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Warum heiraten alle plötzlich so jung?

Wir gehen dem Phänomen auf den Grund.

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Juli 31 2018, 1:49pm

Foto: Screenshot von Instagram

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Hast du nicht auch das Gefühl, dass jeder gerade auf Instagram stolz verkündigt: Wir sind verlobt. Darunter steht in den meisten Fällen so etwas wie "Ich kann es kaum erwarten, mein Leben für immer mit dir zu verbringen". Während du auf der Couch sitzt und dich nicht mal innerhalb von fünf Minuten entscheiden kannst, was du zum Mittag essen willst. Umso absurder scheint die Idee, sich für den Rest deines Lebens für einen Menschen zu entscheiden. So wie es vor Kurzem Justin Bieber und Hailey Baldwin, Ariana Grande und Pete Davidson und Miley Cyrus und Liam Hemsworth getan haben.


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So stellt sich automatisch die Frage: Warum wollen heutzutage so viele Menschen die drei Worte "Ja, ich will" sagen? Ist es das weiße Kleid, der Gang zum Altar mit deinem Vater oder die x-te Elle-Goulding-Coverband auf deiner Hochzeit? Erfüllt dich das alles nicht auch mit einem gewissen Grad an Schrecken? Erscheint das angesichts der Aussicht, dass wir bis zu 109 Jahre alt werden können, nicht alles ein bisschen lächerlich? Wer will sich an eine Person für den Rest des Lebens binden? In einer Zeit, in der die Mainstream-Medien polyamouröse Beziehungen feiern und uns zeigen, dass wir alles haben können. Willst du wirklich wie eines der Pärchen enden, das sich beim Essen im Restaurant nichts mehr zu sagen hat? Willst du die Art von Leben führen, in dem die letzte Nachricht an deinen Partner eine Erinnerung daran ist, dass er die Knoblauch-Mayo nicht vergessen soll?

Ich dachte immer, dass wir Millennials uns mehr darauf konzentrieren, was wir wollen. Dass wir unser Leben auf die Reihe kriegen wollen. Dass wir für immer in heruntergekommenen Wohnungen leben, in denen wir uns nicht mal trauen, ein Loch in die Wand zu bohren, weil wir sonst unsere Kaution nicht zurückbekommen. In einer Zeit, in der wir uns von einem schlecht bezahlten Praktikum oder Freelance-Job zum nächsten hangeln und nie genauso wissen, ob wir im nächsten Monat genug Geld haben werden, um die Miete zu bezahlen.

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Vielleicht liegt es gerade an unserer chronischen Instabilität, die uns ständig in andere Lebensbereiche begleitet, dass wir privat zumindest etwas Stabiles wie die Ehe haben wollen. Meine beste Freundin Vicky ist 22 und hat mich vor ein paar Tagen morgens um 3 Uhr angerufen und mir hysterisch aus einem Whirlpool in Island erzählt, dass ihr Freund sie gerade gefragt habe, ob sie ihn heiraten wolle. Dieses Bedürfnis nach Sicherheit und Struktur in unserer extrem schnelllebigen Gegenwart ist kein Einzelfall. Sie erklärt sich das so: "Es ist schön, von der Arbeit nach Hause zu kommen und die gleiche Person wartet auf dich, bei der du dich ausheulen kannst. Die Leute unserer Generation hängen entweder in unbezahlten Praktika oder Jobs fest, die sie hassen. Wenn du dich selbst manchmal wie eine Versagerin fühlst, ist es schön, jemanden zu haben, der dir sagt, dass du das nicht bist."

Wenn junge Pärchen heiraten, wird ihnen das oft als unverantwortliches Verhalten ausgelegt, das nur in Drama enden kann. In den 20ern zu heiraten, hat auch etwas Rebellisches: "Wir haben jung geheiratet, nur mit ein paar engen Freunden. Ich denke meine Eltern haben etwas mehr erwartet, aber für mich war es das Romantischste auf der Welt", erzählt mir Meghan, 24 Jahre jung und eine andere gute Freundin von mir, die im letzten Jahr geheiratet hat. Wenn du jung heiratest, ist die Ehe noch etwas, das andere verunsichert, weil es so unerwartet ist. Wenn du älter wirst und heiratest, erwarten das die meisten von dir, zumindest deine Eltern. "Meine Mutter hat eine Weile gebraucht, um zu verstehen, wie viel wir uns gegenseitig bedeuten", sagt Meghan weiter.

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Für Menschen aus der LGBTQ-Community kann Heiraten außerdem ein wichtiges Symbol sein, um ihre queere Liebe mit der Welt zu teilen. "Ich habe Kat vor vier Jahren bei einem Seminar kennengelernt. Anfangs dachten wir noch, dass wir beste Freundinnen sind", sagt mir meine gute Freundin Sukey über ihre Verlobung mit ihrer 24-jährigen Freundin. "Wie es so kommt, haben wir uns ineinander verliebt und waren ein paar Wochen später zusammen", sagt sie weiter. "Für mich als Teil der LGBTG-Community ist es wichtig, dass wir richtig heiraten und nicht nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Ich heirate, weil ich will, dass meine Liebe und unsere Beziehung auch rechtlich anerkannt werden. Und außerdem will ich eine große Party geben."

Dass nicht jeder begeistert ist, wenn junge Menschen vor den Traualtar treten, macht es gerade so romantisch. Es ist nicht weniger Liebe im Spiel, nur weil der Ring aus dem Kaugummi-Automaten und nicht von Cartier stammt. Wenn es noch nicht um großen gemeinsamen materiellen Besitz wie ein Haus bei einer Scheidung geht, ist eine Trennung auch nicht ganz so dramatisch. Ihr müsst euch nur einigen, wer von euch den Wok und wer den Toaster bekommt.

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