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"Das ist nicht Trumps Amerika, sondern das echte"

Die tschechische Fotografin Marie Tomanova zeigt, wie vielfältig die junge Generation in den USA ist.

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Juli 26 2018, 2:21pm
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Ein nackter Körper, der sich geschmeidig auf einem Baum räkelt. Zwei Liebende in einer Badewanne. Nein, das sind keine Szenen aus S ex and the City. Die HBO-Serie über die vier Frauen in Manhattan, die ununterbrochen Cocktails schlürfen, hat Marie Tomanovas Bild von der amerikanischen Metropole entscheidend geprägt. Durch die Familie ihrer besten Freundin ist sie damals an die DVDs der Serie gekommen und hat sie bereits verschlungen, bevor es den Begriff Binge-Watch überhaupt gab. Das Bild entsprach definitiv nicht der Wahrheit, als sie das erste Mal nach Amerika kam, um als Au-Pair zu arbeiten.


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Von i-D Coverstar Jazzelle Zanaughtti bis Studenten auf Galerie-Eröffnungen: In ihrer neuen Ausstellung Young American sind über 200 Porträts der jungen kreativen Community New Yorks zu sehen. Die gebürtige Tschechin hat sie in ihren eigenen Schlafzimmern, auf dem Badezimmerboden, im Club und auf den Straßen der Metropole fotografiert. Marie Tomanova dokumentiert, was es bedeutet, jung und einzigartig zu sein.

"Ich habe durch die jungen Menschen erst entdeckt, was Amerika wirklich ist", sagt die Fotografin über die Kids, die Teil ihrer Serie sind. "Es ist ein ganz andes, als ich es mir vorgestellt habe. Das ist nicht Trumps Amerika, sondern das echte." Was der amerikanische Traum bedeutet, entscheidet nicht die Regierung, sondern wird geprägt durch die Menschen, die hier leben." Wir haben mit der jungen Fotografin genau darüber gesprochen.

Was hast du über Amerika gedacht, bevor du zum ersten Mal dort warst?
Mit 16 war ich von Sex and the City besessen. Die Cousins meiner besten Freundin haben uns damals DVDs gebrannt und uns geschickt, ansonsten hätten wir die Serie nie schauen können. Ich war verrückt nach der Serie. Als ich dann in die USA kam, war natürlich nichts so wie in Sex and the City.

Was hat dich zu deiner Fotoserie Young American inspiriert?
Ich bin selbst eine Einwanderin und hatte bestimmte Vorstellungen davon, was dieses Land repräsentiert. Mit der Realität in den Vereinigten Staaten stimmten diese aber wenig überein. Das war aufregend, aber auch ein wenig enttäuschend und verwirrend. Mir wurde aber schnell klar, dass ich mich mit dem Amerika der jungen Menschen identifizieren kann: Sie haben eine Stimme. In sozialen Netzwerken wie Instagram sprechen sie über Themen wie #MeToo und die Waffenkontrolle. Sie lassen nicht locker, bis diese Themen die Schlagzeilen der Mainstream-Medien beherrschen.

Wie hast du es geschafft, dass deine Fotografien so intim wirken?
Die meiste Zeit haben wir einfach nur gequatscht und nur wenig davon fotografiert. Ich liebe es, mehr über einen Menschen zu erfahren: Wo kommst du her? Was sind deine Träume? Und was ist dir Wichtig? So viele meiner Models haben sich mir anvertraut und das spiegelt sich auch in den Fotos wider. Ich habe in ihnen das Amerika gefunden, von dem ich immer geträumt habe.

Wie viel steckt von dir selbst in deinen Arbeiten?
Ich habe mein Heimatland verlassen und lebe jetzt auf der anderen Seit der Welt, trotzdem bin ich immer noch ich selbst. Ich hatte mehrmals das Gefühl, dass ich mich verliere und nicht mehr weiß, wer ich bin. Aber du kannst mehrere Gesichter haben. Selbstporträts haben mir dabei geholfen, mehr über mich zu lernen und mich besser zu verstehen. Natürlich ist Sexualität ein Thema, aber ich würde sagen, dass es noch mehr um Identität und Migration in meinen Fotos geht. Ich musste erst auf einen neuen Kontinent ziehen, um mir so richtig bewusst zu werden, wer ich wirklich bin.

@marietomanova

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"Young American" läuft noch bis zum 10. August im Tschechischen Zentrum in New York. Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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