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Wie dieser queere, palästinensische Künstler mit Sportswear gegen Stereotype kämpft

Shukri Lawrence nutzt das Internet, um zu sagen "Fuck wars, make fashion". Wie das genau aussieht, hat uns der 18-Jährige im Interview erklärt.

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Jan. 25 2018, 11:08am

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

@wifirider heißt der verrückte Instagram-Account des queeren, palästinensischen Künstlers Shukri Lawrence der ihm seit einigen Jahren als Schaufenster zur Welt dient. "Meine Arbeiten waren damals das Ergebnis eines typischen Sad-Tumblr-Boys", sagt er uns. "Bis ich versucht habe, herauszufinden, wer ich eigentlich bin. So habe ich die Ästhetik des Cyberpunks mit der palästinensischen Politik vermischt. Ich komme aus einer Kultur, die in den Medien oft falsch dargestellt wird, deswegen war es mir besonders wichtig, mit meiner Kunst zu zeigen, wer wir als Volk wirklich sind."

Für Shukri ist das Internet nicht nur ein Zeitvertreib. Es ist eine Möglichkeit, sich von seiner oftmals schwierigen Umgebung abzuschotten, Informationen zu sammeln und unterschiedliche Leute kennenzulernen, mit denen er an Projekten zusammenarbeiten kann. "Ich bin mit dem Internet groß geworden, es ist Teil meiner Identität", so Shukri weiter.


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Es ist ziemlich "verwirrend", wie der junge Künstler selbst sagt, vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts im besetzten Palästina erwachsen zu werden. Shukri erzählt davon, wie er als Kind mit seiner Familie verreist ist, und zu seinem eigenen Schutz angeben sollte, dass er aus Jordanien käme. "Ich habe die Bedeutung von alledem erst verstanden, als ich älter wurde und den Konflikt Tag für Tag bewusst miterlebt habe", beschreibt Shukri. "Man spürt die Anspannung, Angst und den Schmerz in Jerusalem deutlich. Ich versuche, mich da rauszuhalten, weil ich weiß, dass es nichts Gutes bringen würde."

Reem Kawasmi. Photography Charlene Kahn. Makeup by Karen Avidar
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Natürlich ist es alles andere als einfach, sich rauszuhalten, wenn man ein, wie Shukri selbst sagt, "Weirdo" ist, der nicht vorhat, sich anzupassen. "Solange man von Leuten umgeben ist, die einen dazu inspirieren, weiterzumachen, ist man sicher", erklärt der junge Palästinenser. "Was die gesellschaftlichen Erwartungen in meiner Community angeht, ist es für mich eher schwierig, mich in der Öffentlichkeit zu zeigen, wie ich bin, weil ich an einem sehr konservativen Ort lebe. Hier spielt das Internet als Safe Place eine große Rolle, weil ich mich dort ohne jeglicher Zensur ausdrücken kann."

Online will Shukri mit seinen tRASHY CLOTHING-Designs ein Statement gegen die Mainstream-Modebranche in seinem Land machen: ein Projekt, für das er bekannte Marken-Logos mit arabischen Buchstaben versehrt, um der Assoziation der Sprache mit Terrorismus entgegenzuwirken. So schmückt beispielsweise das Chanel-Logo ein Camouflage-Shirt. Das Adidas-Symbol ist von Stacheldraht umhüllt. Und Hood By Air wird zu Hood By Arabi. Es ist oberflächlich und gleichzeitig tiefgründig, weil es darum geht, "das Negative zu verdrängen und es in ein wunderschönes Kunstwerk zu verwandeln" (einen Teil des Gewinns spendet er an syrische und palästinensische Flüchtlingslager).

"Eines der größten Vorurteile über die Palästinenser ist, dass wir ‘alle Terroristen und Befürworter des Terrors‘ seien – was totaler Schwachsinn ist. Wir sind auch nur Menschen, die versuchen, in dieser verrückten Welt zu überleben."

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"Ich versuche, das Versteckte und falsch Dargestellte sowie die Kreativen aus dem Nahen Osten zu zeigen", so Shukri weiter. "Bei uns geht es nicht immer nur um Krieg und Terror, wir haben einiges zu sagen, wir haben Erfahrungen, die wir teilen wollen. Kulturen, die wir feiern wollen und vor allem große Lebenslust. Ich habe so viele Situationen erlebt, in denen die Leute überrascht waren, als sie gesehen haben, welche Art von Kunst Palästinenser wie meine Freunde und ich machen. Zu sehen, wie sich ihre Meinung über die Palästinenser ändert, ist das, was mich antreibt, weiterzumachen."

tRASHY CLOTHING ist ziemlich cool. Hier könnt ihr euch alle Pieces anschauen.

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