Anzeige

"Fotografiere nicht für andere, sondern für dich selbst"

Lasse Dearmans Bilder sind ein Liebesbrief an die langen Sommer voller jugendlicher Freiheit. Wir stellen wir den jungen Fotografen genauer vor.

von Ryan White; Fotos von Lasse Dearman
|
Aug. 2 2018, 9:40am
Anzeige

Lasse Dearman wollte Fotografie an einer Uni studieren. Zwei Mal. Anstatt dessen verschrieb er sich der Jugendkultur. Seine Bildsprache besteht aus einer guten Portion DIY-Geist und viel Einfallsreichtum, die an Kunsthochschulen nicht gelehrt werden. Besonders gerne fotografiert Lasse die Skateboard-Szene – eine Community, die er selbst sehr gut kennt. "Ich bin in einer dänischen Kleinstadt aufgewachsen. Entweder haben wir Tony Hawk's Pro Skater 2 gespielt oder hingen im Skatepark herum. Hier habe ich auch zum ersten Mal mit meiner Kamera experimentiert", sagt der Däne.


Auch auf i-D: Adwoa Aboah interviewt für uns den legendären Modefotografen


In seinen Fotografien schwingt eine ganz besondere Energie mit, ein Mix aus jugendlicher Rebellion und Nihilismus, ohne dabei in Klischees abzudriften. Düstere Abendszenen, Privatpartys, perfekt kuratierte Outfits und Alkoholgelage: Seine Aufnahmen sind ein Liebesbrief an die langen Sommer voller jugendlicher Freiheit. Eine Zeit geprägt von der einzigartigen Langeweile, die wir als Teenager hassen und nach der wir uns als Erwachsene wieder sehnen. Mittlerweile hat Lasse den Skatepark fürs Fotostudio getauscht und arbeitet für internationale Modemagazinen wie Wonderland, Tank, Hero, Heroine und Man About Town. Wir haben uns mit dem jungen Dänen über sein Leben als professioneller Fotograf unterhalten.

Wie bist zur Fotografie gekommen?
Einer der ersten Fotografen, deren Arbeit mich wirklich beeinflusst hat, war JH Engstrom. Ich habe mir sein Buch Haunts gekauft, nachdem ich ein paar seiner Fotos gesehen hatte. Es hat mir die Augen geöffnet, besonders in Bezug darauf, dass Fotografie eine ganz eigene Sprache sein kann.

Wie sorgst du dafür, dass sich deine Fotografien immer noch frisch und neu anfühlen?
Ich habe so viel für Kunden und Magazine geshootet, dass es mir immer schwerer fällt, meine Ästhetik nicht zu sehr in eine kommerzielle Richtung zu lenken. Das hat sich nicht richtig angefühlt, deswegen fotografiere ich im Moment wieder nur für mich. Das motiviert mich. Fotografiere nicht für andere, sondern für dich selbst – so werden sich deine Arbeiten von der Konkurrenz abheben.

Analog oder digital?
Analog, ich gebe wahrscheinlich mehr Geld für Equipment aus, als ich sollte. Aber das ist es mir im Moment auch wert.

Was ist die größte Herausforderung als junger Fotograf?
Manchmal finde ich es schwierig, bei Auftragsarbeiten so persönlich zu sein, wie ich es in meinen privaten Projekten bin. Daran arbeite ich ununterbrochen.

Wie findest du eine Balance zwischen Kreativität und Kommerz?
Ich wähle meine Aufträge sehr bewusst. Ich versuche, nur die Jobs zu machen, die ich zumindest ein bisschen spannend finde. Natürlich ist das einfacher gesagt als getan. Nicht jeder kommerzielle Job ist speziell auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten, das würde auch gar nicht funktionieren. Aber ich denke, wenn du bei den richtigen Aufträgen ja sagt, bekommen die Auftraggeber eine Ahnung davon, wer du bist und was du fotografierst.

Anzeige

Was braucht ein Bild, um dich zu überzeugen?
Wenn es mich auf eine neue Weise berühren kann, neue Gefühle weckt oder dafür sorgt, dass man die Welt anders betrachtet. Ich schätze es sehr, wenn der Fotograf auf dem Foto genauso präsent ist wie sein Motiv.

Wie wichtig ist das Internet für deine Arbeiten?
Es ist ziemlich einfach zu erkennen, wer mit Herzblut beim Fotografieren dabei ist und wer nicht. Das Internet hilft dafür extrem bei der Recherche. Durch die sozialen Netzwerke erreichst du Leute, die du sonst nicht erreichen würdest.

Wie sieht die Zukunft der Fotografie aus?
Die Leute schätzen wieder gute Aufnahmen und die eigenen Bilder bekommen endlich die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Für mich entwickelt sich die Fotografie in eine positive Richtung.

Warum ist Print immer noch wichtig?
Weil Print die Aufmerksamkeit der Leser ganz anders fordert als das Internet. Fotografien gehören einfach gedruckt, das ist ihr eigentlicher Zweck. Die stetige Zunahme digitaler Technologien wird nur noch mehr dafür sorgen, dass Print an Bedeutung gewinnt. Bücher und Zeitschriften sorgen auch für ganz andere Layout-Möglichkeiten. Aufnahmen haben eine Reihenfolge, man blättert Seite für Seite. Das ist ein schönes Erlebnis und etwas, das die digitale Welt nie auf diese Weise reproduzieren kann.

@lassedearman

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

more from i-D