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      kultur i-D Staff 22 März 2017

      bücher, die uns begeistert haben

      Jetzt ist es offiziell: Seit Montag ist Frühling und bald sind wohl auch die Temperaturen so hoch, dass wir wieder gemütlich im Park oder im Garten durch spannende Geschichten und erhellende Einsichten blättern können. Und weil morgen die Leipziger Buchmesse und somit das Buchmessenjahr 2017 beginnt, haben wir dir eine Liste aus Büchern zusammengestellt, die die Redaktion von i-D Germany in den letzten Monaten begeistert haben.

      bücher, die uns begeistert haben bücher, die uns begeistert haben bücher, die uns begeistert haben

      Guapa, Saleem Haddad
      „Ein Freund hat mir Guapa empfohlen und ich habe den Roman in wenigen Tagen verschlungen. Saleem Haddad ist mit seinem Debütroman ein starkes Stück Literatur gelungen, das ebenso vielschichtig und berührend wie humorvoll und spannend ist. Die Hauptfigur heißt Rasa. Der junge Araber lebt in einer Großstadt in einem nicht näher genannten arabischen Land zu Zeiten des Arabischen Frühlings und arbeitet als Dolmetscher und Übersetzer für internationale Medien. Und er ist schwul. Das große Geheimnis. Nachdem seine Großmutter Teta ihn mit seinem Liebhaber Taymour erwischt, begleiten wir den jungen Rasa in den Wirrungen der nächsten 24 Stunden. Guapa, aus dem Englischen von Andreas Diesel, erzählt nicht nur die Geschichte eines persönlichen Coming-outs, sondern das Buch ist vieles zugleich: eine schwule Liebesgeschichte, eine tragische Familiengeschichte über Verlust und Kontrolle und ein politischer Roman über das Dilemma vieler arabischer Länder, in denen autoritäre oder islamische Regime die einzigen beiden Optionen zu sein scheinen. Inmitten all der politischen Stürme erscheint die Bar Guapa wie eine Trutzburg, die Rasa und seinen Freunden Schutz bietet, vor allem für seinen besten Freund Maj, der hier in Drag performen kann. Diese Generation von jungen Arabern ist zwar westlich aufgewachsen und ausgebildet worden, muss aber feststellen, dass sich der Westen nur dann für ihre Situation interessiert, wenn die Story eine gute Schlagzeile verspricht. Guapa stellt viele wichtige Fragen rund um sexuelle Identität, soziale und ethnische Herkunft, die aktueller gar nicht sein könnten." - Michael Sader, Übersetzer i-D Germany

      Persepolis, Marjane Satrapi
      Ich bin durch Emma Watsons feministischen Buchclub „Our Shared Shelf" (den ich euch übrigens auch wärmstens ans Herzen legen kann) letzten Sommer auf die Graphic Novel Persepolis aufmerksam geworden. Zuerst war ich zugegebenermaßen recht skeptisch, ob ich mich wirklich für einen - Comic (man möge mir verzeihen!) - begeistern könnte. Doch schon auf der ersten Seite wurde mir klar, wie falsch ich gelegen hatte. Dort taucht man mit der Autorin Marjane Satrapi direkt in ihre Kindheit ein, sitzt mit ihr zusammen in einem Klassenzimmer im Iran der 1980er, in dem es ein Jahr nach der islamischen Revolution für Mädchen wie Marjane plötzlich eine Kopftuchfpflicht gibt. Und das war's dann: Der Rest des Buchs, in dem Satrapi ihre eigene Kindheit und Jugend zwischen dem Iran und ihrer späteren Heimat in Europa nacherzählt, spielt sich wie ein Film vor den Augen des Lesers ab. Ich glaube, es ist keine mutige Behauptung zu sagen, dass man anhand von Satrapis persönlicher Geschichte innerhalb kürzester Zeit so viel über ihre Heimat, den Iran, lernt, wie es kaum ein Lehrbuch schaffen würde. Und: Anders als ihre Zeichnungen, malt Satrapi die Geschichte ihrer Familie und die ihrer Heimat nicht in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse — dafür mit einer ordentlichen Portion Humor, Ehrlichkeit und Selbstreflektion. Ich habe selten so viel geweint, gelacht und gelernt, als in den sieben Stunden, in denen ich Persepolis verschlungen habe. Mittlerweile habe ich das Buch schon zum zweiten Mal gelesen und an so viele Freunde und Freunde von Freunden verliehen, dass ich im Moment nicht genau weiß, wo sich mein Exemplar befindet. Macht aber nichts, denn dieses Buch sollte wirklich jeder gelesen haben, der sich für Frauenrechte, Geschichte, den Iran oder einfach nur eine wirklich gute Story begeistern kann." - Catherina Kaiser, Praktikantin i-D Germany

      We were feminists once: From Riot Grrrl to CoverGirl®, the Buying and Selling of a Political Movement, Andy Zeisler
      „Wie so viele von uns, bin ich gerade in einem Zustand andauernder Wut. Wut darüber, dass jemand wie Trump Präsident sein kann, Wut darüber, dass man im Jahr 2017 als Frau immer noch nicht zu 100% die gleichen Chancen hat wie Männer und Wut darüber, dass man sich manchmal so hilflos fühlt. Was mir gegen diese Hilflosigkeit hilft, ist lesen. Lesen über das, was mal war, um zu verstehen, warum gerade alles so ist. Ein Buch, das ich gerade erst zu Ende gelesen habe und das einem einiges klar macht, ist We were feminists once: From Riot Grrrl to CoverGirl®, the Buying and Selling of a Political Movement von Andi Zeisler. Andi Zeisler ist die Gründerin von Bitch Media und Herausgeberin des Magazins Bitch und hat mit We were feminists once ihr drittes Buch veröffentlich. Auf über 200 Seiten beschreibt sie, wie aus Feminismus ein Marketing-Tool gemacht wurde, bringt viele Beispiele, stellt die Frage, ob Beyoncé nun wirklich eine Feministin ist oder nicht und lässt viele verschiedenen Stimmen zu Wort kommen. So beleuchtet sie die unterschiedlichsten Aspekte von dem, was wir heutzutage Feminismus nennen, weil das kann man doch schnell vergessen, denkt man nur an all die Headlines, die mit Wörter wie Empowerment nur so um sich werfen. Wer sich also mit der Kommerzialisierung dieser kulturellen Strömung auseinandersetzen will um ein bisschen klarer im Kopf zu werden, dem würde ich dieses Buch wärmstens empfehlen." - Alexandra Bondi de Antoni, Chefredaktion i-D Germany 

      The Sweetness Of Life, Françoise Héritier
      „Zwar ist The Sweetness Of Life schon einige Jahre alt, sollte aber unbedingt seinen wohlverdienten Platz auf deiner To-Do-Lese-Liste bekommen. Die wenigsten von euch haben es vermutlich bis dato auf dem Radar gehabt. Ich auch nicht, bis es mir im Tate Modern in die Hände gefallen ist. Nach einigen Seiten Blättern hat sich prompt dieses wohlig-warme Gefühl in mir breit gemacht, das nur die wenigsten Bücher hervorzaubern können. Wie der Titel bereits verspricht, handelt das Buch von den kleinen Dingen des Lebens, die es doch so einzigartig schön machen. Françoise Héritier, die Autorin des Essays, schreibt darin dem befreundeten Professor Jean-Charles Piette einen Brief, der sich zuvor über die verlorene Zeit seiner miserabel verlaufenden Woche beschwert. Mit den Worten „Jeden Tag verpasst du die Dinge, die das süße Leben ausmachen", beginnt eine Aneinanderreihung von Gedanken, die mehr Tiefe besitzen, als du beim ersten Lesen vielleicht erwarten magst. Es geht um Wahrnehmungen, Gefühle und die großen und kleinen Freuden des Lebens, die manchmal so profan erscheinen, dass sie nicht nennenswert wären. Doch hinter all diesen beschriebenen Glücksmomenten verbergen sich die „Genau-das-kenne-ich-auch"- Augenblicke, die wir uns viel zu selten in Erinnerung rufen und die dabei doch so Großartiges mit uns anstellen können. Auf simple und doch einprägsame Weise schafft es Héritier, dass wir mit jeder einzelnen Buchseite wieder an das Gute auf der Welt glauben. Damit räumt sie Platz für diejenigen Dinge frei, die leider viel zu oft im Trubel des Alltags untergehen; die wir als viel zu selbstverständlich auffassen und die uns letzten Endes doch einfach nur eines machen: glücklich. Ein absolutes Muss für jeden noch so trostlos erscheinenden Tag!" - Juule Kay, Staff Writer i-D Germany 

      Zur Liste von letztem Jahr geht es hier

      Credits

      Text: i-D Germany
      Cover: über die Verlage
      Titelfoto: Andy Roberts via FlickrCC BY 2.0

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      Themen:kultur, literatur, bücher, leipziger buchmesse, guapa, saleem hadid, persepolis, marjane satrapi, the sweetness of life, we were feminists once

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