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5 umweltfreundliche modelabels, die nachhaltigkeit neu definieren

Kann ein Jeanshemd die Welt retten?

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Apr. 7 2017, 3:03pm

Faustine Steinmetz, Photography James Naylor

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„Nachhaltige Mode" ist ein Begriff, der für neutrale Töne, langweilige Manifeste und fließende Silhouetten steht. Doch eine neue Generation junger Designer, die noch Kinder waren, als der Dokumentarfilm Eine Unbequeme Wahrheit rausgekommen ist, haben nachhaltige Marken ins Leben gerufen, die bei jedem Schritt vor allem das Wohlergehen unseres Planeten im Hinterkopf haben. Da die Modebranche mittlerweile zu einem der größten Umweltverschmutzer der Welt geworden ist, haben sich die Designer-Aktivisten alternative Herangehensweisen einfallen lassen, um uns mit cooler und gleichzeitig umweltfreundlicher Mode einzukleiden. Statt ständig kurzlebige, umweltbelastende Teile zu designen, interessieren sich ethische Fashion Brands für sogenannte Slow Fashion. Das bedeutet Designs, die nachhaltig, vegan, recycelt oder manchmal auch alles zusammen sind, und bei denen der Fokus auf dem Handwerk und der Liebe zum Detail liegt. Die neue, klimabewusste Mode umfasst von einer glänzenden, recycelten Nylon-Jacke von Suzanne Rae bis hin zu einer handgenähten, weit ausgestellten Jeans von dem Londoner Talent Faustine Steinmetz fast alle Bereiche. Die Nachhaltigkeit ist die geheime Geschichte der Kleidungsstücke und nicht das, was ihre Identität ausmacht. Hier stellen wir euch fünf aufstrebende Marken vor, die beweisen, dass die Modeindustrie mehr als bereit für eine Revolution ist. 

BreeLayne

Für BreeLayne ist das Umweltbewusstsein ebenso wichtig wie die Bekleidung selbst. Diese Einstellung schränkt sie aber ganz und gar nicht in der Kreativität ihrer Designs ein. Von einem Jeans-Outfit mit einer Rüschen-Jacke und extrem ausgestellten Beinen bis hin zu einem Kapuzen-Overall im Schachbrettmuster bieten ihre Pieces eine surrealistische Interpretation der Ästhetik der Generation Tumblr.

„Wir verwenden nur bereits vorhandene Herstellungsverfahren und umweltfreundliche Techniken, es gibt also schon gewisse Einschränkungen", gibt die Designerin zu. „Aber bisher hat es meinen Arbeitsprozess nicht wirklich beeinträchtigt. Eigentlich hat es mich eher dazu inspiriert, noch kreativer zu denken, weil ich mit dem zurecht kommen muss, was es bereits gibt, und diese Einschränkung ist auf gewisse Weise auch sehr befreiend. Normalerweise finde ich immer das, was ich brauche, um meine Vision zu realisieren." Ihre vielen Reisen durch die ganze Welt, die durch ihre Mutter, eine Reiseberaterin, möglich sind, dienen ihr außerdem oft als Inspiration. 

Suzanne Rae

„Welche Version deiner Selbst willst du heute sein?", wird man auf der Webseite von Suzanne Rae gefragt, bevor man sich in ihre romantische Welt klickt. Es ist ein Ort, an dem ihr gestärkte Leinenhosen neben glänzenden Nylon-Kleidern und Blusen mit Aufnähern, mit der Aufschrift „I am not your seductress", findet. Die Teile der Designerin aus Brooklyn versprühen das verspielte Feeling von Kleidern, die man im Sommercamp tragen würde. Kastenförmig geschnittene Blusen und bodenlange Mäntel in taubenblau und Schottenkaro-Muster verleihen der Spring/Summer 17 Kollektion einen erwachsenen Touch.

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Rae bezieht außerdem ihren Feminismus in jeden Bereich ihrer Marke mit ein, indem sie mit Organisationen wie Girls Inc zusammenarbeitet, einem gemeinnützigen Unternehmen, das Mädchen in den USA zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen will. „Wenn ich schon noch mehr Produkte in diese bereits völlig überfüllte Welt bringen will, sollte ich zumindest etwas machen, das eine Botschaft hat und umweltfreundlich ist", sagt Rae. „Ich versuche also, nachhaltige Materialien zu beziehen und setze auf verantwortungsvolle Herstellungsverfahren", fügt sie hinzu. Unter anderem verwendet sie recyceltes Nylon oder Plastik. Es sind Teile für Frauen, die einfach sich selbst gefallen wollen.  

Maggie Marilyn

Bei Maggie Marilyn trifft Innovation auf Minimalismus und Schlichtheit. Die Kollektion ist von chromatischen Looks geprägt, die sich auf übertriebene Details stützen und dennoch cool aussehen. Es gibt weiße Röcke mit feinen Volants, dazu passende Jacken, während der Jeansstoff mit Rüschen, ausgefransten Säumen und Glockenärmeln eine Welt für sich darstellt. Die Designerin Maggie Marilyn Hewitt hat sich von der idyllischen Landschaft Neuseelands inspirieren lassen, in der sie aufgewachsen ist, mit der sie schon immer sehr respektvoll umgegangen ist. Daraus ist die Idee entstanden, tragbaren Luxus mit Nachhaltigkeit zu verbinden. Für Hewitt ist das wichtigste, „zu wissen, wo alle Stoffe herkommen, und dass alle, die an der Produktion beteiligt sind, einen fairen Lohn bekommen und mit Respekt behandelt werden." Sie fügt hinzu, „All unsere Kleidungsstücke werden in Neuseeland hergestellt und von hier aus verkauft. Ich finde es toll, dass ich alle Menschen, die an dem Herstellungsprozess beteiligt sind, persönlich kenne. Es ist mir wirklich sehr wichtig, dass unsere Kleidung mit Liebe angefertigt wird."  

Faustine Steinmetz

Die in Paris geborene Faustine Steinmetz ist für ihre Denim-Designs bekannt. Aber wir sprechen hier nicht von den Standard-Bluejeans. Stattdessen designt sie Jeans-Outfits, die mit Swarovski-Kristallen besetzt und zerfranst sind. Es gibt plissierte Jeansjacken und welche mit breiten Schulterpartien, die so gebleicht sind, dass sie an Nadelstreifenanzüge erinnern, die mit Gürteln zusammengeschnürt wurden. Das ist Denim, das eine ganz besonders liebevolle Behandlung genossen hat. Und nicht als Stoff, sondern als Farbe, die an den Nachthimmel erinnert, neu erfunden wurde. Steinmetz hat eine Haute-Couture-Herangehensweise und lässt alles in aufwendiger Handarbeit und nachhaltig herstellen. Für Fall/Winter 16 ist die Hälfte des Jeansstoffes, der verwendet wurde sowie das Wasser, das für den Prozess gebraucht wurde, recycelt. Ende letzten Jahres hat Steinmetz sich zusammen mit anderen Designern an Modedesign-Studenten des Central Saint Martins gewendet und sie darum gebeten, in ihren Kollektionen auf Pelz zu verzichten.  

EVERYBODY

EVERYBODY ist eine dieser seltenen Erscheinungen: eine Marke für alle, von allen. Oder immerhin von bekannten Trendsettern wie Adwoa Aboah, der 2-jährigen Akira und der 80-jährigen Delores Kerr. Die Gründerinnen Iris Alonzo und Carolina Crespo ermutigen ähnlich gesinnte Kooperationspartner dazu, Teile zu entwerfen, die sie selbst am liebsten tragen. Und zu den Ergebnissen, die allesamt in Los Angeles produziert werden, gehören wunderschöne Sachen wie ein „Safe Place Poncho" und recycelte „Trash"-T-Shirts.

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„Ausbeutung ist nicht fortschrittlich", sagen Iris und Carolina. „Niemand will Unternehmen unterstützen, die unseren Planeten zerstören, aber leider passiert das in der Modewelt tagtäglich. Um in dieser Branche etwas zu bewegen, müssen die, die dafür verantwortlich sind, was produziert wird, eine aktive Rolle einnehmen und endlich Interesse dafür zeigen, wie die Dinge hergestellt werden und gleichzeitig Kunden finden, die diese Einstellung teilen und erfahren wollen, wie auch sie etwas verändern können." Die Kunden von EVERYBODY stimmen aber auch mit ihrem Geldbeutel ab. „Sie schätzen qualitativ hochwertige Sachen und bevorzugen es, seltener einzukaufen", sagen sie. Und diese Philosophie à la Marie Kondo tut nicht nur der Psyche, sondern auch der Umwelt gut.  

Credits


Text: Gabriela Herstik
Fotos mit freundlicher Genehmigung der Designerinnen (Suzanne Rae: Christian Defonte, Faustine Steinmetz: Mitchell Sams, EVERYBODY: Harry Eelman)

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