Anzeige

Dieser Berliner Underground-Künstler begeistert sogar Björk

Willkommen in der Welt von Lotic.

von Juule Kay; Fotos von Matt Lambert
|
Juli 18 2018, 2:59pm

Was machst du, wenn du an keinen Ort so richtig passt? Richtig, du erschaffst ihn dir selbst. Und genau das hat J’Kerian Morgan, geboren in Houston und besser bekannt unter dem Künstlernamen Lotic, gemacht. "Ich habe zwar das Gefühl, dass es etwas ist, das sich immer wieder verändert, aber mit meinem Album habe ich definitiv einen solchen Ort kreiert."

Anzeige

Die Rede ist von Lotics Debütalbum Power, auf dem flüsternde Worte auf elektronisch-experimentelle Klänge und HipHop-Beats treffen. Für einen kurzen Augenblick lässt uns Morgan in eine andere Welt eintauchen, in der uns die elektrisierende Spannung förmlich den Atem raubt und mit einer unbehaglichen Zufriedenheit zurücklässt. Power bedeutet für Lotic nicht nur Liebe, sondern auch das Gefühl, keine Angst haben zu müssen, sondern völlig du selbst zu sein, ohne von äußeren Umständen beeinflusst zu werden.

Erst letzte Woche wurde Power im Zuge einer Residency im Berliner MONOM vorgestellt. Ein Ort, der die Intimität von Lotics Musik perfekt widerspiegelt. Wir stellen dir die Underground-Größe genauer vor, die sogar Björk begeistert.


Auch auf i-D: Matt Lambert zeigt dir Bowies Berlin


Es ist OK, sich ein wenig zu verlieren, bevor du wieder zu dir selbst findest
Nichts scheint zu funktionieren, geschweige denn vorwärts zu gehen? Wir alle waren schon an diesem Punkt und doch geben wir es nur ungern zu. Stillstand ist nicht gerade das, was man sich als Künstler wünscht und doch bist du nicht alleine damit. "Ich musste meine Stärke in den letzten Jahren erst wieder finden", erklärt Lotic. "Ich gehöre zwar zu der Sorte Mensch: Ich wusste schon immer, wer ich bin, doch irgendwann war ich mir nicht mehr so sicher." Es ist völlig normal, nicht genau zu wissen, was dich als nächstes im Leben erwartet, solange du an dich glaubst und dein Ziel nicht aus den Augen verlierst.

Ohne Berlin würde Lotic vermutlich nicht existieren
"Zieh' niemals blind irgendwohin", gibt uns Morgan mit auf den Weg. Eine Weisheit, die Lotic selbst erst lernen musste. 2012 hat es Morgan nach Berlin verschlagen, weil das Leben in den Staaten immer schwieriger wurde. "Ich hatte teilweise Angst, das Haus zu verlassen, also wollte ich dem Land den Rücken zukehren und schauen, was passiert." Doch wie jeder von uns weiß, meinen es Großstädte nicht immer gut mit einem. Anfangs steckte Lotic in einer kaputten Beziehung fest und hatte Depressionen, doch wurde das selbsternannte Houston-Girl schnell Teil der Berliner Partyreihe Janus, die mittlerweile regelmäßig in der Säule im Berghain stattfindet. Das gab Morgan die richtige Grundlage, um an einem eigenen Musikprojekt zu arbeiten. "Ohne Berlin hätte ich wahrscheinlich keine Karriere", gibt Lotic zu.

So etwas wie Genres existieren nicht
"Musiker sollten nicht mit Genres arbeiten", erklärt Lotic. Und das aus einem einfachen Grund: "Die Musik, die mir selbst gefällt, ist so eng mit der jeweiligen kunstschaffenden Person verbunden, dass sie ohne diesen nicht existieren würde – und genau das wollte ich auch immer erreichen." Lotics Musik ist definitiv emotional, in eine der vielen Schubladen lässt sie sich trotzdem nicht stecken – weder was das Geschlecht noch die Musik angeht. "Meine Musik hat kein Genre, sie ist einfach ich selbst."

Alles ist ein Experiment – auch kreative Löcher
"Ich mag es nicht, viel Zeit mit ein und derselben Sache zu verbringen", erklärt Lotic weiter. "Wenn du etwas nicht lösen kannst, solltest du es kurz ruhen lassen und später mit einem klaren Kopf nochmal rangehen." Das lässt sich nicht nur in einem Musikkontext unterschreiben, sondern trifft auch auf so ziemlich jede andere Lebenslage zu. Und mit diesem Blick auf Probleme, gibt es kreative Löcher auch quasi nicht: "Ich stecke nie wirklich richtig fest, weil ich alles als eine Art Experiment sehe."

Björk ist ein großer Fan
Vor drei Jahren durfte Lotic gemeinsam mit Arca als Opening-Act für Björks Konzert in Berlin auftreten. "Es waren 10.000 Menschen, dafür war ich absolut nicht bereit, aber ich habe viel gelernt", so Morgan über den Auftritt. "Unter anderem, dass Björk-Fans ausschließlich Björk-Fans sind." Auch wenn es wie ein Klischee klingt: Am nächsten Tag hat sich Morgan trotzdem wie ein anderer Mensch gefühlt – und das hört man auch heute noch in Lotics Musik.

Anzeige

@lxtic

Lotics Debütalbum "Power" ist auf Tri Angle Records erschienen und ab sofort erhältlich.

more from i-D