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Diese Bilder fangen das wilde Leben im New York der 70er und 80er ein

Arlene Gottfried hat Freunde, Fremde und Familie auf eine so ehrliche Art fotografiert, dass wir jeden Moment selbst nachfühlen können.

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März 5 2018, 11:14am

Arlene Gottfried, Three Musicians, c. 1980’s. 

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"Als Arlene klein war, meinte ihre Mutter zu ihr, sie solle nicht umherstreifen", erklärt Daniel Cooney, der Kurator der neuen Ausstellung A Lifetime of Wandering in New York. "Doch Arlene hat immer gesagt, dass die Kamera ihr erst einen Grund gegeben hat, um die Häuser zu ziehen." Ob Coney Island Besucher, Stevie Wonder oder das wilde Nachtleben im Studio 54: Die amerikanische Fotografin hat das Leben der New Yorker mit liebevoller Sorgfalt auf Bild festgehalten, bevor sie letztes Jahr an Brustkrebs gestorben ist.


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"In ihren Bildern steckt viel Humor, der aber nie kritisch oder sarkastisch war. Sie hat vielmehr Dinge gesehen, die andere als merkwürdig empfunden haben", so Daniel weiter. Für A Lifetime of Wandering hat der Galerist und Kurator Arlenes Archiv durchforstet und uns mehr über seine Reise durch die Vergangenheit der Fotografin erzählt.

Arlene Gottfried, Halloween Parade in Greenwich Village, 1977

Wie hast du Arlene kennengelernt?
Durch Paul Moakley, ein Fotoredakteur beim Time Magazine, den ich schon sehr lange kannte. Er hat mich zu einer Ausstellung eingeladen, die er zusammen mit Arlene gemacht hat. Sie waren eng miteinander befreundet, also hat er uns vorgestellt. Später kam sie dann mit einem Koffer voller Bilder in meine Galerie. Alle waren großartig, also habe ich mich sofort dazu entschieden, mit ihr zusammenzuarbeiten.

Arlene Gottfried, Men With Afros, c. 1970er

Warum glaubst du, dass ihre Arbeiten so unbekannt sind?
Das hat zum Teil mit ihrer Bescheidenheit zu tun. Sie hat nie wirklich viel über sich erzählen wollen. Als sie in den späten 60er Jahren das Fashion Institute of Technology besucht hatte, war sie die einzige Frau in ihrer Klasse. Wenn wir uns ihre Arbeiten jetzt anschauen, steckt eine gewisse Nostalgie darin, die damals noch nicht existierte.

Arlene Gottfried, Boys Arguing, Coney Island, c. 1970er

Wie weitreichend ist Arlenes Archiv?
Es umspannt ihr ganzes Leben. Man findet Bilder von Heroin-Junkies auf der Lower East Side, aber auch viele ihrer Reisen. Und natürlich ihre Midnight Arbeit, in der sie ihren Freund Midnight 15 Jahre lang fotografiert hat. Er litt an Schizophrenie und verbrachte viel Zeit in der Psychatrie und im Gefängnis.

Arlene Gottfried, Dancing, Le Clique, c. in den späten 1970ern

Wie hast du eine Auswahl getroffen?
Ich habe zuerst an eine Mini-Retrospektive gedacht bis mir aufgefallen ist, wie viel Arbeit dahinter steckt. Also bin ich anders vorgegangen und habe die besten Bilder zur Seite gelegt und sie für sich selbst sprechen lassen. Das klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber es ist wahr. Natürlich habe ich einige ihrer bekanntesten Werke miteinbezogen, aber es ging mir vor allem darum, die Arbeiten zu zeigen, die die Leute noch nicht kennen.

Arlene Gottfried, Boy on Scooter, c. 1980er

Hat dir Arlene erzählt, warum sie sich für die Leute auf ihren Bildern entschieden hat?
Nicht direkt. Aber sie hat immer Communitys und Leute fotografiert, die von der Gesellschaft nicht anerkannt wurden oder unterrepräsentiert waren. Vielleicht hat sie sich selbst als eine Art Außenseiter gefühlt. Arlene konnte sich schon immer mit den Leuten am Rande der Gesellschaft identifizieren.

Arlene Gottfried, Teenager, 42nd Street, c. in den späten 1970ern

Was war die größte Herausforderung während der Vorbereitungen zur Ausstellung?
Ich vermisse Arlene! Ich wünschte, sie wäre hier. Es gab Momente, in denen ich meditiert und sie nach Rat gefragt habe. Die Ausstellung zeigt ihr Leben und das nehme ich sehr ernst. Jetzt geht es nur noch darum, der Welt zu zeigen, wer sie ist. Das ist eine Herausforderung, aber auch eine Ehre.

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"Arlene Gottfried: A Lifetime of Wandering" läuft noch bis zum 28. April in der Daniel Cooney Fine Art Galerie in New York.

Arlene Gottfried, Bubbie on Bed, 1972

Arlene Gottfried, Johnny Cintron, Lower East Side, 1980

Arlene Gottfried, Men's Room at Disco, 1978
Arlene Gottfried, Rikers Island Olympics, 1987

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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