahren nach Bildern von Afrika oder Nigeria gesucht hast, hast du hauptsächlich Bilder von Armut, Konflikten und Problemen gesehen. Afrikaner haben damals so hart versucht, die Weißen zu imitieren, weil sie sich für ihre eigene Kultur geschämt haben. Das hat zu dem Eindruck geführt, dass Nigeria aufgrund schlechter Regierungsführung unsicher und in vielerlei Hinsicht unfortschrittlich sei. Ich glaube, das Bild ändert sich allmählich. Hoffentlich werden die Klischees bald ganz der Vergangenheit angehören.

Was willst du mit deinen Arbeiten erreichen?
Ich weiß nicht, ob meine Kunst die Welt verändern kann, aber ich möchte, dass meine Kunst etwas bewirkt. Sie soll andere Menschen dazu inspirieren, an sich selbst zu glauben und ein größeres Bewusstsein für Themen rund um Genderfluidität zu schaffen, gerade was die Situation in Afrika angeht.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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