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Die Liebesgeschichte zwischen HipHop und Animes

Was haben Frank Ocean und "Dragon Ball Z" gemeinsam? Wir verraten es dir.

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März 13 2018, 2:33pm

Foto: Collage via i-D UK

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Anime-Fans haben den Ruf, Nerds oder Cosplay-Liebhaber zu sein. Doch die japanische Kunstform beeinflusst einige der bekanntesten Rapper bereits seit Jahrzehnten und wurde zum festen Bestandteil der Rap-Kultur. Ob fantasievolle Themen, außergewöhnlich gewöhnliche Helden oder samplefreundliche Soundtracks: Diese Cartoons haben etwas, das bei den MCs unglaublich gut ankommt. Viele der Rapper identifizieren sich mit dem "Alleine gegen den Rest der Welt"-Geist, der in den Anime-Abenteuern steckt.


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Animes geben Menschen Hoffnung – und danach suchen viele junge Rapper, egal woher sie kommen. "Sie stehen für die Idee, dass du stark sein kannst, ohne zwingend Muskeln zu haben", sagt uns Musiker Che Lingo. Animes beeinflussen das Leben und die Musik des MC aus London. "Die Anime-Filme und -Serien zeigen grenzenloses Potenzial und stehen für Hoffnung, auch in düsteren Zeiten. Einige der besten und erfolgreichsten Tracks teilen diese Werte", so Che. "Im Kern geht es bei Animes um dramatisierte Dialoge, die einfachste Emotionen und Interaktionen bis ins Extreme überzeichnen. Als Kind haben sie mir gezeigt, dass ich meine Gefühle ausleben kann. Im Gegensatz dazu, was von mir als schwarzer Junge im Süden Londons erwartet wurde."

Viele Musiker identifizieren sich mit den Anime-Helden. Manche verwandeln sich in ihren Musikvideos sogar selbst in Cartoon-Figuren. Kanye West zeigt im Video zu "Stronger" seine Liebe zum Kultfilm Akira, indem er Szenen daraus zitiert. Er ist sogar in derselben Maschine zu sehen wie die Hauptfigur Tetsuo. In einigen Einstelllungen trägt Kanye sogar die gleichen Outftits wie sein Anime-Gegenpart.

HipHop-Künstler Lil Uzi Vert, der gerne auf Anime-Conventions geht, hat seine Hommage auf ein höheres Level gebracht und sich in seinem Video zu "Ps & Qs" in einen Anime-Charakter verwandelt.

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Rapper und Wu Tang Clan-Mitglied RZA hat sich gleich eine ganze Anime-Serie (Afro Samuari) zugelegt und den dazugehörigen Soundtrack (Afro Samurai: The Album) geliefert, auf dem auch Big Daddy Kane, Q-Tip und Wu-Mitglied GZA zu hören sind. In seinem Buch The Tao of Wu schrieb RZA, dass "Animes die Reise des schwarzen Mannes in Amerika repräsentieren." Beide Sphären (HipHop und Anime) haben eine wichtige Eigenschaft gemeinsam: Sie erschaffen ein alternatives Universum für Menschen, die nicht zur Mainstream-Gesellschaft gehören – die Außenseiter.

Wu-Tang sind längst nicht die einzigen, auch Rapper wie Frank Ocean sind dem Anime-Hype verfallen. In seinem Track "Pink Matter" erwähnte er die bekannte Serie Dragon Ball Z: "This great grey matter / sensei replied, what is your woman / is she just a container for the child / that soft pink matter / cotton candy Majin Buu." Danny Down rappt "smoking on some goku, buds like dragon balls" auf dem Track "Shooting Moves" und Childish Gambino erklärt "Honestly, I'm rappin’ 'bout everything i go through / everything I'm sayin', I’m super sayin' like goku" in seinem Song "My Shine". Gambino erwähnt die Serie nicht nur in seinen Tracks, sondern auch als Stand-up-Comedian und hatte deswegen Online-Beef mit seinem Rap-Kollegen Lupe Fiasco (auch wenn die beiden später erklärt haben, dass das alles nur ein Spaß gewesen sei). Im Interview mit 88rising – ein Musiklabel, das sich asiatischer und HipHop-Kultur verschrieben hat –, sprach Lil Yachty über Dragon Ball Z, Underground-Animes und die japanische Kultur.

Doch im HipHop finden sich nicht nur Anime-Themen wieder. Es ist auch der Sound: Viele Rapper sampeln die Soundtracks der Filme und Serien. Die HipHop-Crew Das Racist sampelte auf "Rapping 2 U" die Filmmusik von Samurai Champloo, Wiz Khalifa und Snoop Dogg verwendeten für ihren Song "No Social Media" die Melodie des Horror-Animes Higurashi no Naku Koro Ni. Chance the Rapper verwendete für sein Debüt-Mixtape 10 Day sogar eine ganze Szene aus Gundam Wing.

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Diese Liebesgeschichte ist aber keinesfalls eine einseitige. Anime und japanische Künstler nutzen HipHop ebenfalls musikalisch, thematisch und kulturell in ihren Arbeiten. Es gibt ein Video, das Joey Bada$$ im Alter von 15 zeigt, wie er über "Feather" von Nujabes rappt. Nujabes ist einer der größten japanischen HipHop-Produzenten und hat am Soundtrack zum Film Samurai Champloo mitgewirkt.

Wenn du zum Schluss noch ein paar Filmtipps möchtest, legen wir dir Afro Samurai, Samurai Champloo, Tokyo Tribes, PaRappa the Rapper und Detroit Metal City ans Herz. Diese Filme spiegeln durch ihre Settings und ihre Gestaltung mit Graffitis, Breakdancing und Beat-Boxing die Symbiose zwischen der HipHop- und Anime-Welt perfekt wider.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

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