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Ada Chen parodiert mit ihrem Schmuck Klischees über Asiaten

In ihrer Abschlusskollektion "Made in Chinese America" zeigt die junge Schmuckdesignerin, wie chinesisch-amerikanische Teenager immer noch diskriminiert werden.

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Juni 25 2018, 11:00am

Foto: via i-D US / Screenshot von Instagram

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Ohrringe aus echten Nachrichtenverläufen, Shrimp Dicks und Asian Pussys: Chens Abschlussarbeit "Made in Chinese America" setzt sich auf sarkastische Art mit asiatisch-amerikanischen Stereotypen auseinander. Besonders im Kopf bleibt ihr "Chink Eyepiece", das an den gebogenen Enden aus herzförmigen Kristallen besteht und die Augen des Trägers zu Schlitzen zieht. Im Interview erzählt uns die jungen Amerikanerin über ihre eigene Definition von Schönheit und erklärt außerdem, was es für sie bedeutet, chinesisch-amerikanisch zu sein.


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Wovon hast du dich für diese Kollektion inspirieren lassen?
Mit dieser Kollektion gebe ich Amerikanern asiatischer Abstammung eine Stimme. Ich komme aus San Francisco, wo es eine große chinesische Community gibt, und bin vor Kurzem nach Brooklyn gezogen. Ich habe viele Freunde, die schwarz und sehr stolz auf ihre Identität sind. Ich dachte mir immer 'Warum fühle ich das nicht über meine asiatische Herkunft?'. Ich musste erstmal Dinge finden, auf die ich stolz sein kann. Und diese persönliche Reise möchte ich in der Kollektion ausdrücken. Ich wollte mein soziales Engagement und meine Liebe für das Handwerk verbinden.

Was hältst du von europäischen Designern, die sich an chinesischen Klischees bedienen? Wir denken da besonders an Balenciagas "Chinese Slippers".
Ich habe gemischte Gefühle. Einerseits finde es nicht gut, weil es einfach nur der gleiche Schuh ist, andererseits wird einem Gegenstand, der vorher als billig galt, neuer Respekt entgegengebracht.

Erzähl uns mehr über deinen Augenschmuck. Warum sind die Models nicht nur Asiatinnen?
Viele Asiaten in den USA und anderswo legen sich für ihre Lidfalten unters Messer. Die Frage steht also im Raum, warum Asiatinnen sich für die Augen schämen, mit denen sie geboren wurden. Dieses Schmuckstück zeigt, dass unsere Augen wunderschön sind. Und ich habe den Spieß umgedreht: Was wäre, wenn andere Ethnien unsere Augen haben wollen? Darum geht es. Wir zeigen damit die Schönheit unserer angeborenen Augenform. Die Augen von Asiatinnen gelten als exotisch. Und das hat viel damit zu tun, dass doppelte Lidfalten als Schönheitsideal gelten.

Soll der Schmuck auch wirklich getragen werden?
Es ist in erster Linie Kunst, aber die Ohrringe sind sehr beliebt und die Menschen wollen sie wirklich tragen. Das war aber eigentlich nicht meine Absicht, ich wollte nur eine Debatte anstoßen.

Lass uns über dein Rasseltrommel-Design "Shrimp Dick / Asian Pussy" sprechen. Wie wichtig war dir die Gender-Perspektive?
Sie ist ein Teil davon. Mir geht es in der Kollektion darum, wie sich die Menschen mit asiatischer Migrationserfahrung hinsichtlich Attraktivität und Sexualität fühlen. Ich habe gehört, dass asiatische Männer nicht so offen damit umgehen können, weil ihnen nachgesagt wird, einen kleinen Penis zu haben. Bei asiatischen Frauen ist es genau andersherum: Sie werden objektiviert. Sie gelten als unterwürfig und exotisch. Es gibt immer zwei Seiten. Und die Rasseltrommel ist eine nostalgische Erinnerung an meiner Kindheit. Viele hatten so etwas, als sie klein waren. Es ist der Twist: Wir sollten unseren Kindern keine gegenderten Spielzeuge geben.

Auf deinen Grillz steht "Sprich Englisch, wir sind in Amerika". Das basiert auf Gesprächen mit deinen Freunden. Was ist da genau passiert?
Wir saßen im Sommer in einem Park. Mein Cousin und ein Freund haben sich auf Kantonesisch unterhalten. Ich war irgendwie frustriert und sagte zu ihnen: "Sprecht Englisch, wir sind in Amerika!". Ich fand mich cool dabei. Später habe ich darüber nachgedacht und es war mir peinlich. Ich hätte das nicht sagen dürfen. Warum soll ich mich wegen meinen Freunden schämen, nur weil sie die Sprache sprechen, die ich auch zu Hause spreche? Rückblickend ist es mir extrem unangenehm, dass ich mich so verhalten habe.

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Wie hat sich Scham und Assimilation in deiner Jugend noch bemerkbar gemacht?
Es gibt dieses Klischee, das ich oft höre: Asiaten bringen ihr Mittagessen in einer Tupperbox mit, Amerikaner dagegen essen Sandwiches und Chips. In der Schule habe ich manchmal nicht alles aufgegessen, weil ich nicht lange mit der Box gesehen werden wollte. Meine Mutter hat mich dann immer gefragt: "Warum hast du dein Mittagessen nicht aufgegessen?". Sie hatte sich so viel Mühe damit gegeben, aber sie hat mich auch verstanden.

Was bedeutet "Made in Chinese America" für dich?
Der Titel ist ein Wortspiel. Alles wird heutzutage in China hergestellt und Produkte "Made in China" gelten als billig. Ich wollte auch die Unterschiede zwischen einem Menschen aus China und einem Chinesen in Amerika zeigen. Es sind zwei völlig unterschiedliche Identitäten. An meiner Schule gab es beispielsweise viele Chinesen, aber wir hatten keine gemeinsamen Kindheitserinnerungen und waren uns zum Teil sehr fremd.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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