Die VICEChannels

      musikinterviews Juule Kay 9 Juni 2017

      warum das red light radio mehr als nur ein funksignal ist

      Hugo van Heijningen, der Mitgründer der Online-Radiostation in Amsterdam, hat uns im Interview verraten, was der wirkliche Schlüssel zur Kreativität ist — und warum Radio noch lange nicht tot ist.

      warum das red light radio mehr als nur ein funksignal ist warum das red light radio mehr als nur ein funksignal ist warum das red light radio mehr als nur ein funksignal ist

      Es gibt diese zeitlosen Dinge im Leben wie unsere Lieblingsjeans, den Kuchen von Oma, unsere heißgeliebte Vinylsammlung — und das Radio. Ja, du hast richtig gehört: trotz diverser Apps, der fabelhaften Welt des Internets und Netflix-Binge, existiert der Rundfunk auch knapp einhundert Jahre später noch immer. Doch so weit brauchen wir gar nicht in die Geschichte zurückreisen, denn vor sieben Jahren haben die beiden Holländer Hugo van Heijningen und Orpheu de Jong das Red Light Radio gegründet, eine Online-Radiostation im Herzen Amsterdams, die bereits Größen der Musikszene wie Seth Troxler und Mac DeMarco, aber auch Underground-Künstler aus der ganzen Welt versammelt hat. Und weil wir glauben, dass Radio noch lange nicht tot ist, haben wir mit Hugo im Zuge des Berliner Pop-up-Stores Wir Sind Die Holländer über Amsterdams Musikszene und den Schlüssel zur Kreativität gesprochen. 

      Auch auf i-D: Von Acid House bis Emo, die verschiedenen Musikströmungen der Jugendkulturen im Überblick

      Wir leben in einer hypervernetzten, digitalisierten Welt. Warum glaubst du, dass Radio noch lange nicht tot ist?
      Wir machen ja kein Radio im klassischen Sinne, es ist in erster Linie eine Onlineplattform, auf der Leute miteinander interagieren. Die Musik steht zwar im Vordergrund, aber wir machen auch wirklich viele coole Events. Es ist mehr als nur ein Funksignal, eher eine interaktive Plattform. Uns geht es um die Community und darum einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen treffen — nicht nur im Studio, sondern auch außerhalb und eben auch online. Radio ist sicherlich nicht tot, es gibt so viel Musik da draußen, die Leute miteinander teilen, entdecken und machen wollen. Ich selbst höre mir immer noch gerne viele Radiosendungen an. 

      Eure Radiostation liegt im Herzen Amsterdams, direkt in einem Fenster des Rotlichviertels. Wie wichtig ist euch diese physische Sichtbarkeit?
      Du bekommst die Energie auf den Straßen mit, das ist großartig! Es ist ein Ort, an dem man gerne abhängt und einfach die Musik genießt, die gerade gespielt wird. Aber ja, es ist schon eine komische Nachbarschaft mit verdammt vielen Touristen. Die Radiostation ist im wahrsten Sinne des Wortes auch als Fenster zur Underground-Szene der Stadt gedacht — du bekommst sie so zu Gesicht. Diese Idee stammt vom East Village Radio in New York.

      Was ist das Beste daran, eine Radiostadion zu haben?
      Das Reisen ist mein liebster Part. Plötzlich hat man Freunde auf der ganzen Welt— das ist so ein Privileg. 

      Wie würdest du die Musikszene in Amsterdam beschreiben?
      Hier kennt eigentlich jeder jeden. Die Leute arbeiten hier sehr viel zusammen und stehen in Verbindung zueinander, Red Light Radio ist dabei quasi ein kreatives Zentrum. Ich meine, wir machen das ganze Spektrum von Sendungen — von Metal bis Disco. Und diese Leute hängen natürlich auch zusammen herum, wenn sie gleich nacheinander eine Sendung bei uns haben. In Amsterdam müssen wir verschiedene Szenen zusammenführen, weil die Stadt so klein ist. Die Energie der Stadt ist kurz gesagt auch genau das, was bei uns in der Radiostation passiert. Wir haben im selben Gebäude auch die Aufnahmestudios von Suzanne Kraft, Jonny Nash, Young Marco und Interstellar Funk und wirklich sehr aufgeschlossene und programmstarke Clubs wie De School. Die Leute gehen hier wirklich zu sehr unterschiedlichen Veranstaltungen. 

      Welche ist die beste Nebenbeschäftigung, während man sich einer euerer Sendungen anhört?
      Ich selbst schreibe dabei ständig E-Mails und hänge am Laptop, auch wenn ich lieber zur Musik tanzen oder im Auto sitzen würde. Für mich ist tatsächlich das Auto immer noch der beste Ort zum Musikhören.

      Red Light Radio existiert bereits seit sieben Jahren. Was hast du über die Zeit hinweg gelernt?
      Damals gab es nicht wirklich etwas Vergleichbares zu dem, was wir gemacht haben, zumindest nicht in Holland. Für mich persönlich hat sich viel verändert: damals wusste ich nichts übers Radiomachen. Heute weiß ich zwar immer noch vieles nicht, aber ich habe dazugelernt. Wir haben mit großen Museen zusammengearbeitet bis hin zu Bierbrauereien und mit verrückten, großen Marken auf der ganzen Welt — sogar mit der Biennale in China. Man muss einfach machen! Kollaborationen sind wirklich der Schlüssel zur Kreativität. Und das macht die Radiostation auch zu dem, was sie heute ist. 

      @redlightradio

      Credits

      Text & Collage: Juule Kay

      Stay i-D! Like uns auf Facebook, folge uns auf Twitter und Instagram.

      Themen:musik, musikinterviews, red light radio, amsterdam, hugo van heijningen, radio

      comments powered by Disqus

      Heute auf i-D

      Mehr laden

      featured on i-D

      Weitere Features