Anzeige

Wie du als queerer Teenager in Südafrika aufwächst

Wir haben einige bekannte Gesichter der LGBTQ-Community Kapstadts gefragt, mit welchen Herausforderungen sie bis heute zu kämpfen haben und welchen Rat sie jemandem geben würden, der auf der Suche nach sich selbst ist.

von Juule Kay; Fotos von Marius Knieling
|
Juni 21 2018, 12:06pm

Brandon Browne, 19

Anzeige

Was machst du? Ich bin Model. Wie drückst du dich durch deine Arbeit aus? Als ich mit dem Modeln angefangen habe, hatte ich große Probleme, meine Persönlichkeit auf Fotos zu zeigen. Ich dachte immer, ich müsste ein bestimmtes Bild verkörpern. Bis ich herausgefunden habe, dass ich sowohl vor als auch ohne Kamera ich selbst sein kann. Wie bist du als queerer Teenager in Südafrika aufgewachsen? Es war eine extreme Herausforderung, weil ich ständig Angst hatte, meine Sexualität in der Öffentlichkeit zu zeigen. Das hat mich dazu gezwungen, sehr schnell erwachsen zu werden. Welchen Rat würdest du jemandem geben, der auf der Suche nach sich selbst ist? Öffne dich anderen und sehe alles als Chance. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass mich eine Modelagentur unter Vertrag nehmen wird. Bis ich die Chance wahrgenommen habe und es mir so gut gefiel, dass ich jetzt Vollzeit als Model arbeite. Du hast einen freien Tag. Wohin gehst du? Ich liebe es, neue Leute kennenzulernen und mit Freunden abzuhängen, aber das queere Nachtleben kann auch großartig sein. Der beste Ratschlag, den du je bekommen hast? Wenn du versagst, sieh es positiv. Auch wenn es gerade nicht so läuft, wie du es dir vorstellst, kannst du immer etwas daraus lernen. Wofür wird deine Generation in Erinnerung bleiben? Grenzen zu überschreiten. In den letzen Jahren hat meine Generation die Gesellschaft und ihre Wertvorstellungen herausgefordert, um neue Fragen hinsichtlich Identität, Politik und Gender aufzuwerfen.

@brandon.idk

Daniel Walton, 19

Anzeige

Was machst du? Ich bin Fotograf, Maler und Club Queen. Wie bist du als queerer Teenager in Südafrika aufgewachsen? Es war sehr schwierig. Vor allem, wenn du femme oder trans bist oder dich keinem Geschlecht zuordnest. Jeder, der das Konzept der Cis-Hetero-Maskulinität bedroht, wird hier auf die ein oder andere Art bestraft. Es gibt sehr viel Gewalt und viele aus der Community werden versucht, mundtot zu machen. Sobald du aber deine Schwestern und deine Familie gefunden hast, wird alles einfacher. Was ist das Beste an Kapstadt, was das Schlimmste? Hier leben so viele Kreative, die Dinge machen, die du so noch nicht gesehen hast. Leider gibt es aber immer noch sehr viel Queerphobia. Welchen Rat würdest du jemandem geben, der auf der Suche nach sich selbst ist? Du bist nicht allein. Du hast eine Familie, die dich unterstützt, du musst dich nur aufraffen und erkennen, was du wirklich willst. Sobald du anfängst, dich zu akzeptieren und zu lieben, werden die guten Dinge von alleine auf dich zukommen – und du wirst die richtigen Menschen anziehen. Der beste Ratschlag, den du je bekommen hast? Das klingt vielleicht abgedroschen, aber verändere dich für niemanden. Ich versuche, jeden Tag aufs Neue, ich selbst zu sein und schätze mich glücklich, der Mensch zu sein, der ich bin. Was ist das Mutigste, das du heutzutage als Teenager machen kannst? Nicht darauf zu scheißen, sondern dich auf dein eigenes Glück zu konzentrieren.

@danielwaltonn

Luvuyo Equiano Nyawose, 24

Anzeige

Was machst du ? Ich bin Filmemacher und Künstler. Wie drückst du dich durch deine Arbeit aus? Ich möchte durch meine Filme den Diskurs anregen über alles, das Südafrika gerade beschäftigt. Das Publikum soll sich mit wichtigen Themen wie Rassismus, Homophobie, Queerphobia, Ungerechtigkeit und Afrophobia auseinandersetzen. Wie bist du als queerer Teenager in Südafrika aufgewachsen? Ich habe mich in meiner Kindheit oft selbst angelogen, was meine Sexualität betrifft. Im Nachhinein habe ich das nur getan, um mich selbst zu schützen. Ich wurde erst kürzlich schmerzlich daran erinnert, wie ich jeden Tag in der Schule dafür gemobbt wurde, dass ich weiblich bin. Ich konnte meine sexuelle Orientierung nie wirklich erforschen, weil mir im Alter von drei Jahren gesagt wurde, dass ich schwul sei. Damals wusste ich noch nicht, was das bedeutet. Ich habe nur am Tonfall gemerkt, dass es etwas Falsches ist. Worauf freust du dich dieses Jahr am meisten? "Ses’fikile - siwu mndeni", was so viel bedeutet wie "Wir sind hier, wir sind eine Familie". Es ist eine Veranstaltung, die sich für sichere und queere Orte einsetzt. Neben Performances von FAKA und Angel-Ho wird es auch eine Filmpremiere von Queenie geben, der von Jabu Nadia Newman und mir produziert wurde und sich mit der Bedeutung der Darstellung queerer und trans People of Color auseinandersetzt. Was ist das Beste daran, im Jahr 2018 jung zu sein? "isikhati sethu manje", was so viel bedeutet wie Unsere Zeit ist jetzt und "Siyababonisa", Wir zeigen es ihnen.

@luvuyoequianonyawose

Hayden Del Rey, 26

Anzeige

Was machst du ? Ich bin Stylist und Model. Wie drückst du dich durch deine Arbeit aus? Ich habe schon immer gerne mit Kleidung experimentiert und verschiedene Looks ausprobiert. Mein Stil hängt sehr von meiner Laune ab: An manchen Tagen ziehe ich mich minimalistisch an, an anderen bin ich das komplette Gegenteil. Wie bist du als queerer Teenager in Südafrika aufgewachsen? Ich hatte Glück, weil ich mit queeren Familienmitgliedern – und damit in einer sicheren Umgebung – aufgewachsen bin. Das heißt leider noch lange nicht, dass ich in der Öffentlichkeit nicht für meine Weiblichkeit schikaniert wurde. Ja, es war schwer, aber es hat mich definitiv stärker gemacht. Welchen Rat würdest du jemandem geben, der auf der Suche nach sich selbst ist? Gib nicht auf und lass dich nicht entmutigen. Hör nie auf zu lernen und dich für neue Dinge zu interessieren. Meine Mutter hat mir immer gesagt, dass ich einfach machen soll – das bringt es ganz gut auf den Punkt. Was möchtest du auf der Welt verändern ? Die Frage ist vielmehr, was ich nicht verändern will. Ich spüre immer noch eine starke Exklusivität innerhalb der Community. Jeder sollte Teil davon sein dürfen und wertgeschätzt werden. Wir leben gerade in einer komischen Zeit, und doch gibt es Menschen wie Janelle Monae, die Drag-Szene und die #MeToo-Bewegung, was mich dazu bringt, an eine sehr befreiende Zeit zu glauben – genau dafür bin ich offen!

@haydie_

Credits


Fotos: Marius Knieling
Styling: Mikhailia Petersen

more from i-D