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So wild sieht das queere Nachtleben Londons aus

"Das Schöne ist, dass hier so viel passieren kann. Einige der besten Partys hatte ich an Orten, von denen ich es nicht erwartet hätte."

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Aug. 7 2018, 1:59pm

Fotos: Lukas Viar

Londons queeres Nachtleben ist bedroht. Die Verwaltung in dem beliebten Feier-Stadtteil Hackney hat die Ausschank-Lizenzen geändert – was die Existenz vieler etablierter Clubs wie The Glory gefährdet. Zwischen 2006 und 2016 mussten bereits mehr als die Hälfte der queeren Veranstaltungsorte in London schließen.

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Umso wichtiger scheint es, das queere Nachtlebens in der britischen Metropole festzuhalten, bevor es ganz verschwindet. Genau das hat sich Fotograf Lukas Viar mit seinem Instagram-Account @queer_photo_archive vorgenommen. In seinen Bildern feiert er die Vielfalt der Londoner LGBTQ-Clubszene. Im Interview hat er uns erklärt, wie man die queere Community fotografiert, ohne sie dabei zu einem Fetisch zu machen – und verraten, welche Party die beste in London ist.


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Wann bist du zum ersten Mal ausgegangen?
In meiner späteren Teenie-Zeit. Ich bin jede Woche ins Heaven gegangen, das war für mich damals ein extrem befreiendes Gefühl und hat wirklich Spaß gemacht.

Erinnerst du dich noch an deine erste Erfahrung im queeren Nachtleben?
Da muss ich 18 gewesen sein. Ich habe mit einem Freund aus der Schule zusammen getrunken und sind anschließend nach Chinatown gegangen. Der Barkeeper hat oben ohne gearbeitet und war sehr heiß. Er hat gleich gemerkt, dass ich zum ersten Mal in einer Schwulenbar bin und mich gefragt, ob ich einen kostenlosen Blowjob will. Ich war schockiert und schaute dementsprechend. Er hat mir erklärt, dass das ein Drink sei. Also hatte ich einen Blowjob und er war lecker.

Foto: Lukas Viar

Was macht das queere Nachtleben in London so besonders?
Die Vielfalt. London bietet für jeden Geschmack etwas. Das klingt jetzt erstmal abgedroschen, aber das gibt es tatsächlich nur sehr selten. Die Stadt ist auch recht international und saugt einen schnell auf. In London kannst du wirklich außergewöhnliche Dinge erleben. Das Schöne ist, dass hier so viel passieren kann. Einige der besten Partys hatte ich an Orten, von denen ich es nicht erwartet hätte.

Was ist Londons beste queere Party?
Das hängt sehr davon ab, was du magst. Für mich ist es die Horse Meat Disco im The Eagle, wegen der unglaublich guten Disco-Musik. Es ist der beste Ort, um ins Schwitzen zu kommen, das Publikum ist gut durchmischt und es gibt einen großen Anteil queerer Menschen. Weil die Party an einem Sonntagabend stattfindet, treffen sich auch viele Leute, die selbst im Nachtleben arbeiten. Hier kommt wirklich ein Gefühl von Gemeinschaft auf.

Foto: Lukas Viar

Warum hast du angefangen, die queeren Partys und Events zu dokumentieren?
Nach etwa einem halben Jahr im The Glory wurde mir klar, dass ich von so inspirierenden Menschen umgeben bin, dass ich sie dokumentieren muss. Zu Weihnachten hatte ich eine Fujifilm Instax Mini bekommen und angefangen, sie mit auf Partys zu nehmen – das war der Anfang meiner Serie @queer_photo_archive. Vor ein paar Monaten habe ich mir eine alte Instax zugelegt, die ist so alt wie ich und funktioniert immer noch wunderbar.

Foto: Lukas Viar

Warum arbeitest du ausschließlich mit Polaroids?
Analog und Drag passen sehr gut zusammen: Die Farben sind so lebendig und der helle Blitz bei sorgt dafür, dass das Make-up und die Kostüme natürlicher aussehen. Es hat aber auch praktische Gründe: Sofortkameras sind billiger als Digitalkameras. Viele Fototagebücher werden mit Polaroids geführt, interessante Einblicke in Subkulturen werden so überhaupt erst möglich. Du siehst den Polaroid-Aufnahmen an, was in diesem Moment gerade passiert ist.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

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