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Dieser genderqueere Künstler dokumentiert seine Geschlechtsangleichung auf YouTube

Von Körperwahrnehmung über Selbstliebe bis hin zu Diversity: Chella Man teilt seine Ansichten über Schönheit mit uns.

von Tish Weinstock; Fotos von Chella Man
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März 7 2018, 2:59pm

Alle Fotos: Chella Man 

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Chella Man lässt die Gender-Grenzen seit Mai 2017 verschwimmen. So lange hat er seinen YouTube-Kanal bereits, auf dem er seinen Kampf mit einer Geschlechtsidentitätsstörung und den damit verbundenen Vorurteilen mit der ganzen Welt teilt. Bis jetzt hat Chella alles dokumentiert, was er in diesem Prozess erlebt hat: von der ersten Testosteron-Spritze über das schrittweise Absenken seiner Stimmlage bis hin zum Wachstum seiner Muskeln.


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In einem seiner aktuelleren Videos spricht er über die Operationen an seinem Oberkörper. Chella hat auch eines mit seiner wunderschönen Freundin, der Künstlerin und Vloggerin MaryV, veröffentlicht, in dem die beiden darüber sprechen, was es bedeutet, in einer genderqueeren Beziehung zu leben.

Als Kind hat sich Chella isoliert gefühlt. Kein Wunder, tendiert doch die Sichtbarkeit von gehörlosen, genderqueeren People of Color praktisch gegen Null. Heutzutage steht Chella für all das, was er als Kind vermisst hat: Er ist sein eigenes Vorbild. Der 19-Jährige musste schon mehr Herausforderungen in seinem kurzen Leben meistern als einige von uns in ihrem ganzen Leben. Er fordert nicht nur den Status quo durch seine bloße Existenz heraus, sondern nutzt auch alle Mittel – seine Social Media Kanäle, seine Kunst und seine neue Kolumne für die LGBTQ-Plattform them von Condé Nast –, um die Welt über Trans-Sichtbarkeit, Diversity, queere Kultur und das Leben mit einer Behinderung aufzuklären. Sein Ziel: Nie wieder soll ein Kind die Erfahrungen durchmachen, die er durchleiden musste. Mit uns teilt Chella seine Ansichten über Schönheit.

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"Ich bin Chella Man, 19 Jahre alt, ein gehörloser, genderqueerer Künstler und befinde mich im Prozess der Geschlechtsangleichung mit Testosteron. Ich bin im Nirgendwo in Pennsylvania aufgewachsen. Dort herrschte extreme Engstirnigkeit. Trump sprach ein paar Monate vor der Wahl in meiner Schule. Natürlich habe ich hart dagegen protestiert. Ich mache Kunst, weil ich ohne nicht leben kann. Ich weiß nicht mal, ob ich ohne Kunst noch leben würde.

Meine Kindheit und Jugend waren schwierig. Bis ich 10 war, habe ich mich schön und selbstbewusst gefühlt, weil ich mich der Außenwelt als maskulin präsentieren konnte. Doch dann kam die Pubertät und mein Körper hat sich gegen meinen Willen verändert. Meine Oberweite kam, ich wurde kurviger und mein Selbstbewusstsein ging flöten. Natürlich habe ich dagegen angekämpft, aber jedes Kompliment hat mich negativ beeinflusst.

Seitdem die Angleichung begonnen hat, hat sich die Beziehung zu meinem Körper wieder entspannt. In der Vergangenheit habe ich meine Geschlechtsidentität durch Kleidung und Make-up ausgedrückt, um entweder meine maskulinen oder femininen Eigenschaften hervorzuheben. Heute ist mir das Geschlecht egal, das Mode und Make-up verpasst wird. Ich bediene mich bei beiden, wie es mir gerade passt, es sei denn meine Geschlechtsidentitätsstörung macht sich wieder bemerkbar.

Ich fühle mich am schönsten, wenn ich gesund esse, genug Wasser trinke und hart trainiere. Natürlich bin ich auch heute noch unsicher. Aber ich habe gelernt, dass es an mir liegt, ob ich mich unsicher fühle.

Auf Social Media sichtbar zu sein, hat positive und negative Seiten. Der Hass ist offensichtlich die schlechte. Andererseits wird die Angleichung auf diesen Plattformen auch normalisiert. Mit meiner Präsenz kann ich andere über Themen wie Gender, Sexualität und Gehörlosigkeit aufklären. Dank der Technologie wurde das Thema Diversity Teil der gesellschaftlichen Debatte wie noch nie zuvor. Das ist revolutionär.

Aber ich mache mir Sorgen, dass Diversity nur ein Trend ist und aus den falschen Gründen forciert wird. Große Organisationen können und werden es kommerzialisieren. Das Thema Vielfalt wird ohne den Respekt und die Wertschätzung behandelt, das es verdient. Letztendlich spielt die Aufklärung eine wichtige Rolle. Wir müssen auch weiterhin Debatten führen. Solange höflich und respektvoll gefragt wird, werde ich auch weiterhin versuchen, Fragen zur Angleichung zu beantworten. Hoffentlich führt der gegenseitige Respekt dazu, dass Diversity mehr als nur ein Trend ist.

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Ich wünsche mir für die Zukunft mehr Offenheit, Empathie und Vergebung. Das Mutigste ist, wenn du das tust, was dir dein Herz sagt."

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

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