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So viel Magie steckt im Schwebezustand zwischen Kind und Teenager

Fotografin Hollie Fernando hat das 12. Lebensjahr ihres Bruders in Bildern festgehalten – und dabei viel über sich selbst herausgefunden.

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Juli 16 2018, 10:03am

Links: Stye, London. Rechts: Foil Face, London.

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12 ist ein paradoxes Alter. Es zählt alles und nichts. Du kannst dir ein Koffein-High bei Starbucks unter falschem Namen abholen und deiner Mama immer noch einen Gute-Nacht-Kuss geben wollen. Manche deiner Freunde klauen Zigaretten und knutschen auf Parkbänken, andere machen Furzgeräusche mit ihren Achseln. 12 zu sein, ist verwirrend und berauschen zugleich – und genau dieses Gefühl versucht Fotografin Hollie Fernando in ihrer ersten Einzelausstellung festzuhalten.


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Die in London lebende Fotografin hat ein Jahr damit verbracht, ihren kleinen Bruder im Glanze seiner Kindheit abzulichten. Dazu gehören Arme voller blauer Flecken, Geburtstagskerzen ausblasen und trotziges Herummeckern, weil einem mal wieder die X-Box verboten wird.

"Es ist einfach passiert", sagt Hollie selbst über ihr sehr persönliches Fotoprojekt. Sie hat angefangen, ihre Familie im Urlaub zu fotografieren, weil sie daraus ein Zine machen wollte. Doch ihre eigentliche Muse, ihre kleine Schwester, war zu dieser Zeit woanders. Also hat sich die junge Fotografin spontan dazu entschlossen, ihren Bruder Max vor die Linse zu holen.

Saved Pennies, London.

"In diesen zwei Urlaubswochen habe ich Max in einem völlig neuen Licht gesehen", sagt Hollie. "Er war in diesem wunderschönen Schwebezustand zwischen Kind sein und Erwachsenwerden. Für mich war es faszinierend, deswegen wollte ich jeden noch so banalen Moment mit der Kamera festhalten."

Birthday Beats, London.

Wenn Hollie nicht gerade ihre Geschwister fotografiert, lichtet sie Liebende auf Festivals, nackte Körper zu Hause oder junge Musiker wie Sunflower Bean, Wolf Alice und Dreamwife ab. Egal wen die Fotografin vor die Linse bekommt, sie schafft es, eine engelsgleiche Naivität einzufangen, die du nur selten auf Fotos findest.

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"Wir werden dieses Gefühl nie wieder zurückbekommen, deswegen wollen wir es bei anderen wiederfinden. Um es auf eine gewisse Art nochmal zu durchleben."

Hollie beschäftigt sich viel mit der gesellschaftlichen Sicht auf die Jugend. "Weil es so unerreichbar erscheint", erklärt sie weiter. Es ist dieses jahrhundertealte Klischee, das immer wieder zu Weihnachten am Esstisch ausgepackt wird: "Die Jugend wird an die Jungen verschwendet!" Wir schauen auf die Jahre zurück und sehen Euphorie und Freiheit, auch wenn es sich damals noch Furcht einflößend und langweilig angefühlt hat. "Aber wir werden dieses Gefühl nie wieder zurückbekommen, deswegen wollen wir es bei anderen wiederfinden. Um es auf eine gewisse Art nochmal zu durchleben."

8:28pm, London.

Hollie hat während des Projekts nicht nur mehr über ihren Bruder, sondern auch über sich selbst gelernt: "In 12 geht es genauso viel um mich wie über Max. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich meine Entscheidungen hinterfrage und nicht weiß, ob ich meine frühen Zwanziger verschwendet habe. Ob ich gut genug bin, in dem, was ich tue oder lieber etwas machen sollte, bei dem ich mehr finanzielle Sicherheit habe." All diese Dinge haben die Fotografin letzten Endes dorthin gebracht, wo sie sich gerade befindet. Und trotzdem gibt es etwas, das ihr fehlt: "Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als nochmal 12 zu sein."

@holliefernando

Slingshot, Joshua Tree.
13th Party Jump, London.
13, London.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

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