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      musikinterviews Charlotte Gush 14 Juni 2017

      serpentwithfeet schreibt liebessongs, die du so noch nicht gehört hast

      Der US-Musiker singt über Gender, Religion und Liebe und vermeidet dabei die gängigen Klischees von schnulzigen Balladen.

      Dieser Artikel erschien zuerst in unserer The Creativity Issue, no. 348, 2017.

      "Serpenwithfeet ist ein Mantra", erklärt Josiah Wise. "Es erinnert mich daran, meine Weiblichkeit anzunehmen und zu zelebrieren sowie meine Genderfluidität zu zeigen. Der Künstlername bedeutet im Deutschen so viel wie Schlange mit Füßen und ist eine Anspielung auf das biblische Wesen der Schlange. Zwar liegt in der Religion viel Poesie, aber Josiah vermeidet dabei das religiöse Dogma, das er als Kind und Kirchgänger in Baltimore erlebt hat. "Diese Sprache hat meine Weltsicht geprägt, es ist eine Sprache der Andacht, des Verzichts und der Liebe", sagt er. "Ich habe aber das Thema und die Agenda verändert."

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      Es geht dem amerikanischen Musiker nicht darum, in den Himmel zu kommen oder um Jesus. Ihm geht es stattdessen darum, sich der Sinnlichkeit hinzugeben, seine Songtexte handeln von romantischer Liebe, ohne schmalzig zu sein und was es bedeutet, seinen eigenen Körper wirklich zu kennen. Seine wunderschöne, ekstatische und herzzerreißende EP blisters vereint dabei seine umfangreiche klassische Musikausbildung mit klassischer Instrumentation, ergänzt sie zusammen mit R'n'B-Vocals und dem Händeklatschen und den Harmonien im Gospel, produziert wurde das Ganze von The Haxan Cloak.

      In den Texten behandelt er toxische Maskulinität und Männer, die es sich nicht erlauben, ihre weiche Seite zu zeigen. „In blisters geht es viel darum, dass ich meinen Körper wieder mein Eigen nenne und alle Vorstellungen von Männlichkeit ablehne", sagt er. Als Kind wurde ihm im Maryland State Boychoir gesagt, dass seine langen Haare für Probleme sorgen würden, weil er wie ein Mädchen aussehe (seine Mutter hat den Verantwortlichen gesagt, dass er sie so tragen kann, wie er will). In der High School hat er begriffen, wie er künstlich und mit Absicht tiefer spricht. Josiah hat sich damals geschworen, schonungslos er selbst zu sein. Auf dem Kopf trägt er mehrere Tattoos, darunter die Schriftzüge "Heaven", "Suicide" und ein Pentagramm, dazu trägt er oft statt Augenbrauen einen Pinselstrich. Sein Look wirk komplettiert von einem großen Septum-Piercing und viel Glitzer im Bart.

      "Das ist für mich alles Performance", sagt er zum Abschluss. "Ich möchte, dass die Leute sehen, wie ich mich fühle."

      Credits

      Text: Charlotte Gush
      Foto: Tim Walker
      Styling: Max Clark

      Josiah trägt eine Jacke und Hose von Balenciaga. Handschuhe: Pittards. Nasenring: Model's own. Schuhe: Costume Studio.

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      Themen:musik, musikinterviews, serpentwithfeet, tim walker, the creativity issue, musikinterview

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