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In dir steckt mehr Marissa Cooper aus O.C California, als du denkst

Es ist an der Zeit, Frieden zu schließen.

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Aug. 23 2018, 1:39pm

Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video "ryan&marissa | losing your memory" von my konstantine

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Es ist Sommer. Die Sonne scheint. Sommerferien in Orange County, Kalifornien. Eine junge Frau entspannt sich am Pool im Garten ihres riesigen Familienanwesens. Die Ruhe hält nicht lange an. Bald wird sie ihre Mutter anschreien und die Gartenmöbel in den Pool werfen. Das ist die berühmte Szene aus der Fernsehserie O.C., California, aka The O.C., in der Marissa Cooper, gespielt von Mischa Barton, einen Zusammenbruch erleidet.


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Vor 15 Jahren lernte die Welt die glamouröse, komplizierte und schmutzige Welt von The O.C. zum ersten Mal kennen. Ähnlich wie Dawson's Creek weckt die Serie bei den Zuschauern Nostalgiegefühle, schließlich hat eine ganze Generation Ryan, Seth, Summer und Marissa dabei zugesehen, wie sie sich durch die berauschende Welt aus Kämpfen, Ängsten, Beziehungen und Drogen navigieren.

Das Konzept der Serie ist einfach: Ryan Atwood wird nach der Festnahme wegen eines Autodiebstahls von der Familie seines Anwalts, die Cohens, aufgenommen. Ryans Mutter kann sich nicht um ihn kümmern, deswegen wird er von Kirsten und Sandy adoptiert. Doch die Cohens haben jede Menge eigene Probleme. Ryan freundet sich schnell mit deren Sohn Seth an. Ryan ist der grüblerische Badboy, Seth der introvertierte Nerd, der Indiemusik und Comics liebt. Beide vereint ihre Rolle aus Außenseiter in dieser Welt. Es dauert nicht lange, bevor sie die beliebtesten Mädchen in ganz Orange County – Marissa Cooper und Summer Roberts – daten. Der Beginn eines jeden guten Dramas.

Marissa wurde zum Dreh und Angelpunkt der gesamten Serie. Ob das nun die On-und-off-Beziehung mit Ryan, die heimtückischen Intrigen ihrer Mutter – die Bösewichtin in der Serie – oder die illegalen Aktionen ihres Vaters waren: Marissas Drama war immer viel interessanter als alles, was bei den Cohens passierte. Abgesehen von dem Plot, als Kirsten in die Entzugsklinik musste, dort von einer Frau verarscht wurde, die auch vorgab, Alkoholikerin zu sein. Was für eine Story!

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Leider hat der Charakter Marissa Cooper einen schlechten Ruf. Im Rückblick finden viele sie und ihre Aktionen einfach nur noch nervig, wenn nicht sogar noch schlimmer. In so vielen Artikeln wurde sie fertig gemacht.

Die Figur ist zugegeben nicht unbedingt der Sympathieträger schlechthin, aber das Ausmaß des Hasses auf Marissa Cooper ist nicht gerechtfertigt. OK, sie trinkt den ganzen Wodka im Haus alleine weg, wirft Möbel in den Pool und klaut. Doch unter den Paul-Frank-Röcken und Chanel-Handtaschen befindet sich eine zutiefst missverstandene Person. O.C., California war ihretwegen überhaupt erst eine gute Fernsehserie.

Marissa Cooper gilt wegen ihres angeblich schlechten Einflusses auf Ryan als Hassfigur. Doch das Problem ist er selbst. Es ist unwahrscheinlich, dass Marissas Spirale nach unten ohne Ryan so extrem (und tödlich) verlaufen wäre. Vielleicht hätte sie sich Hilfe in einer Einrichtung gesucht. So hätte sie Oliver nie getroffen und dieser nervige Handlungsstrang wäre nie passiert. Sie hätte keinen Sommer damit verbracht, in Bademeister-Kabinen zu trinken. Sie hätte Trey niemals erschießen müssen, denn Trey hätte sie nie sexuell belästigt. Es hätte keinen Johnny, keinen Volchok und schließlich keinen Autounfall gegeben. Die Figur Marissa Cooper wäre lediglich mit einem Zucken zur Kenntnis genommen worden.

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Ein Großteil des Hasses auf Marissa entzündet sich an ihren Entscheidungen und ihrer allgemeinen Melancholie. Aber wenn man sich mal überlegt, wie viele Trauma sie in drei Staffeln erleidet, dann wird ihre Impulsivität und ihr scheinbar irrationales Verhalten verständlicher. Ihr Vater war ein Krimineller, ihre Eltern ließen sich scheiden und ihre Mutter war eine intrigante Psychopathin, die mit einem ihrer Ex-Freunde schlief. Dann gibt es natürlich noch die Nachwirkungen des versuchten, aber letztlich gescheiterten Mordversuchs. Marissa wollte Trey erschießen, um Ryans Leben zu retten, aber Trey überlebte. Von dieser posttraumatischen Belastung hat sie sich nie wirklich erholt.

Als ihre Familie ihr ganzes Geld verliert, muss sie alleine in einem Wohnwagen leben, während ihre Mutter nach einem wohlhabenden Ehemann sucht. Klar kann es noch schlimmer sein, aber wenn du selbst das alles durchgemacht hättest, wärst du dann nicht auch ein emotionales Wrack? Dass Marissa zig Probleme hatte und sich immer auf gestörte Jungs einlässt, sollte nicht gegen sie verwendet werden. Es ist ein Leichtes, über Marissa zu meckern, aber wenn man sich anschaut, wie sich die Serie nach dem Serientod von ihr entwickelt, fällt auf, wie wichtig sie für The O.C. war. Ihr Tod hat die Drehbuchautoren und damit den anderen Figuren den Stoff genommen. Sie hatten einfach nichts Interessantes mehr zu bieten. Ohne den Marissa-Drama-Tornado wurde aus der einst sehenswerten Teenie-Serie ein unschaubarer Unsinn. Nicht ohne Grund wurde O.C., California nur 16 Folgen später eingestellt.

Marissa verkörpert die Probleme, die wir selbst alle als Teenager hatten, auch wenn wir sie nicht in dem Ausmaß erlebten. Aber ihre Identitätskrise, ihre Unfähigkeit, fundierte Entscheidungen zu treffen, und ihre ständige Traurigkeit stehen für die harte Realität unserer eigenen Jugend. Das eins zu eins im Fernsehen gespiegelt zu sehen, war schwer. Nach 15 Jahren ist es an der Zeit, dass wir mit ihr Frieden schließen. RIP Marissa.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

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