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Das sind die besten Boyband-Musikvideos aus den 90ern

Von Take That bis zu den Backstreet Boys: Das ist purer Boyband-Zucker aus der Ära, in der viel Haargel und nackte, durchtrainierte Männerkörper fester Bestandteil jedes Videos waren.

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Aug. 30 2017, 10:39am

Screenshot von YouTube aus dem Video "'N Sync - Tearin' Up My Heart" von NSYNCVEVO

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

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Ich habe neulich viel über One Direction nachgedacht, oder besser: was dieser Band alles gefehlt hat. Eingefallen sind mir ihre Dance-Routinen und Musikvideos, die Kult wurden — und natürlich die lächerlichen Outfits, die sie getragen haben. Aber es gab eine Zeit, die noch gar nicht so lange vorbei ist, in der Boybands und Popmusik die Charts regiert haben. Von den amerikanischen R'n'B Vocal-Gruppen bis zum kitschigen Dance-Pop.


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Die Boyband-Welt hat gefunkelt, so wie ihre Outfits auch — die ungefähr genauso peinlich waren wie ihre Frisuren. Zumindest die Haargel-Hersteller haben sich gefreut, als die blondierten Boys mit ihren wohlüberlegten Frisuren damals unzählige Teenie-Herzen gebrochen haben. Ja, das waren die 90er. Wir haben einen kleinen Flashback für dich zusammengestellt:

Take That, Do What U Like (1991)


Ketten-Tangas? Check. Bondage-Klamotten? Check. Mit Wackelpudding ringen? Ja, warum eigentlich nicht. Heute würde dieses Video nicht mehr veröffentlicht werden. Ihre nackten Hinterteile haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt, seit ich es als kleiner Junge gesehen habe. Das war der Moment, in dem ich wusste, dass ich schwul bin. Ich bin mir sicher, dass ich das Band arg strapaziert habe, weil ich immer wieder an die Stelle gespult habe, als ein Mädchen den Wackelpudding von Robbie wegwischen durfte.

Was wir daraus gelernt haben

: Das ist so ziemlich sicher, dass erste Boyband-Musikvideo, das sich explizit an das schwule Publikum gerichtet hat.

Color Me Badd, I Wanna Sex You Up (1991)

Die frühen 90er waren schräg. Ich kann mich kaum noch an sie erinnern, aber die Mode und Musik aus dieser Zeit waren besonders. Nach dem Erfolg mit dem neuen Genre New Jack Swing und New Kids On The Block dachte sich jemand äußerst Schlaues in einer Plattenform "Warum beides nicht einfach miteinander verbinden?" Und voilà: Color Me Badd war geboren. Um aber fair zu bleiben: Der Song ist so geschmeidig wie Galaxy Cholocate ("Why have cotton, when you can have silk?") und mindestens zwei der Mitglieder waren heiß. Wer auch immer sich das Konzept für das Musikvideo ausgedacht hat, verdient mindestens einen VMA.


Was wir daraus gelernt haben: Dieses Video hat den "Jaunty Camera Angle" ausgelöst, bei dem einem schlecht wird und der gerne in billigen Seifenopern benutzt wird.

Boyz II Men, I'll Make Love To You (1994)


Der Songtitel ist eine weitere Möglichkeit zu sagen, dass ich mit dir schlafen will, wenn auch ein wenig netter. Aber es gibt einfach zu viel Handlung in diesem Video. Da kommt doch keiner mehr mit. Aber Immerhin gibt es eine Handlung. Gedreht wurde mit viel Soft-Fokus und Kerzenlicht. So habe ich die Handlung verstanden: Ein äußert heißer Typ (gespielt von einem Schauspieler und keinem Mitglied von Boyz II Men, ein komischer Move, wenn man mal genauer darüber nachdenkt) installiert ein Überwachungssystem (?!) in dem palastartigen Haus einer äußerst heißen Frau. Er trägt keinen Blaumann oder sonstige Arbeitskleidung, die man von einem Elektriker erwarten würde. Sie sagt, dass sie sich bei ihm sicher fühlt und nimmt dann ein langes Bad. Soweit so gut. Er schreibt ihr einen Brief, sie liest ihn und fasst sich selbst an, so scheint es zumindest. Das war's auch schon. Die vier Typen von Boyz II Men warten darauf, mit der Frau Liebe zu machen, draußen versteht sich.


Was wir daraus gelernt haben: Ich brauche dringend ein Überwachungssystem.

Backstreet Boys, Quit Playing Games (with My Heart) (1996)


Und weiter geht's mit der Homoerotik aus den frühen Take-That-Tagen (auch sichtbar in einem sehr feuchten Video zu Back For Good). Das war die Messlatte, wenn es darum ging, schwule Bilderwelten zu benutzen, um Songs an Teenager zu vermarkten. Die Musik ist natürlich auch ganz toll, das kann keiner schlechtmachen. Im Gegensatz zu vielen Musikvideos von den BSB hat das hier keine Dance-Routine, was wirklich schade ist. Aber wen kümmert das, wenn viereinhalb sexy Dudes ihren eigenen Wet-T-Shirt-Contest auf dem Schulparkplatz veranstalten?


Was wir daraus gelernt haben: Die Nippel von Howie vergisst man nicht mehr so einfach.

Five, Slam Dunk (Da Funk) (1997)


Ich liebe Max Martin, aber was heißt Slam Dunk (Da Funk) eigentlich? Spielt wahrscheinlich auch keine Rolle mehr. Selbst damals habe ich mich schon gefragt, warum fünf krasse Macker aus England über Basketball singen und mit amerikanischen Akzenten rappen, und das auf einem dieser Council Estates? Das macht wahrscheinlich den Zauber aus. Das Bizarre daran. Five war anfangs so stark, weil sie ihre amerikanischen Kontrahenten kopiert haben, aber auf charmante und süße Art und Weise. Die Dance-Routinen waren immer on point. Und sie waren alle extrem heiß. Was kann man daran nicht lieben.


Was wir daraus gelernt haben: Das Musikvideo hat Jason "J" Brown in unser Leben gebracht.

NSYNC, Tearin' Up My Heart (1997)


Ein weiterer Max-Martin-Kracher. In dem Video wird jedes Boyband-Klischee benutzt, das es gibt: das sehr ernste Lip-Sync, die unglaublich synchronen Dance-Moves und die süßen Schwarz-weiß-Outfits. Alles war wirklich "In Sync". Die ersten Musikvideos von Boybands haben immer etwas Besonderes. Ist er Hunger nach Erfolg? Es fühlt sich jedenfalls sehr überzeugend an, als Justin Timberlake singt: "I am down on my knees" und die vier Bandkollegen gehen auf die Knie.

Was wir daraus gelernt haben: Wenn man sich das Video heute anschaut, fragt man sich unweigerlich, warum es Justin Timberlake war, der es Robbie Williams bei Take That gleich getan hat und nicht JC Chasez L.

A1, Be the First to Believe (1999)


Auf dem Papier schien es so, dass die Band A1 eine große Karriere vor sich hat. Der lächelnde Blondie, der heiße Typ, der gerne mal doppeldeutig in die Kamera schaut, der etwas dickliche Typ mit sonnigen Gemüt und der mit den hochgegelten Haaren, der nur mit einem Handtuch herumläuft. Boyband-Gold würde man meinen. Aber auch mit der Choreografie, dem Perma-Tan und einem Song, der nicht schlecht und nicht gut ist, stimmt irgendetwas nicht. Erst mit ihrem schrecklichen Cover von Take on Me haben die Boys von A1 ihren Durchbruch gehabt. Aber das Jahrzehnt neigte sich dem Ende zu und wir hatten einfach keine Lust mehr.


Was wir daraus gelernt haben: Das Ende der Boyband-Formel der 90er.

B2K, Uh-Huh (2001)


Auch wenn das Video aus einem anderen Jahrzehnt stammt: das Big-Budget-Video ist es einfach wert. Die Outfits. Die Eightpacks. Das Lüsterne. Die Eightpacks. Und die sollen alle erst 15 gewesen sein? Das war damals legal? Warum waren die nicht in der Schule? Wurden ihnen Steroide gegeben? Als ich in dem Alter war, habe ich bis 1 Uhr morgens die Sims gespielt, einen Eimer KFC-Chicken gefuttert und auf MSN gechattet. Kudos an die Person, die sie zusammengewürfelt hat. B2K hat eine größere Karriere verdient, leider haben sie sich aber aufgelöst.


Was wir daraus gelernt haben: Leadsinger Omarion hat ein Album mit dem Titel Sex Playlist herausgebracht. Cool.

Bei diesen Videos entwickelt man eine Nostalgie nach dem Wet-Look mit reichlich viel Gel. Natürlich gab es noch JLS, Busted, McFly und The Wanted ­– und selbstverständlich 1D. Die waren ganz gut, auch wenn sie nicht tanzen konnten. Aber in der westlichen Popmusik klafft bis heute ein großes Boyband-Loch. Wird es jemals ein Comeback mit Choreografie, Zweideutigkeiten und Homoerotik geben? Lasset das Warten beginnen.

Tom Aspaul schreibt die Songs für deine Lieblings-Popstars. Seinen lustigen Bottle-Pop-Podcast findest du hier.

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