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Diese nicht-binäre, asexuelle Illustratorin verwandelt ihre Pickel in Kunst

Die junge Französin Izumi Tutti spricht mit uns im Interview über Identität und erklärt uns, warum man sich niemals für seine Pickel schämen sollte.

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Apr. 23 2018, 10:24am

Foto: Screenshot von Instagram

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Izumi Tutti hat schon als Kind den Konformitätsdruck der Gesellschaft gespürt: die vielen normativen Schönheits-, Geschlechts-, Style- und Sexualitäts-Standards. "Als Kind dachte ich, dass ich hässlich bin", sagt uns Izumi. "Ich war stark behaart. Mein Gesicht hatte zu maskuline Züge, meine Augenbrauen waren zu groß und meine Augen zu klein. Ich habe öfter versucht, wie ein Junge auszusehen. Ich habe mich mehr als Junge identifiziert. Mir wurde beigebracht, dass Mädchen gezupfte Augenbrauen, große Augen und absolut keine Körperbehaarung haben sollten. Und weil ich das alles nicht hatte, habe ich mich nicht als Mädchen gefühlt." Mittlerweile ist Izumi erwachsen und ihr könnten normative Schönheitsideale nicht egaler sein – und das sagt und zeigt sie auch öffentlich. Zum Beispiel in ihrer Instagram-Biografie. Dort beschreibt sie sich als nicht-binär, gray-asexuell ("Ich erwähne das in meiner Bio, weil das sie Sichtbarkeit der Gruppe verbessert"), body-positive, und Anhängerin von Alternative Style.


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Aufgewachsen ist Izumi in der französischen Provinz, dort wurde sie von ihren Mitschülern gemobbt. Ihre Lehrer fanden sie lächerlich. Die Kunst bot ihr Zuflucht: "Ich liebe Kunst, besonders Illustration, Malerei, Fotografie, Make-up, Tattoos und Mode", sagt Izumi. "Ein Outfit zusammenzustellen, ist für mich eine Kunstform." Im Internet fand Izumi Gleichgesinnte und fühlte sich weniger allein. "Ich habe Arvida Byström und Molly Soda für mich entdeckt. Das sind feministische Aktivistinnen, die mit Stolz ihre Achselhaare zeigen, Schönheitsstandards infrage stellen und zeigen, wie wichtig es ist, dass man sich nicht nach den Vorstellungen der Männer richtet", sagt Izumi. "Durch Werbung und Fernsehen habe ich als Kind beigebracht bekommen, dass Frauen rasiert sein müssen, um als attraktiv zu gelten. Biologisch betrachtet bin ich weiblich, aber ich habe mich nie als Mädchen identifiziert. Ich bin stark behaart. Als ich gesehen habe, was Molly und Arvida machen, konnte ich mit ihnen identifizieren. Ich habe mit dem Rasieren aufgehört und hatte endlich ein besseres Körpergefühl."

Durch die Arbeiten von Molly und Arvida fand Izumi Zugang zu den Diskursen rund um Body-Positivity, Gender, Rassismus, Homophobie, Transphobie und andere Formen der systematischen Unterdrückung von allem, das nicht der weißen Heteronormativität entspricht. "Ich habe mein politisches Bewusstsein entdeckt", so Izumi. "In den sozialen Netzwerken habe ich alternative Meinungen kennengelernt, die sich nicht nach den Mainstream-Vorstellungen richten. Ohne Social Media hätte ich wahrscheinlich nie gelernt, wie gefährlich es ist, wenn man viel Wert auf das eigene Äußere legt, und ich hätte auch nicht gelernt, mich selbst zu lieben." Sie wollte selbst aktiv werden und hat ihren Ausdruck in Illustrationen gefunden. Sie hinterfragt damit den Status quo von Schönheitsnormen und Geschlechts-Identitäten. "In meinen Arbeiten stelle ich ganz unterschiedliche Körperformen vor", sagt sie. "Ich zeige ganz verschiedene Menschen und fälle kein Urteil über sie. Für mich ist Schönheit nicht in Stein gemeißelt. Die Schönheitsvorstellungen ändern sich im Laufe der Zeit."

Izumis schafft Kunst nicht nur auf der Leinwand, sondern auch auf ihrem eigenen Körper, genauer gesagt: ihrer Haut. Nachdem sie jahrelang ihre Pickel auf Fotos wegretuschiert hat, fing sie durch die Body-positive-Bewegung an, ihre Mitesser anzunehmen. Sie verbindet sie miteinander und schafft so Muster, die sie auf ihrem Instagram-Account teilt. "Ich kann meine Pickel nicht kontrollieren. Aber ich kann darüber bestimmen, wie sie aussehen", schreibt sie unter einem Post.

Die Bilder gingen zu Izumis Überraschung viral, Menschen aus der ganzen Welt schickten ihr daraufhin Fotos ihrer Pickel zu. "Das hat mich so glücklich gemacht", erklärt sie. "Ich hätte nie gedacht, dass die Fotos so viele andere ansprechen würden. Ich wollte einfach zeigen, dass man auch mit Pickeln schön sein kann. Und fast noch wichtiger: Es ist total normal, Mitesser zu haben. Es wäre schon viel erreicht, wenn wir über Pickel und Akne nicht immer nur im Kontext von Behandlungen reden würden. Wenn in den Medien mehr Bilder von Menschen mit Pickeln und Akne zu sehen wären, würde das die Sichtweise auf Akne ändern."

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Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.


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