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"American Boys Project" will deinen Instagram-Feed mit Trans-Männern überschwemmen

Fotografin Soraya Zaman schafft mit Hilfe sozialer Medien einen sicheren Ort für die Transgender-Community.

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Juni 28 2018, 11:00am
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Langsam aber sich ändert sich etwas an den Einstellungen zu Geschlechtlichkeit und Sprache im Mainstream. Auch in der Popkultur schaffen sich Trans-Menschen nun authentische, mehrdimensionale Projektionsflächen. Während Trans-Charaktere in Filmen und im Fernsehen jenseits von Stereotypen immer häufiger anzutreffen sind, gibt es immer noch eine Menge zu tun. Der erste Schritt geht in Richtung einer größeren Vielfalt nicht-binärer Geschichten.


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Mit ihrem @americanboysproject möchte Fotografin Soraya Zaman dazu beitragen, dass unsere Wahrnehmung der männlichen Trans-Community noch vielfältiger wird. Auf ihrem Instagram-Account zeigt Soraya den Zuschauern eine große Bandbreit an Transgender-Identitäten und -Erfahrungen. Es ist ein sicherer Ort für alle, die nicht in die strenge Cis-Zweigeschlechtlichkeit der Mainstream-Gesellschaft passen. Dabei identifiziert sich die Fotografin selbst als genderqueer: "Ich hatte es in meiner Jugend schwer. Es gab niemanden, der mir hätte helfen können, mit meiner geschlechtlichen Identität klarzukommen.". Wir haben mit Soraya über die Repräsentation von Trans-Schönheit in der Popkultur gesprochen und einen Einblick in ihr Projekt bekommen.

Aodhàn

Erzähl uns ein bisschen mehr über dein Projekt.
Als ich vor fast drei Jahren damit angefangen habe, war es noch ein persönliches Projekt. Bei jedem Shoot habe ich gespürt, wie dankbar die Models waren, dass es so etwas gibt. Und wie wichtig es ihnen ist, ihre Geschichten zu erzählen. Es liegt in meiner Verantwortung, ihre Reise angemessen zu begleiten und mein Bestes zu geben, diese mit der Welt zu teilen.

Tyler

Welche Botschaft steckt hinter deinen Fotografien?
Es geht um das Mensch-Sein. Ich möchte die Verletzlichkeit, den Humor und das Ehrliche in jedem der Models zeigen. Damit kann sich jeder Betrachter identifizieren, unabhängig von der eigenen geschlechtlichen Identität. Das sind universelle Eigenschaften. Für junge Menschen aus der Trans-Community oder junge nicht-binäre Menschen tragen die Aufnahmen hoffentlich dazu bei, dass sie sich ermutigt fühlen, ihr authentisches Ich zu leben. Vielleicht liest diesen Artikel auch jemand aus ihrer Familie und fühlt sich wohler mit dem Prozess der Angleichung.

Ich bin fest davon überzeugt, dass auch Menschen außerhalb der LGBTQ-Community Fragen haben und mehr wissen wollen. Das Projekt soll ihnen die Angst davor nehmen. Ängste, Vorurteile, Transphobie und Missverständnisse entstehen durch fehlendes Wissen und Informationen. Sich Fotografien anzuschauen und die Geschichten der Models zu lesen, ist ein erster Schritt, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Benson

Wie siehst du die Repräsentation von Trans-Schönheit in der Popkultur?
Die männliche Transgender-Community ist in den Mainstream-Medien extrem unterrepräsentiert. Wenn Trans-Männer repräsentiert werden, werden ihre Körper oft fetischisiert und in Artikeln wie "Die 10 heißesten Trans-Männer" sexualisiert. Meine Fotografien sind roher und zeigen eine authentische Darstellung der Trans-Identität. Ich zeige ihre Geschichte.

Elias

Was hat dich am meisten bei dem Projekt überrascht?
Bevor ich mit dem Projekt anfing, habe ich mich auf sehr viele traurige Schicksale eingestellt. Familien, die ihre Kinder verstoßen und verleugnen, weil die trans* sind. Ich will nicht falsch verstanden werden: Viele mussten in ihrer Familie und bei ihren Freunden um Akzeptanz kämpfen und das war und ist oft extrem schwierig. Es gibt Geschichten, die mir das Herz gebrochen haben. Ich war jedoch angenehm überrascht von der Anzahl positiver Geschichten. Zu hören, dass sich die Eltern für ihr Kind entscheiden, weil sie gemerkt haben, wie glücklich es ist, weil es endlich so sein kann, wie es schon immer war. Zu sehen, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder lieber glücklich und lebendig sehen als depressiv und mit Selbstmordgedanken.

Caden
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Die meisten deiner Models nehmen seit Monaten Testosteron, einige sogar seit Jahren. Möchtest du auch Menschen zeigen, die erst am Anfang der Angleichung stehen?
Jeder, den ich fotografiert habe, fing gerade mit der Testosteron-Therapie an. Das war aber nicht geplant, sondern hat sich so ergeben. Ich suche nach Geschichtenerzählern und habe dabei Chella Man kennengelernt und wusste, dass er ein Teil des Projekts werden muss. Zum Zeitpunkt des Shootings war er schon seit zwei Wochen in der Testosteron-Therapie. Ich nenne den Zeitraum der Therapie bei jeder Fotografie – nicht um es als irgendeine Form der Eingrenzung ihrer Identität zu nehmen, sondern als Zeitmarker. Die Fotografien sind alle vor mehreren Jahren entstanden und einige haben sich in der Zwischenzeit sehr verändert.

Chella Man

Warum ist es dir wichtig, die männliche Trans-Community zu verschiedenen Zeitpunkten zu zeigen?
Weil die Menschen zu verschiedenen Zeitpunkten verschiedenen Ansichten über die Angleichung haben. Alle haben ihre Berechtigung und sollten mit anderen geteilt werden. Es ist erstaunlich, wie die Hormontherapie den menschlichen Körper formt und den Menschen dabei hilft, in Einklang mit ihrer geschlechtlichen Identität zu leben. Sie können so aussehen und sich der Welt so präsentieren, wie sie wollen.

Dominic

Warum gehst du mit deinem Projekt jetzt an die Öffentlichkeit?
Weil Millennials das Thema Gender pushen und weiterentwickeln. Auf der ganzen Welt sorgen sie dafür, dass wir nochmal darüber nachdenken und neue Wege finden, damit umzugehen. Die jungen Menschen sagen: 'Mein Körper ist keine Repräsentation meiner geschlechtlichen Identität.'

Die Leute auf meinen Fotografien sind Pioniere. Sie gehören der Generation an, die schon seit der Jugend Hormone nehmen. Ich hoffe, dass diese Arbeit rückblickend als Zeitdokument dafür gilt, wie wir Anfang des 21. Jahrhunderts auf das Thema geschaut haben und in welchem politischen Klima die Auseinandersetzung stattfindet.

Ethan
Gabe
Jaimie
Jimi
Rufio
Sam
Teddy
Thomas

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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